IKB Deutsche Industriebank In zinsarmen Zeiten rücken Nachranganleihen ins Blickfeld

Jens Franck ist Partner und Senior Portfoliomanager bei Nordix in Hamburg. | © Nordix

Jens Franck ist Partner und Senior Portfoliomanager bei Nordix in Hamburg. Foto: Nordix

Viele konservative Investoren suchen immer verzweifelter nach Anlagealternativen, die ihnen angesichts der historisch niedrigen Zinsen noch eine positive Realverzinsung versprechen. Da Staatsanleihen der als sicher angesehenen nordeuropäischen Länder auch bei langen Laufzeiten nur noch Negativzinsen bieten, beschäftigen sich auch sicherheitsorientierte Anleger immer häufiger mit Emissionen des Finanzsektors. Die Anleihen von Banken und Versicherungen versprechen oftmals noch Renditen von immerhin 2 oder 3 Prozent pro Jahr.

Bei Rentenpapieren aus dem Bankensektor darf aber nicht vernachlässigt werden, dass die Emittenten selbst durch die historisch niedrigen Zinsen erheblich unter Druck geraten sind. Sehr flache bis inverse Zinsstrukturkurven, immer mehr regulatorische Anforderungen, steigende IT-Kosten, der immer stärker spürbare Wettbewerb der Fintechs und Ängste über einen konjunkturellen Abschwung sind die wesentlichsten Faktoren, die der Mehrzahl der europäischen Banken auch künftig zu schaffen machen.

Die Lage vieler Institute und die Investitionsmöglichkeiten im Bereich der Bankanleihen seien am Beispiel der in Düsseldorf ansässigen IKB Deutsche Industriebank erläutert. Die Bank, 1924 gegründet und 1948 in Westdeutschland unter dem heutigen Namen neu aufgestellt, wurde 2008 mehrheitlich von der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Lone Star Investmentgesellschaft übernommen.

Die Bank hat das Geschäftsjahr 2018/2019 mit Verlust von 44 Millionen Euro abgeschlossen, nachdem im Vorjahr bereits ein Verlust von 296 Millionen Euro angefallen war. Investoren, die Anleihen der IKB halten oder über einen Erwerb nachdenken, müssen sich vor diesem Hintergrund die Frage stellen, ob das Institut Zinsen auf das ausstehende Kapital bezahlt und die Anleihen ordnungsgemäß zurückzahlen wird.

Die Situation ist vor allem deshalb so brisant, da die IKB sich in der Vergangenheit auch über Nachranganleihen finanziert hat, also Anleihen begeben hat, die im Falle einer Insolvenz gegenüber anderen Verbindlichkeiten der Bank nachgeordnet sind. Mit Hilfe der Nachranganleihen konnte die Bank ihr anrechenbares Eigenkapitals ausweiten. Teilweise sind die Bedingungen dieser Nachrangleihen so gestaltet, dass auch die laufenden Zinszahlungen nur dann geleistet werden müssen, wenn die Bank ein positives Jahresergebnis erwirtschaftet. Derartige Tier-1-Nachranganleihen wurden von der IKB unter anderem in den Jahren 2002 und 2004 mit einem Volumen von insgesamt 400 Millionen Euro begeben.

Angesichts der im zweiten Geschäftsjahr andauernden Verlustsituation der Bank erhalten die Investoren inzwischen keine Zinszahlung mehr. Und auch das Kapital – das nach den Anleihebedingungen am Verlust teilnimmt – ist inzwischen vollständig abgeschrieben. Im Mai 2017 unterbreitete eine Tochtergesellschaft der IKB Investoren ein Rückkaufsangebot für diese Titel. Die Investoren konnten ihre Anleihen zu einem Kurs von 20 einliefern. Viele haben dieses Angebot angenommen. 

Durch die hohe Teilnahme der Investoren an diesem Rückkaufangebot ist der ausstehende Anteil inzwischen von ursprünglich 400 Millionen Euro auf unter 50 Millionen Euro gesunken. Der Kurs dieser Anleihen wiederum ist deutlich gestiegen und bewegt sich seit Jahresanfang 2019 auf einem Kursniveau leicht unterhalb von 60 Prozent.