HQ Trust Warum Jackson Hole die Märkte seltener zittern lässt, als viele erwarten

Sebastian Dörr von HQ Trust.

Sebastian Dörr von HQ Trust: „In diesem Jahr wurde die Fed-Kommunikation selbst zum Markttreiber“ Bildquelle: HQ Trust

Drei Tage im Jahr richtet sich der Blick der Finanzwelt nach Wyoming. Dort trifft sich die Notenbanker-Prominenz zum Symposium von Jackson Hole. Die Rede des Fed-Vorsitzenden sorgt regelmäßig für Schlagzeilen. Wer nun kräftige Marktausschläge erwartet, irrt: Die Daten zeigen ein anderes Bild. Aktien, Gold und Zinsen reagieren im historischen Schnitt erstaunlich verhalten auf das Treffen.

Sebastian Dörr, Kapitalmarktstratege beim Family Office HQ Trust, untersuchte, wie sich der S&P 500, der Goldpreis und die zweijährigen US-Zinsen jeweils fünf Handelstage vor und nach dem Treffen bewegten. Die Federal Reserve Bank of Kansas City richtet das Symposium seit 1978 aus, seit 1981 tagt es in Jackson Hole. Dörr wertete sämtliche Termine seit 1978 aus und ermittelte die Bandbreite der Bewegungen für alle drei Anlageklassen.

„Im Mittel verlor der S&P 500 in der Woche vor dem Meeting 0,78 Prozent, in der Woche danach stieg er um 0,87 Prozent“, sagt Dörr. Und weiter: „Über beide Phasen hinweg gleichen sich die Bewegungen also weitgehend aus.“

 

Gold und die zweijährigen US-Zinsen schwankten noch weniger: Der Goldpreis bewegte sich vor wie nach dem Treffen um jeweils 0,26 Prozent, die Zinsen kaum merklich.

Nach dem Meeting fällt die Schwankungsbreite an den Märkten etwas größer aus als davor. Das passe zu einem bekannten Muster bei geldpolitischen Großereignissen, erklärt Dörr: Vor der Rede werde abgewartet und Risiko reduziert, danach werde auf Basis des Gesagten tatsächlich gehandelt.

Einschnitt nach Fed-Konferenz im Jahr 2022

In einzelnen Jahren schlug vor allem der S&P 500 stärker aus. Fast immer aber lassen sich diese größeren Bewegungen auf zeitgleiche externe Schocks zurückführen – nicht auf das Treffen selbst.

US-Techwerte, der Goldkurs und die zweijährige US-Zinskurve holen auf. | Bildquelle: KI-generiert von Sarah-Christin Großmann

Die Ausnahme bildet 2022: Fed-Chef Jerome Powell warnte in seiner Rede ungewöhnlich direkt vor den mit einer restriktiven Geldpolitik verbundenen Schmerzen. „In diesem Jahr wurde die Fed-Kommunikation selbst zum Markttreiber“, erinnert Dörr.

Dörr rät Anlegern zur Ruhe

Investoren sollten bei Großereignissen wie Jackson Hole einen kühlen Kopf bewahren, rät Dörr. Das Notenbankertreffen liefere zwar wichtige Orientierungspunkte für die langfristige Geldpolitik. Als Anlass für hektische Umschichtungen im Portfolio tauge es dagegen selten.

Dörrs Fazit: „Wer breit diversifiziert aufgestellt ist, kann gelassen abwarten, bis sich der erste Rauch nach den Reden wieder verzogen hat.“

 

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