Viele Anleger fragen sich, ob sie die Magnificent 7 meiden sollten, um Klumpenrisiken zu umgehen. Die Sorge vor zu starker Konzentration scheint berechtigt – doch was hätte es tatsächlich gekostet, auf Apple, Microsoft, Nvidia und Co. zu verzichten? Eine Analyse des Multi Family Offices HQ Trust liefert eine eindeutige Antwort.
Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, hat die Euro-Performance der sieben Tech-Giganten Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla mit dem marktbreiten MSCI ACWI verglichen. Zusätzlich berechnete er, wie sich der Weltaktienindex entwickelt hätte, wenn Anleger die Magnificent 7 bewusst ausgeschlossen hätten. Der Betrachtungszeitraum erstreckt sich über die vergangenen fünf Jahre von Anfang 2020 bis Mitte Dezember 2025.
Weltmarkt stark, Tech-Giganten spektakulär
Das Ergebnis zeigt eine deutliche Kluft: Der MSCI ACWI legte im Untersuchungszeitraum um 94 Prozent zu – das entspricht einer jährlichen Rendite von 11,8 Prozent. „In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Weltaktienmarkt sehr erfreulich entwickelt“, erklärt Kielkopf.
Die Magnificent 7 übertrafen diese ohnehin starke Performance jedoch bei weitem. Sie erzielten eine Euro-Performance von 341 Prozent, was einer jährlichen Rendite von 28,4 Prozent entspricht. Wer auf diese sieben Unternehmen gesetzt hatte, vervielfachte sein Kapital in nur fünf Jahren.
24 Prozent Rendite verschenkt
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf den MSCI ACWI ohne die Tech-Giganten. Rechnet man die Magnificent 7 heraus, schrumpft der Zuwachs des Weltaktienindex auf nur noch 70 Prozent. „Anleger, die bewusst auf die sieben Tech-Giganten verzichtet hätten, wären in diesen fünf Jahren damit rund 24 Prozent hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben“, fasst Kielkopf zusammen.
Diese Renditedifferenz verdeutlicht die Opportunitätskosten einer solchen Entscheidung. Wer aus Sorge vor Konzentration oder aufgrund regionaler Präferenzen – etwa dem Anfang 2025 populären Europa-Optimismus – die Magnificent 7 gemieden hat, zahlte dafür einen erheblichen Preis.
Nicht investieren ist auch eine Entscheidung
„Die Opportunitätskosten des Nicht-Investiert-Seins werden in der öffentlichen Diskussion systematisch unterschätzt“, betont Kielkopf. Die Debatte um Indexkonzentration sei zweifellos berechtigt, doch Anleger sollten beide Seiten der Medaille betrachten.
Christian Subbe, Chief Investment Officer von HQ Trust, zieht daraus klare Schlussfolgerungen: „Die vergangenen Jahre zeigen: Nicht investieren ist auch eine Entscheidung – und manches Mal ist es die teuerste.“
Die richtige Balance finden
Dennoch warnen beide Experten vor falschen Schlüssen. „Im Gegenzug heißt das natürlich nicht, dass Anleger alles auf wenige Karten setzen sollten“, so Kielkopf. „Die Balance zwischen Diversifikation und der Teilhabe an strukturellen Wachstumstreibern bleibt der Schlüssel für langfristigen Anlageerfolg.“
Subbe empfiehlt Investoren, Extreme zu vermeiden: „0 Prozent in den Mag 7 sind genauso wenig sinnvoll wie All-in zu gehen. Ein ausbalanciertes Exposure reduziert auch das Portfoliorisiko.“ Wichtig sei zudem, das Rebalancing konsequent umzusetzen und zu vorher festgelegten Quoten zurückzukehren. Neben absoluten Zahlen könnten hier auch Rebalancing-Korridore helfen.
Sein Fazit für Anleger: „Langfristiger Erfolg entsteht aus robuster Allokation, Risikobudget und Geduld – nicht aus Wetten auf einen einzigen Stil oder Sektor.“