private banking magazin: Herr von Uckermann, warum bauen Sie das John-Jahr-Haus?
Adalbert von Uckermann: Am Anfang stand der emotionale Wert. Das Grundstück gehört seit 60 Jahren der Familie Jahr. Die Grundsteinlegung war 1967. An der Stelle des heutigen Neubaus stand früher das Constanze-Pressehaus, er ist sozusagen auf Jahrzehnte gebaut. Zuerst wohnten dort Gruner und Jahr. Dann gab es einige Mieterwechsel. Zuletzt war die Bank N26 hier Mieter. Als das Gebäude baufällig wurde, entschied sich die Familie Jahr für den Neubau. Das Haus ist nach dem Großvater John benannt worden. Der Neubau ist in Abstimmung mit der Stadt erfolgt, weil die ganze Kreuzung neu entwickelt werden sollte.
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private banking magazin: Herr von Uckermann, warum bauen Sie das John-Jahr-Haus?
Adalbert von Uckermann: Am Anfang stand der emotionale Wert. Das Grundstück gehört seit 60 Jahren der Familie Jahr. Die Grundsteinlegung war 1967. An der Stelle des heutigen Neubaus stand früher das Constanze-Pressehaus, er ist sozusagen auf Jahrzehnte gebaut. Zuerst wohnten dort Gruner und Jahr. Dann gab es einige Mieterwechsel. Zuletzt war die Bank N26 hier Mieter. Als das Gebäude baufällig wurde, entschied sich die Familie Jahr für den Neubau. Das Haus ist nach dem Großvater John benannt worden. Der Neubau ist in Abstimmung mit der Stadt erfolgt, weil die ganze Kreuzung neu entwickelt werden sollte.
Was kennzeichnet den Neubau?
von Uckermann: Unser Hauptgebäude umfasst Büroflächen und ist knapp 70 Meter hoch. Daneben befinden sich zwei Wohngebäude. Früher haben wir rund 17 Wohnungen vermietet. Jetzt sind es 48. Ein Drittel der Wohnungen hat vergünstigte Mieten. Die wurden nicht staatlich gefördert.
Das Grundstück in Berlin gehört der Familie Jahr
seit 1967. Der Neubau wurde im März 2026 fertiggestellt.
| Bildquelle: Jahr Holding
Welche Rendite erwarten Sie für das Projekt?
von Uckermann: Die Anfangsrendite ist überschaubar. Das Projekt soll 50 Jahre halten. Wir verdienen Geld damit, aber die Rendite ist nicht zweistellig.
Wie viele Jahre dauerte der Bau?
von Uckermann: Ich bin jetzt seit 2020 bei der Jahr Holding. 2016 setzte sich die Familie zusammen und überlegte, was sie mit dem Grundstück machen soll. Der Architektenwettbewerb war dann 2019. Im März 2026 wurde das Gebäude fertiggestellt. Zwischen dem initialen Gedanken und dem Projekt vergeht natürlich etwas Zeit.
Immobilien stecken seit der Zinswende in der Krise. Wie schätzen Sie die mittelfristige Entwicklung ein?
von Uckermann: Würde ich derzeit ein Büro in Randgebieten von Großstädten kaufen? Nein. Wenn Büroimmobilien, dann in der City. Auch das ist kein Selbstgänger. Die wirtschaftliche Situation ist unsicher und damit sind die Leute zurückhaltend beim Wechsel in neue Flächen. Aber wenn die Firmen ihre Bürogebäude wechseln, dann wollen sie Premium: eine gute Lage, schöne neue Einrichtung, modern, effizient.
Nachhaltigkeit war eine Zeit lang ein großes Thema, scheint aber als Buzzword wieder etwas an Bedeutung verloren zu haben. Inwieweit berücksichtigen Sie Nachhaltigkeitskriterien beim Bau und auch in Ihrem Portfolio?
von Uckermann: Wir wollen das Gebäude lange halten und streben Platin an. Wir haben etwas teurer gebaut, als es notwendig gewesen wäre, um ein reines Renditeobjekt zu haben. Wenn man Immobilien neu baut oder neu kauft, sollte man auf Nachhaltigkeit achten. Das hat einfach wirtschaftliche Gründe. Wenn Sie neu kaufen, sollten Sie möglichst sanierte Objekte wählen. Sonst zahlen Sie sehr viel Geld nach.
Im Portfolio sehen wir das Thema pragmatisch: Wir kaufen nicht absichtlich Umweltverschmutzung, aber wir screenen nicht von vornherein strenge ESG-Kriterien in jeder Form von Anlage. Wir haben ein paar wichtige Punkte, die wir nicht wollen. Aber wenn sogar ETFs mit ESG-Kennzeichen Waffenhersteller enthalten, müssen wir ihnen bei der ETF-Auswahl weniger Beachtung schenken.
Infrastrukturprojekte sind immer öfter Thema. Wie groß ist der Anteil von Infrastrukturinvestitionen in Ihrem Portfolio?
von Uckermann: Wir investieren schon seit vielen Jahren gezielt in Infrastruktur. Beispielsweise bauten wir 2015 eine Firma im Bereich neue Energien mit auf. Einen eigenen Topf für Infrastruktur haben wir seit 2021. Da war es aber noch nicht in aller Munde.
Wie sieht Ihr Gesamtportfolio heute aus und wie soll es in fünf beziehungsweise zehn Jahren aussehen?
von Uckermann: Der überwiegende Teil unseres Vermögens ist, wie man so schön sagt, illiquide aufgestellt.
Das ist eher ungewöhnlich. Die meisten Anleger scheuen Illiquidität.
von Uckermann: Wir glauben, dass es eine Illiquiditätsprämie gibt. Die Logik ist einfach: Wenn Sie ein illiquides Investment anbieten oder wenn Sie überlegen zu investieren, dann muss das einfach eine höhere Rendite bringen. Warum sollte ich sonst mein Geld für lange Zeit binden?
„Wir kaufen nicht absichtlich Umweltverschmutzung“
Und Sie haben diese Zeit?
von Uckermann: Genau, das ist der entscheidende Punkt. Das Familienvermögen ist auf Generationen angelegt. Das heißt, da ist sehr viel Private Equity drin, da sind Infrastrukturinvestments drin, Immobilien und auch Beteiligungskapital für Start-ups (Venture Capital). Ein relativ kleiner Anteil ist in liquiden Anlagen, das sind letztendlich Aktien.
Keine Anleihen?
von Uckermann: Anleihen sind kein strategischer Bestandteil unserer Vermögensallokation. Wir sind da sehr klar positioniert: Sachwerte, begrenzt handelbare Vermögenswerte mit Illiquiditätsprämie, und das Ganze mit langem Anlagehorizont.
Wie stark ist die Familie Jahr selbst in die Investmententscheidungen involviert?
von Uckermann: Die Familie ist Teil des Beirats. Wir sind aufgestellt wie eine klassische Aktiengesellschaft, auch wenn wir eine GmbH & Co. KG sind. Die Geschäftsführung führt die Geschäfte und sucht sich die Anlagen aus. Der Beirat gibt die strategische Vorgabe. Entscheidungen ab einer gewissen Größenordnung müssen vom Beirat abgesegnet werden. Da ist die Familie mit involviert. Es wurde aber explizit darauf Wert gelegt, dass auch externe Experten dabei sind. Das sorgt für zusätzliche Perspektiven und verhindert, dass man in einer Familienblase bleibt.
Was war Ihre erste große Herausforderung beim Jahr Family Office?
von Uckermann: Als ich angefangen habe, musste ich mir eine komplette Übersicht über das bestehende Vermögen verschaffen. Da waren auch Entscheidungen dabei, die ich dann umzusetzen hatte – also zum Beispiel die Entscheidung, dieses Haus zu bauen. Da ich im Juli 2020 angefangen habe, wurde wegen Corona am Anfang sehr viel nur über Papier erledigt. Aber eigentlich muss man mit den Leuten sprechen: mit den Fondsmanagern, insbesondere bei Private-Equity-Fonds. Ich wollte alle Investments wenigstens einmal gesehen oder mit dem jeweiligen Manager gesprochen haben.
„Zu Hause im Büro sitzen und warten, bis ein Anbieter vorbeikommt – das reicht einfach nicht“
Wie gehen Sie vor bei der Auswahl von Anlagen?
von Uckermann: Ich sehe mir die Zahlen an und sage: Okay, ich will die zwei Fondsmanager sehen. Und ich habe externe Experten, die sich spezialisiert haben. Die sagen mir dann: Fokussier dich mal auf die zwei oder die drei Anlagen. Das bedeutet natürlich eine gewisse Reisetätigkeit, das muss einem liegen. USA sind schön, aber zeitaufwendig. Es gilt, die Kosten und den Nutzen abzuwägen.
Was ist denn das Wichtigste in Ihrem Job?
von Uckermann: Das Wichtigste von allem ist: Egal mit wem Sie reden, Sie müssen offen sein für neue Ideen. Zu Hause im Büro sitzen und warten, bis ein Anbieter vorbeikommt und eine tolle Idee hat – das reicht einfach nicht. Die anderen Anleger auf der Jahreshauptversammlung von Private-Equity-Fonds haben auch noch ein paar Ideen über die speziellen Fonds hinaus. Man erfährt, wie sie die Welt insgesamt sehen. Oder sie fragen: Kennst du den und den schon? Das ist immer der wichtigste Teil solcher Veranstaltungen.
Künstliche Intelligenz wird heiß diskutiert. Welche Rolle spielt sie in Ihrem Arbeitsalltag?
von Uckermann: Wir nutzen KI schon intern, weil es manchmal Recherche und ähnliches vereinfacht. Allerdings ist das ein schönes Beispiel dafür, dass man sich trotzdem auskennen muss. Dann erkennt man an bestimmten Punkten: Da hat die KI jetzt einfach nur nach Wahrscheinlichkeiten hingerechnet. Und wenn die Wahrscheinlichkeit extrem niedrig ist, weil sie noch nichts Passendes gefunden hat, dann steht trotzdem etwas da. Das klingt plausibel, ist aber möglicherweise falsch oder zumindest spekulativ. Die KI gibt nie zu, dass sie etwas nicht weiß.
Über den Interviewten:
Adalbert Freiherr von Uckermann ist seit 2020 Geschäftsführer der Jahr Holding. Zuvor war er bis Ende 2019 Mitglied der Geschäftsführung des Multifamily Office HQ Trust.
Über die Familie Jahr:
Die Hamburger Familie Jahr ist eine Unternehmerfamilie mit enger Verbindung zur deutschen Mediengeschichte. Bekannt geworden als Mitbegründer des Verlags Gruner + Jahr, investiert sie heute in Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und ausgewählte alternative Assetklassen, insbesondere in Europa und Nordamerika. Ziel ist es, Werte über Generationen zu entwickeln und unternehmerische Verantwortung mit nachhaltigem Kapitalerhalt zu verbinden.
