Der Erbe des M&G Global Basics „Ich will kein zweiter Graham French sein“

Randeep Somel managt den M&G Global Basics | © Johannes Arlt

Randeep Somel managt den M&G Global Basics Foto: Johannes Arlt

private-banking-magazin.de: Wie hat sich Ihr Terminplan verändert?

Randeep Somel: Nicht sehr. Ein bisschen Marketing ist hinzugekommen.

private-banking-magazin.de: Welche charakterlichen Unterschiede gibt es zwischen Ihnen und Graham French?

Somel: Ich gebe Ihnen ein Beispiel. In Großbritannien lief eine Dokumentation über Angela Merkel. Darin wurde sie – eher analytisch, schüchtern, ruhig – mit dem imposanten, biertrinkenden, überlebensgroßen Helmut Kohl verglichen. Er sollte Deutschland wiedervereinigen. Merkel soll heute Europa zusammenhalten. Sie teilen dieselbe Philosophie, sind aber grundverschieden. Ähnlich ist es mit Graham und mir. Er ist charismatisch, er kann Menschen für sich gewinnen, er mag die große Bühne.

private-banking-magazin.de: Und er ist lustig.

Somel: Das ist er. Ich bin nicht unbedingt derselbe Typ. Ich versuche deshalb auch gar nicht, ein zweiter Graham French zu sein. Aber ich arbeite seit achteinhalb Jahren mit ihm zusammen. Ich lebe und atme den Fonds. Ich habe jedes Management und jedes Unternehmen persönlich getroffen. Und glauben Sie mir, die Philosophie des Fonds wird sich nicht verändern.

private-banking-magazin.de: Würde Graham auch Microsoft kaufen?

Somel: Nein.

private-banking-magazin.de: Sie aber schon.

Somel: Ja. Und ich habe es schon getan. Das geschah noch unter Grahams Regie. Ich musste ihn überzeugen, dass es das Richtige sei.

private-banking-magazin.de: War es schwierig?

Somel: Nicht allzu sehr. Es gab zwei Schlüsselfakten, die den Kaufzeitpunkt anzeigten. Zum einem kann Microsoft endlich seine starke Stellung in Schwellenländern in Geld ummünzen. Vormals illegale Anwender müssen jetzt für Software zahlen. Das heißt, Microsoft braucht gar keine neue Kunden zu finden, um seinen Umsatz auszuweiten. Und das passiert gerade. In China gibt es genauso viele Anwender wie in den USA. Der Umsatz beträgt aber gerade mal 5 Prozent.

private-banking-magazin.de: Und der zweite Punkt?

Somel: Steve Ballmer verlässt endlich das Unternehmen.

private-banking-magazin.de: Sie mögen ihn nicht?

Somel: Nein. Er hat Unmengen an Geld verschwendet, indem er versucht hat, Apple zu kopieren. Nun hat Microsoft erstmals keinen Gründer mehr als Geschäftsführer. Eine gute Chance für einen externen Geschäftsführer, der sich mit Shareholder Value besser auskennt.

private-banking-magazin.de: Graham French hat vor Jahren für den Fonds eine Art Entwicklungskurve für Schwellenländer entworfen, an der sich der Fonds orientiert.

Somel: Im Jahr 2000 stellte sich die Frage, wie sich die stark wachsenden Schwellenländer weiterentwickeln werden. Die Kurve zeigt die verschiedenen Stadien der Entwicklung und welche Produkte die Menschen in diesen Stadien verlangen. Das beginnt bei den Grundbedürfnissen wie Rohstoffen, Essen und Infrastruktur und endet nach vielen Jahren bei Luxusgütern. Es ist nicht statisch, es ist eine Reise.

private-banking-magazin.de: Wann ist die zu Ende?

Somel: Noch lange nicht. Zwar sind Indien, Brasilien und China heute in einem Zustand, den wir zu Beginn so schnell nie erwartet hätten. Nehmen wir aber Nigeria. Dort leben 150 Millionen Menschen. Die Zahl könnte sich in den kommenden 25 Jahren verdoppeln. Das wäre dann dieselbe Größe wie die USA heute. Auch Länder wie Vietnam und Sri Lanka stehen vor solchen Wachstumschancen.

private-banking-magazin.de: Es gibt also genug Nachschub für Ihre Reise?

Somel: Ohne Frage. Das Prinzip ist aktueller denn je. Die Wachstumsunterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern waren nie so hoch wie jetzt.

private-banking-magazin.de: Das ändert nichts daran, dass die jüngere Wertentwicklung Ihres Fonds eher schwach ist.

Somel: Wo es uns gewaltig erwischt hat, ist Bergbau. Dabei ist der Rohstoffverbrauch kaum gesunken. Nur die Unternehmen notieren auf einem Kurs-Buchwertverhältnis unter 1. Das ist so tief wie Ende 2008. Das größte Problem in der Branche waren die Unternehmen selbst. Sie hatten in den vergangenen drei Jahren die höchste Fusions- und Übernahme-Quote von allen Branchen. Den Aktionären machte das Angst und Bange. Sie zahlten Höchstpreise für Wachstum, bekamen aber kaum noch was heraus. Deshalb kauften sie nicht mehr. Auch wir hatten unsere Positionen zurückgefahren. Aber es passiert etwas. In den vergangenen 18 Monaten haben drei Viertel aller Firmenchefs ihre Jobs verloren. Darunter die der fünf größten Bergbauunternehmen der Welt.