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Aktienspezialist Ulf Plesmann im Interview „Ich bin für Wachstumswerte weiterhin optimistisch“

„Ich bin für Wachstumswerte weiterhin optimistisch“

Foto: Metzler Asset Management

 

Herr Plesmann, das aktuelle Marktumfeld ist nicht zuletzt aufgrund des Ukraine-Kriegs geprägt von großer Unsicherheit. Worauf kommt es in einer solchen Situation für Investoren an?

Ulf Plesmann: Den Krieg in der Ukraine können wir nicht ignorieren – auch nicht aus Kapitalmarktsicht. Wir befürchten, dass es keinen schnellen Ausweg aus der aktuellen Situation geben wird. Deshalb sollten Anleger in dem aktuellen Umfeld auf die längerfristigen Perspektiven schauen.

Eine weitere Eskalation der Auseinandersetzung scheint aktuell zwar sehr unwahrscheinlich. Wir gehen aber von einem dauerhaften Ost-West-Konflikt aus. Erste Auswirkungen davon haben wir bereits in Form steigender Energiepreise gesehen. Daher haben wir auch das erste Mal seit Langem wieder Unternehmen aus dem Energiesektor ins Portfolio aufgenommen.

Generell sollten sich Investoren der Realität stellen. Das heißt: die Gewinnerwartungen an die Unternehmen müssen angesichts der konjunkturellen Abschwächung und des Margendrucks durch die steigenden Preise reduziert werden. Für den Aktienanleger spielen jedoch nicht nur die Erwartungen für die nächsten Monate eine Rolle. Wir halten die langfristigen Aussichten für die jeweiligen Geschäftsmodelle für mindestens ebenso wichtig.

Sie haben in Ihren Portfolios also nicht grundlegend umgeschichtet?

Plesmann: Die Grundstruktur unserer Aktienstrategie ist auch nach moderaten Anpassungen an das veränderte Marktumfeld unverändert geblieben: Aufgrund der Ausrichtung an langfristig überzeugenden Geschäftsmodellen und strukturellen Wachstumstrends bevorzugen wir weiterhin Unternehmen unter anderem aus dem Technologiesektor, dem Gesundheitswesen und der Industrie. Häufig werden wir dabei in den USA fündig, so dass diese Region den Schwerpunkt der Allokation bildet.

Wie sehen die von Ihnen angesprochenen Anpassungen aus?

Plesmann: Bei unserer Analyse des veränderten Umfelds haben wir neben dem unmittelbaren Russland/Ukraine-Exposure verstärkt die Themen Preissetzungsmacht und Margenverlauf untersucht. Auf dieser Basis waren keine nennenswerten Anpassungen notwendig. Allerdings haben wir auch die Bewertungen der Unternehmen in unseren Portfolios kritischer hinterfragt und daraufhin einige Positionen besonders hoch bewerteter Titel reduziert. Im Rahmen dieser Umschichtungen haben wir unser Engagement bei Energie- und Rohstoffwerten sowie bei zinssensitiven Finanztiteln ausgebaut.

Der Krieg in der Ukraine ist das eine, die erhöhten Inflationsraten ein anderes bestimmendes Thema am Kapitalmarkt. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Teuerungsraten ein und wie werden die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank aus Ihrer Sicht reagieren?

Plesmann: Das Zins- und Inflationsumfeld ist ein zentraler Faktor für die Märkte, zumal wir hier vor einem Regimewechsel stehen. Die US-Zentralbank hat mehrere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt; auch die EZB dürfte sich in diese Richtung bewegen, um die zunächst unterschätzte Inflation unter Kontrolle zu bringen. Daneben erwarten wir eine Verringerung beziehungsweise Rücknahme der Anleihen-Kaufprogramme. In Summe wird die Geldpolitik somit von einem Unterstützungsfaktor zu einem Gegenwind für die Bewertungen am Aktienmarkt.

Ich glaube aber auch, dass sich die Inflationsrate mit Blick auf 2023 spürbar entspannen wird und dass damit der Druck auf die Geldpolitik etwas abnimmt. Einerseits werden allein die Basiseffekte diese Entwicklung unterstützen. Anderseits dürfte die Kombination aus abschwächender Konjunktur und moderaterem Preisdruck dafür sorgen, dass der Gegenwind durch die Geldpolitik deutlich nachlässt.

Mit dem Inflationsumfeld haben sich auch die Sektorpräferenzen der Anleger verändert. Aktuell stehen Substanzaktien wieder im Fokus, während Growth-Werte deutlich korrigiert haben. Sehen Sie hier einen längerfristigen Trend?

Plesmann: Es gibt mehrere Gründe, warum ich mit Blick auf Wachstumswerte ganz optimistisch bin. Erstens wird der nachlassende Inflationsdruck allmählich stärker von den Investoren antizipiert werden, zumal sich ein klarer Pfad der Zentralbankpolitik und der Zinsentwicklung abzeichnen dürfte.

Zweitens dürfte sich die Konjunktur nach der ungewöhnlich starken Erholung abschwächen. Dann kann die relative Attraktivität von strukturell attraktiven Geschäftsmodellen wieder eine höhere Wertschätzung erfahren. So verfügen die von uns ausgewählten Unternehmen über spezifische Wachstumsmöglichkeiten, die sich vom allgemeinen Markt abgrenzen.

Und drittens können zahlreiche Value-Titel nicht mit den notwendigen Zukunftsaussichten überzeugen, sodass wir die gelegentlichen Rotationen in Substanzwerte als nicht nachhaltig einstufen.

Apropos nachhaltig: Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit bei Metzler Asset Management?

Plesmann: Nachhaltigkeit hat bei der Ausrichtung unserer fundamental und diskretionär gesteuerten Fonds einen sehr hohen Stellenwert. Das Sustainable Investment Office hat einen festen Platz im Portfoliomanagement-Team, und alle Entscheidungen sind eng verzahnt. So erweitern die Analysen des Sustainable Investment Office den Investmentprozess mit wertvollen Anlageideen, mit denen sich Renditepotenziale heben und Risiken gezielt minimieren lassen. Denn abgesehen von strikten Vorgaben, die aus ethischen Grundsätzen einzuhalten sind, sollte eine nachhaltig ausgerichtete Kapitalanlage vor allem ökonomisch sinnvoll sein und so einen entscheidenden Mehrwert für das Portfoliomanagement liefern. Im Metzler Asset Management managen wir nach dieser Devise Nachhaltigkeitsmandate bereits seit den 1990er-Jahren.

Wie spiegelt sich diese lange Erfahrung konkret in Ihrer Anlagestrategie wider?

Plesmann: Lassen Sie mich das an einem Beispiel aus der Energiebranche zeigen. Wir sind davon überzeugt, dass das Streben nach einer klimaneutralen Kapitalanlage nicht im Widerspruch zu Investitionen in CO2-intensive Geschäftsmodelle stehen muss. Im Gegenteil: Würden Investoren ausschließlich in Unternehmen investieren, die bereits die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen erreicht haben, würde das die Energiewende nicht nur erheblich verteuern, sondern auch verlangsamen.

Lösen lässt sich dieser Zielkonflikt nur mithilfe einer Wertschöpfungsketten-übergreifenden Anlagestrategie, die den Wandel von Unternehmen mit großem CO2-Fußabdruck fördert. Dazu muss die Unternehmensstrategie dahingehend transparent sein, wie Klimaneutralität unter Berücksichtigung berichteter CO2-Emissionen – von Scope 1 bis 3 – und auf Basis anerkannter Bewertungskonzepte wie dem von der Science Based Target Initiative zu erreichen ist.

Diese Anforderungen erfüllt ein Unternehmen aus der Energiebranche, das wir kürzlich in unser Portfolio aufgenommen haben. Die Ziele des Managements, das Geschäftsmodell klimaneutral zu gestalten, halten wir für glaubhaft. Wir sind überzeugt, dass mit dem Umsetzen der Ziele nicht nur regulatorische Kosten gesenkt, sondern auch Umsätze gesteigert werden können. Das sollte sich perspektivisch positiv auf die Profitabilität auswirken.

Außerdem geht das Produktionsvolumen des Unternehmens an fossilen Energien stetig zurück. Zugleich investiert das Unternehmen massiv in erneuerbare Energien, was die Investitionspläne eindrucksvoll zeigen. Im aktiven Dialog mit dem Management bekräftigten wir deshalb stets, dass wir einen solchen Wandel unterstützen und entsprechend Kapital zur Verfügung stellen.

Erfahren Sie hier mehr zu den globalen Wachstumswerten von Metzler Asset Management.

Factsheet Metzler Global Equities Sustainability / Class A

Factsheet Metzler Global Growth Sustainability

 

Kontakt

Philip Schätzle
Head of Institutional Sales
(+ 49 - 69) 2104-1533
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Stand: April 2022. Diese Information richtet sich nicht an Privatanleger. Die Metzler Asset Management GmbH übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen. Weitere Informationen entnehmen Sie unseren rechtlichen Hinweisen www.metzler.com/disclaimer-mam.