HSBC zu neuen Konsumtrends Frauen und Millennials verändern die Welt

Studenten im Café: Das Finanzvermögen der Frauen weltweit dürfte bis zum Jahr 2020 auf umgerechnet 72 Billionen US-Dollar steigen (2015: 51 Billionen).  | © Getty Images

Studenten im Café: Das Finanzvermögen der Frauen weltweit dürfte bis zum Jahr 2020 auf umgerechnet 72 Billionen US-Dollar steigen (2015: 51 Billionen). Foto: Getty Images

Laut einer Studie von RBC Wealth Management, dem Vermögensverwalter der Royal Bank of Canada, soll das Finanzvermögen der Frauen weltweit bis zum Jahr 2020 auf umgerechnet 72 Billionen US-Dollar steigen, gegenüber 51 Billionen im Jahr 2015. Damit würde das weibliche Geschlecht im kommenden Jahr 32 Prozent des weltweiten Vermögens besitzen, ein Plus von immerhin zwei Prozentpunkten innerhalb von fünf Jahren. Frauen als Anleger- und Konsumentengruppe dürften künftig deutlich stärker an Bedeutung gewinnen, zumal immer mehr von ihnen ins Berufsleben einsteigen oder eigene Unternehmen gründen. Damit werden Frauen zu einer immer wichtigeren Kundengruppe für viele Unternehmen, kaufen Frauen doch häufig Güter und Dienstleistungen für den gesamten Haushalt inklusive der pflegebedürftigen Angehörigen ein. Laut den Schätzungen von Experten kontrollieren Frauen in den USA 85 Prozent der Ausgaben der privaten Haushalte, wobei ihr persönliches Finanzvermögen bis 2020 auf 27 Billionen US-Dollar zulegen soll.

Frauen shoppen anders als Männer

Allerdings unterscheidet sich das Kaufverhalten zwischen Frauen und Männern merklich. Sie neigen eher dazu, online zu shoppen, vergleichen die Preise intensiver, setzen beim Einkauf stärker auf mobile Geräte und greifen zu gesünderen Lebensmitteln. Diese Entwicklung dürfte dem weltgrößten Internethändler Amazon ebenso weiter in die Hände spielen wie dem Modehändler Zalando. Dieser Trend zeigt sich auch in der Unternehmenskultur von Amazon. Der Anteil der Frauen im Aufsichtsgremium von Amazon ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Nachdem zuletzt die ehemalige Pepsi-Chefin Indra Nooyi Mitglied des Gremiums geworden ist, sind fünf der elf Mitglieder Frauen. Von der Verschiebung des Käuferverhaltens dürften außerdem die Hersteller von Luxusgütern und Sportartikeln profitieren. So soll der Superstar Rihanna laut Medienberichten ein eigenes Modelabel bei dem weltgrößten Luxusgüterproduzenten LVMH starten. Das wäre die erste Modemarke, die LVMH-Chef Bernard Arnault komplett neu aufbauen würde.

Nike möchte Frauen stärker ansprechen

Das Geschäft mit Produkten für Frauen will auch Nike viel stärker vorantreiben. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Ende Dezember 2018 betonte Finanzchef Andy Champion, dass der weltweite Markt für Damenbekleidung und -schuhe zweieinhalb mal so groß sei wie der für Männer. Dennoch erwirtschafte der weltgrößte Sportartikelhersteller weniger als ein Viertel seiner Umsätze im Frauenbereich. „Wir wollen Ressourcen aggressiver in Richtung unseres Geschäfts mit Artikeln für Frauen umschichten“, verheißt Champion. Laut Vorstandschef Mark Parker erfreut sich vor allem das Turnschuhgeschäft stark steigender Nachfrage. Der Wettbewerber Adidas hat bereits 2017 mit dem UltraBOOST X eine Schuhtechnologie speziell für Frauen auf den Markt gebracht und war damit der steigenden Zahl an Läuferinnen gerecht geworden. Beim Thema gesunde Ernährung rücken Unternehmen wie Nestlé und Unilever zusehends in den Vordergrund. Der weltgrößte Nahrungsmittelriese Nestlé will bis 2020 schrittweise den Gehalt an Zucker, Natrium und gesättigten Fetten reduzieren – ohne Einbußen beim Geschmack. Außerdem sollen sämtliche künstlichen Farbstoffe entfernt und gleichzeitig deutlich mehr Anteile von Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse zugesetzt werden, um zu einer ausgewogeneren Ernährung zu gelangen. Der niederländisch-britische Wettbewerber Unilever hat ähnliche Ziele.

Aber es gibt auch mögliche Verlierer bei diesem Trend: Da Frauen insgesamt gesünder leben und weniger rauchen als Männer, könnte sich das Umfeld für Tabakhersteller in den nächsten Jahren verschlechtern.

Millennials sind die größte Bevölkerungsgruppe in den USA

Der zweite wichtige Einflussfaktor auf den Konsum werden in den nächsten Jahren die sogenannten Millennials sein. Sie sind zwischen den Jahren 1982 und 2000 geboren und machen mit 82 Millionen Einwohnern 25 Prozent der gesamten US-Bevölkerung aus. Zwar stehen sie mit mehr als einer Billion US-Dollar an Studienkrediten in der Kreide, was auf die Shoppinglaune drückt. Allerdings dürfte ihr Einkommen in den nächsten Jahren steigen, und damit die Bedeutung ihres Einkaufsverhaltens weiter zunehmen. In den Industriestaaten sind insgesamt rund 15 Prozent aller Einwohner jünger als 30 Jahre, zudem soll sich dieser Anteil in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, sich auf deren Kaufverhalten einzustellen.