Analyse von HQ Trust Sektoren in der Krise – welche Strategie bei der Erholung punktet

Pascal Kielkopf von HQ Trust

Pascal Kielkopf von HQ Trust: Welche Branchen nach Börseneinbrüchen am stärksten zurückkommen Bildquelle: HQ Trust

In Abschwungphasen stellen sich Anleger immer dieselbe Frage: Auf widerstandsfähige Sektoren setzen – oder auf die größten Verlierer, die besonders viel Aufholpotenzial haben? Eine Auswertung von HQ-Trust-Kapitalmarktstratege Pascal Kielkopf zeigt, dass die Antwort davon abhängt, wann Anleger den Tiefpunkt der Krise erwarten.

Für seine Analyse hat Kielkopf alle Drawdown-Phasen des MSCI World von mindestens 10 Prozent seit Januar 1995 ausgewertet. Als Drawdown definierte er Phasen, in denen der Weltindex mindestens 10 Prozent vom letzten Jahreshoch fiel. Insgesamt kamen so 14 Phasen zusammen – darunter die Russlandkrise 1998, der Bärenmarkt nach dem Platzen der Dotcom-Blase ab 2000, die Finanzkrise ab 2008 und der Covid-Crash 2020. Für jeden dieser Einbrüche ermittelte er, wie stark jeder der elf MSCI-World-Sektoren gefallen ist und wie viel er anschließend bis zum nächsten Jahreshoch wieder aufgeholt hat.

HQ-Trust-Analyse zu Sektoren nach Krisen
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Tiefster Absturz, stärkste Erholung

Das Ergebnis ist eindeutig: „Das Punktdiagramm zeigt einen klaren Zusammenhang: Sektoren, die im Drawdown besonders stark verloren haben, können in der anschließenden Erholung auch wieder am stärksten zulegen“, erklärt Kielkopf. Der Umkehrschluss gilt ebenso: „Sektoren, die in einer Krise vergleichsweise gut abschnitten, legten in der anschließenden Erholung häufig kaum oder gar nicht zu. Einige rutschten sogar ab.“

Beim Blick auf einzelne Sektoren tauchen dabei die üblichen Verdächtigen auf. Technologietitel finden sich im Punktdiagramm regelmäßig links oben – tiefer Absturz, starke Erholung. Das zeigt sich laut Kielkopf konsistent über mehrere Krisen hinweg. Energietitel dagegen stehen oft rechts unten: Sie verlieren in Krisen weniger, holen in Erholungen aber auch weniger auf.

Kein Sektor fällt immer gleich

Dennoch warnt Kielkopf vor pauschalen Schlussfolgerungen: „Es sind nicht immer dieselben Sektoren, die am stärksten abstürzen oder am schnellsten wieder steigen. Ein Sektor, der in einem Crash besonders leidet, kann im nächsten glimpflich davonkommen. Eine pauschale Daumenregel greift also zu kurz.“

Die Daten legen nahe, dass die eigentlich entscheidende Frage nicht lautet, welcher Sektor das größte Erholungspotenzial hat, sondern ob der Markt seinen Tiefpunkt bereits erreicht hat. Wer noch mit weiter fallenden Kursen rechnet, findet in historisch widerstandsfähigen Sektoren Rückhalt. Wer dagegen überzeugt ist, dass das Schlimmste vorbei ist, findet die aussichtsreichsten Renditechancen in den zuvor am stärksten gefallenen Sektoren.

Investiert bleiben statt timen

Kielkopfs Fazit klingt pragmatisch: „Wer die berühmte Glaskugel besitzt, mit der er zuverlässig den Tiefpunkt erkennt, hat an der Börse ausgesorgt. Allen anderen sei geraten: Niemals alles auf einen Sektor setzen.“

Noch grundsätzlicher formuliert er: „Entscheidend ist weniger die Frage nach dem richtigen Sektor als die, überhaupt investiert zu sein.“ Wer breit gestreut anlegt, muss nicht auf den perfekten Einstiegszeitpunkt warten – und ist dennoch dabei, wenn die Erholung einsetzt.

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