I-CV-Studie zur Bonität von Großbanken Deutsche Banken bei Ertragskraft im Hintertreffen

Deutsche Banken hinken bei der Ertragskraft ihren europäischen Konkurrenten hinterher | © I-CV

Deutsche Banken hinken bei der Ertragskraft ihren europäischen Konkurrenten hinterher Foto: I-CV

Deutsche Banken liegen in einem Stresstest, abgeschlagen hinter den skandinavischen und Schweizer Banken, im unteren Investment-Grade-Bereich. Das hat das Schweizer Beratungsunternehmen Independent Credit View (I-CV) in einer Studie ermittelt. Demnach liegt die Ertragskraft der getesten Bank hierzulande unter dem europäischen Durchschnitt, trotz Fortschritten im vergangenen Jahr.

Die Autoren der Studie identifizieren dafür vier Problemfelder: Als erstes wird Geschäftsmodell, Marktstruktur und Wettbewerbsposition genannt. Danach kommt die Kostenstruktur und Effizienznachteile. An dritter Stelle steht das tiefe Zinsniveau und eine flache Zinskurve. Als letztes zählen die Schweizer die Zurückhaltung der Kunden im Wertpapiergeschäft auf.

Mit Blick auf Kapitalerfordernisse seien daher weitere substantielle Anpassungen nötig bei Bilanzvolumen und –struktur, bei Preisgestaltung und Erträgen, bei Kostenniveau und Effizienz sowie beim Bedarf an regulatorischem Kapital.

Am besten schneiden in der I-CV Analyse Swedbank und Svenska Handelsbanken aus Schweden ab. Auch die schweizerischen Credit Suisse und UBS sind spürbar robuster und weisen eine über dem europäischen Durchschnitt liegende Kreditwürdigkeit auf.

Schwächen der europäischen Banken

Europäische Banken haben insgesamt, trotz materieller Fortschritte, weiterhin erhebliche Schwächen beim Abbau von Risiken und bei der Stärkung des Kapitals.

"Zwar rechnen wir in diesem Jahr mit einer weiteren Stabilisierung der Kreditwürdigkeit der Banken im Allgemeinen, doch der massive Druck auf die Nettozinsmarge als Hauptertragsquelle hält aufgrund des Tiefzinsumfelds an“, sagte Christian Fischer, Partner von I-CV und Mitautor der Studie.

„Somit drängt sich bei mancher Bank die Frage der Daseinsberechtigung auf. Eine Konsolidierung dürfte bei kleinen und mittleren Banken in den nächsten Jahren zu sehen sein, während bei den großen Banken wohl vorerst keine bedeutenderen Transaktionen zu erwarten sind", so Fischer.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Bonität europäischer Banken stabilisiert, wenn auch vielfach noch auf bescheidenem Niveau. Dabei bleibt die Kluft zwischen stärkeren und schwächeren Volkswirtschaften entscheidend für die Bonität wie auch den relativen Fortschritt der einzelnen Banken.

Nord-Süd-Gefälle auf dem europäischen Bankenmarkt

"Wir sehen insgesamt einen gespaltenen europäischen Bankenmarkt“, sagte Fischer. Das werde besonders deutlich bei der Betrachtung der geographischen Verteilung des Banken-Kapitalbedarfs, der in Südeuropa, namentlich Italien und Spanien, fast das Anderthalbfache der aktuellen Marktkapitalisierung erreiche. Auch Banken in Deutschland, Österreich und Frankreich haben zum Teil hohen Kapitalbedarf, während dieser für Nordeuropa und die Schweiz sehr gering ist. „Es bleibt also beim Nord-Süd-Gefälle in der europäischen Bankenlandschaft", sagte Fischer.

Mit sieben Instituten stellt Deutschland in der aktuellen Studie das Gros der 32 bewerteten Banken aus elf Ländern. Die weiteren Banken stammen aus Skandinavien (6), Großbritannien (5), Frankreich und den Niederlanden (je 3) sowie aus der Schweiz, Österreich, Italien und Spanien (je 2).