Konsolidierung unter Vermögensverwaltern HRK Lunis plant Markteintritt in der Schweiz

Arthur Montanhas (l.), Vorstandsmitglied, und Andreas Brandt, CEO von HRK Lunis

Arthur Montanhas (l.), Vorstandsmitglied, und Andreas Brandt, CEO von HRK Lunis Bildquelle: HRK Lunis

HRK Lunis bereitet den Markteintritt in der Schweiz vor. Der Vermögensverwalter aus Frankfurt am Main verwaltet nach der jüngsten Übernahme von GS&P über 7,5 Milliarden Euro und sieht nun die Schweiz als „logischen nächsten Schritt“. „Unser Ziel ist es, im Jahr 2026 den Markteintritt in der Schweiz mit einer ersten Transaktion abzuschließen“, sagt CEO Andreas Brandt gegenüber dem private banking magazin.

Fragmentierter Markt als Chance

Der Schweizer Markt biete erhebliches Potenzial. Rund 1.600 unabhängige Vermögensverwalter sind dort aktiv – dreimal so viele wie in Deutschland mit knapp 500. Etwa ein Drittel der Schweizer Anbieter verwaltet weniger als 50 Millionen Franken. „Die Fragmentierung des Schweizer Marktes ist kein Hindernis, sondern ein Potenzial“, betont Brandt. Gerade kleinere, unternehmerisch geführte Häuser mit klarem Werteverständnis seien besonders interessant.

Beide Märkte stehen vor ähnlichen Herausforderungen: steigende Regulierung, Nachfolgefragen und die Notwendigkeit, in Technologie zu investieren. „Wir können unsere Erfahrungen aus Deutschland einbringen, um in der Schweiz gemeinsam mit unternehmerisch geführten Partnern nachhaltige Strukturen zu schaffen“, erklärt Vorstandsmitglied Artur Montanhas.

Buy-and-Build statt eigener Lizenz

Eine eigene Finma-Lizenz plant HRK Lunis nicht. „Wir verfolgen eine klare Buy-and-Build-Strategie und wollen über gezielte Akquisitionen in den Markt eintreten“, sagt Brandt. Durch den Erwerb bestehender lizenzierter Strukturen könne man effizient expandieren, ohne Zeit in einen langwierigen Lizenzierungsprozess zu investieren.

Die erworbenen Schweizer Unternehmen sollen unter eigenem Namen weiterlaufen – als „Member of HRK Lunis Group“. Anders als Wettbewerber setzt HRK Lunis auf vollständige Integration statt auf eine lose Holdingstruktur. „Unser Weg ist sicherlich der schwierigste von allen, weil Integration Veränderungen bedeutet“, räumt Montanhas ein. Die Skalierungseffekte seien aber deutlich höher, wenn nicht jedes Unternehmen seine eigene Investmentabteilung und sein eigenes Backoffice behalte.

 

Seven2 als strategischer Partner

Der Eigentümerwechsel von J.C. Flowers zu Seven2 im Jahr 2024 hat HRK Lunis zusätzlichen Handlungsspielraum verschafft. „Mit Seven2 haben wir einen langfristig orientierten Eigentümer, der unsere Wachstumsstrategie voll unterstützt – sowohl finanziell als auch strategisch“, erklärt Montanhas. Expansionspläne im DACH-Raum kündigte Montanhas bereits im Sommer dieses Jahres an. Die Partnerschaft verschaffe zusätzlichen Handlungsspielraum für Investitionen.

Die IT-Expertise des neuen Eigentümers sei dabei besonders wertvoll. „Investitionen in die IT-Strukturen und Technik werden immer wichtiger“, betont Montanhas. Auch künstliche Intelligenz werde ein Thema sein, auch wenn es derzeit noch einen großen Hype gebe.

Über 20 Milliarden Euro in fünf Jahren

Für die kommenden fünf Jahre hat sich HRK Lunis ambitionierte Ziele gesetzt. Das betreute Vermögen soll auf über 20 Milliarden Euro wachsen, die Mitarbeiterzahl auf rund 200 steigen. „HRK Lunis soll die erste Adresse für anspruchsvolle Kunden im deutschsprachigen Raum sein, wenn es um bankenunabhängige Vermögensverwaltung geht“, formuliert Montanhas die Vision.

Neben strukturellen Faktoren sieht Montanhas auch geopolitische Entwicklungen als Treiber für grenzüberschreitende Vermögensverwaltung. Anleger suchten nach Sicherheit und Diversifizierung über mehrere Länder. „Da ist es wichtig, dass man Mandanten auch anbieten kann, in der Schweiz und in anderen Ländern zu buchen“, sagt er. Nach eigenen Angaben führt HRK Lunis bereits vertrauliche Gespräche mit mehreren Häusern in der Deutschschweiz.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen