ANZEIGE

PE-Experte Benjamin Alt, Schroders Capital „Illiquidität? Behutsam investieren, langfristig profitieren“

Benjamin Alt, Head of Global Private Equity Portfolios, Schroders Capital

Benjamin Alt, Head of Global Private Equity Portfolios, Schroders Capital: „Illiquide Assets sind keine Blackbox – wer sie versteht, kann langfristig Erfolg haben.“ Bildquelle: martinjoppen.de

Alexander Prawitz, Deutschland-Chef von Schroders begrüßt die zahlreichen Gäste.

Alexander Prawitz, Deutschland-Chef von Schroders begrüßt die zahlreichen Gäste. © martinjoppen.de

private banking magazin: Herr Alt, das Schlagwort „Demokratisierung im Private-Equity-Segment“ wird derzeit viel bemüht. Wie fällt Ihr Eindruck im Tagesgeschäft aus?

Benjamin Alt: Die Türen sind offen, aber einen Ansturm spüren wir noch nicht. Wenn Sie sich das Gesamtvolumen anschauen, ist das, was auf der „Demokratisierungsseite“ passiert, immer noch sehr klein. Tatsächlich wird viel darüber berichtet und noch mehr spekuliert – aber faktisch liegen wir alle bei den Umsätzen im Segment im niedrigen Bereich. Medial ist das Thema stark präsent, aber in der Breite des Vertriebs, etwa bei Sparkassen, passiert noch nicht viel. Von einer flächendeckenden Umsetzung sind wir weit entfernt.

Als Private-Equity-Profi sind Sie eine eher exklusive Nische gewohnt. Was macht es mit Ihnen, wenn plötzlich alle über Ihre Assetklasse sprechen?

Alt: Ich finde das grundsätzlich positiv. Aber seien wir ehrlich: Es wird zwar viel darüber gesprochen, aber die Umsätze sind gering. Der große Wurf steht noch aus.

Ist die generelle Entwicklung aus Ihrer Sicht dennoch zu begrüßen?

Alt: Auf jeden Fall. Ich halte jedoch einen moderaten, gut vorbereiteten Start bei diesem komplexen Thema für immens wichtig. Das ist wahrscheinlich die beste Absicherung davor, dass das Thema zu schnell wächst, falsch verstanden wird und alle Beteiligten in unsicheres Fahrwasser kommen.

Zahlen zeigen, das Unternehmen heute viel länger als in den vergangenen Jahrzehnten privat bleiben. Apple ging schon nach vier Jahren an die Börse. OpenAI oder SpaceX hingegen bleiben jahrzehntelang privat. Womit hängt das zusammen?

Alt: Das liegt vor allem daran, dass in den letzten 20 Jahren deutlich mehr privates Kapital verfügbar geworden ist. Unternehmen müssen heute nicht mehr zwangsläufig an die Börse, um zu wachsen. Viele junge Firmen nutzen die Zeit lieber, um interne Strukturen aufzubauen, die Organisationen etablieren und das Geschäft zu stabilisieren, bevor sie sich dem Aufwand und den Belastungen eines IPOs stellen.

Es gibt allerdings Ausnahmen: Extrem schnell wachsende Tech-Unternehmen werden irgendwann so groß, dass ein Börsengang fast unvermeidlich wird. Das 2015 gegründete britische Finanztechnologieunternehmen Revolut ist ein gutes Beispiel dafür: Das Unternehmen bot früh digitale Finanzdienstleistungen auf globaler Ebene an und gewann schnell Millionen von Nutzern.

ELTIFs öffnen Privatanlegern zunehmend den Zugang zu Private Equity. Was sollten die Anleger über die damit einhergehende Illiquidität wissen?

Alt: Illiquidität ist ein zentraler Punkt – und wird oft noch unterschätzt. Man muss verstehen, dass ein ELTIF zwar Liquiditätselemente besitzt, aber im Kern eine illiquide Assetklasse bleibt. Das gilt unabhängig von der Investitionshöhe.

Lassen Sie mich das am Beispiel zeigen: Ein Haus wird nicht täglich neu bewertet, das schafft Stabilität für den Eigentümer. Bei Unternehmen ist es für viele Anleger schwieriger nachzuvollziehen – man kann sie nicht direkt anfassen und die Bewertungsmechanismen sind nicht immer greifbar. Deshalb ist Aufklärung so wichtig. Illiquide Assets sind keine Blackbox – wer sie versteht, kann langfristig Erfolg haben.

Wie groß ist die Gefahr, dass Probleme in einer illiquiden Anlageklasse auf andere überschwappen?

Alt: Solche Effekte gibt es – 2022 haben wir das gesehen, als Immobilienmärkte schwächelten und einige Evergreen-Fonds Probleme hatten. Viele Investoren wurden nervös, obwohl Private Equity zu diesem Zeitpunkt gar nicht massiv gefährdet war. Wichtig sind Transparenz und regelmäßige fundierte Updates. Wenn Sie 370 Unternehmen im Portfolio haben und eines fällt aus, heißt das nicht, dass das gesamte Portfolio wackelt – ähnlich wie man es vom Aktienmarkt kennt.

Ihr ELTIF investiert vor allem in Small- und Mid-Cap-Strategien. Was charakterisiert die von Ihnen ausgewählten Unternehmen?

Alt: Es handelt sich um klassische Mittelständler mit Unternehmenswerten zwischen 50 und 300 Millionen Euro – innovative, stabile und margenträchtige Firmen. Wir fokussieren uns stark auf weniger zyklische Geschäftsmodelle und Services, sie machen rund zwei Drittel unseres Portfolios aus.

Wie stellen Sie im ELTIF sicher, dass die Bewertungen nachvollziehbar bleiben?

Alt: Wir bewerten monatlich anhand finanzieller Kennzahlen, vor allem EV/EBITDA. Der Multiple orientiert sich an börsennotierten Vergleichsunternehmen – aber nicht eins zu eins, weil wir typischerweise 20 bis 30 Prozent unter Public-Market-Bewertungen investieren.
Künstliche Performance ist möglich, etwa über den Kauf vieler Secondaries mit hohem Discount. Was kurzfristig angebracht sein kann, kann aber langfristig riskant sein. Deshalb setzen wir entschieden auf Qualität.

Wie sieht es im ELTIF mit Geld-/Brief-Spreads aus?

Alt: Einen klassischen Spread gibt es nicht. Wir erstellen am Monatsende den NAV, Zeichnungen sind bis zehn Geschäftstage vorher möglich. Verkäufe haben eine 90-Tage-Kündigungsfrist pro Quartal.
Der Vorteil gegenüber börsennotierten Private-Equity-Vehikeln: Beim Evergreen-Modell entstehen keine großen Discounts zum NAV.

Wie weiß ein Anleger, dass Ihr ELTIF zur Top-Performing-Gruppe gehören wird?

Alt: Ein wichtiger Punkt. Private Equity hat eine hohe Dispersion. Entscheidend sind Erfahrung, Prozesse, Systeme und ein global diversifiziertes Portfolio mit 200 bis 300 Unternehmen.
Lassen Sie mich die häufig geäußerte Kritik entkräften: Die Kleinteiligkeit der Anleger verändert nichts. PE-Produkte sind transparenter und präsenter denn je – es wäre absurd, jetzt weniger Qualität zu liefern. Wichtig ist, dass Anleger verstehen, was sie kaufen.

Wie merken Sie, dass Anleger gut informiert sind?

Alt: An ihrer ruhigen Hand. Wenn trotz guter Performance starke Mittelbewegungen auftreten, wissen wir: Es gibt Unsicherheiten. Viele kommen aus der Welt der börsengelisteten Unternehmen. Nach kurzer Zeit im PE-Bereich stellen sie aber fest: So komplex ist das gar nicht. Sie haben Unternehmens-Eigenkapital im Portfolio, der Unterschied liegt in der Liquidität.

Wird der institutionelle Bereich durch den ELTIF in irgendeiner Weise verwässert?

Alt: Nein. Es kommt zwar insgesamt mehr Kapital hinzu – was positiv ist –, aber im Vergleich zu Secondary-Märkten mit 150 bis 200 Milliarden jährlich sind ELTIF-Volumina mikroskopisch klein. Da entsteht keine Bedrohung.

Sind wir im Retail-Bereich noch in einer frühen Phase?

Alt: Ja, ganz klar. Institutionell sind wir bereits deutlich reifer, in Ländern wie Großbritannien oder Skandinavien sowieso. Deutschland, Frankreich und Italien holen auf. Aber Retail steckt am Anfang – und das ist auch gut so, denn, wie gesagt, ein behutsamer Aufbau ist für das nachhaltige Wachstum des Markts entscheidend.

Ihr „Elevator Pitch“?

Alt: Unser ELTIF ist wahrscheinlich der einzige Fonds, der privaten Investoren einfachen Zugang zum Small- und Mid-Market-Buyout-Segment bietet – mit Liquiditätselement, ohne Capital Calls und ohne „NAV Planning“; aufwendige, administrativ anspruchsvolle Liquiditäts- und Verpflichtungsplanungen rund um Capital Calls. Nicht zu vergessen: Unser ELTIF ergänzt große Large-Cap-Produkte perfekt.

Private Markets als Lebenszyklus: Jugend, Reife oder Midlife-Crisis?

Alt: Eine Kombination aus Jugend und Reife.

Was möchten Sie in Ihrem Leben illiquide halten?

Alt: Freundschaften und Beziehungen. Die brauchen Zeit zum Wachsen – und die möchte man nicht einfach aufgeben.

Welches Private-Equity-Investment würden Sie emotional besitzen wollen?

Alt: Etwas im Bereich Bildung. Das ist aus meiner Sicht die Lösung für viele der Herausforderungen unserer Zeit.

Wo stehen die Flows nächstes Jahr?

Alt: Unser „Global Private Equity Evergreen“, ein geschlossener Evergreen-Fonds von Schroders Capital, ist im ersten Jahr von 30 auf 100 Millionen Euro gewachsen. Wenn wir im ELTIF im Jahr 2026 100 bis 150 Millionen Euro erreichen, wäre das ein hervorragender Start.

Ist der Markt momentumgetrieben?

Alt: Überhaupt nicht. Es braucht noch viel Aufbauarbeit – technisch, operativ, vertrieblich. Momentum sehe ich in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht.

Und Sie fühlen sich in diesem ruhigeren Umfeld wohl?

Alt: Absolut. In unserer Branche passiert nichts über Nacht. Sorgfältige Due Diligence braucht Zeit, Transformation braucht Zeit. Es sind die überhasteten Entscheidungen und Übertreibungen am Markt, die meist zu den größten Schäden führen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen

Mehr zum Thema

nach oben
PRIVATE BANKING MAGAZIN PRIVATE MARKETS HUB

Private Markets im Fokus

Private Equity, Private Debt, Real Estate und Infrastructure: Für Entscheider im DACH-Raum analysieren wir Märkte, bewerten Strategien und identifizieren Chancen in nicht-börsengehandelten Anlageklassen.

Zum Private Markets Hub
PRIVATE BANKING MAGAZIN PRIVATE MARKETS HUB

Private Markets im Fokus

Private Equity, Private Debt, Real Estate und Infrastructure: Für Entscheider im DACH-Raum analysieren wir Märkte, bewerten Strategien und identifizieren Chancen in nicht-börsengehandelten Anlageklassen.
Jetzt Private Markets Hub entdecken