Viele Anleger schätzen den MSCI World als breit gestreuten Welt-ETF. Doch der Name trügt, denn ein großer Aktienmarkt fehlt im Portfolio: die Schwellenländer. Viele Anleger befürchten, dass Aktien aus den aufstrebenden Ländern die gesamte Volatilität im Welt-Fonds erhöhen würden. Pascal Kielkopf unterzieht diese Vermutung einem Faktencheck. Das Ergebnis: Die Hinzunahme von Emerging Markets erhöht die Volatilität eines Weltportfolios nicht, sondern kann sie sogar senken.
Der Kapitalmarktstratege vom Family Office HQ Trust untersuchte für seine Analyse die Verläufe des MSCI World und des MSCI Emerging Markets im Zeitraum vom Dezember 1987 bis Juli 2026. Zunächst verglich Kielkopf dabei die historische Entwicklung der Volatilität beider Indizes über rund 20 Jahre.
Dann berechnete er, wie sich die Schwankung des Portfolios verändert hätte, wenn ein Investor Schwellenländer-Aktien beimischt. Für diese Simulation erhöhte der Kapitalmarktstratege deren Anteil schrittweise von 0 bis 100 Prozent.
Ob ein Land als Industrie- oder Schwellenland klassifiziert wird, hängt dabei vor allem vom Zugang des jeweiligen Aktienmarkts ab. Deshalb können Länder auch auf- oder absteigen. Griechenland wird von MSCI ab 2027 zum Beispiel wieder als Industrieland eingestuft.
Zwar haben in Summe Aktien aus Schwellenländern eine höhere Volatilität als Aktien aus den Industrieländern. „Im Mittel kommen Schwellenländer-Titel seit dem Jahr 1987 auf eine Volatilität von 20,8 Prozent“, sagt Kielkopf. Er vergleicht: „In den Industrieländern liegt dieser Wert mit 16,5 Prozent deutlich niedriger.“
Schwellenländer-Titel reduzieren die Volatilität im Welt-Portfolio
Doch laut dem Analysten verringern Schwellenländer-Titel dennoch die Gesamt-Volatilität im Portfolio. „MSCI World und MSCI Emerging Markets bewegen sich nicht im Gleichschritt“, sagt Kielkopf. Der Analyst greift zwei Zeitpunkte hervor: „Rund um die Corona-Pandemie oder Anfang 2025 schwankten die Aktien aus den USA und Europa stärker.“
Kielkopf betont, dass der MSCI World kein Weltindex ist. Denn er enthält ausschließlich Aktien aus den Industrieländern. Dem ausgleichenden Effekt der Schwellenländer-Aktien sind in diesem Zusammenhang laut Kielkopf Grenzen gesetzt: „Bei sehr hohen Emerging-Markets-Quoten von deutlich über 50 Prozent steigt die Volatilität des Gesamtportfolios spürbar an.“
Der HQ-Trust-Analyst empfiehlt zwei Dinge beim Kauf von Schwellenländer-Aktien:
- „Investoren sollten nicht nur auf die Schwankungen einzelner Märkte schauen. Entscheidend ist, welchen Beitrag eine Anlage für das Gesamtrisiko des Portfolios leistet.“
- „Wichtig ist dabei die breite Streuung innerhalb der Schwellenländer selbst. Einzelne Länderwetten bergen naturgemäß andere Risiken als ein diversifiziertes Engagement über viele Volkswirtschaften hinweg.“