Homeoffice statt Großraumbüro Nachfrage nach Büros bricht ein

Modernes Bürogebäude in München: Die Nachfrage nach Büros sinkt.  | © Quelle: imago images / Alexander Pohl

Modernes Bürogebäude in München: Die Nachfrage nach Büros sinkt. Foto: Quelle: imago images / Alexander Pohl

Der deutsche Markt für Bürovermietungen ist im ersten Quartal um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. Der Immobilienberater Jones Lang Lasalle (JLL) beziffert den gesamten Umsatz aus der Bürovermietung in den sieben größten Städten im Auftaktquartal auf 701.000 Quadratmeter. Das sei der umsatzschwächste Dreimonatszeitraum seit dem dritten Quartal 2014.

Keine der sieben Top-Metropolen (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart) konnte sich dem Rückgang entziehen. Nach Einschätzung von ein JLL ein ungewohntes Bild, nachdem es über zehn Jahre „fast immer nur positive Zahlen zu vermelden gab“.

Büroflächenumsatz in den sieben Immobilienhochburgen


Quelle: JLL 

Wie scharf der Rückgang ist, zeigt sich auch anhand eines anderen Vergleichs: Der Umsatz im ersten Quartal 2020 liegt 15 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt der jeweiligen ersten Quartale. Bürovermieter und -eigentümer müssen mit schwächeren Geschäften rechnen. Von JLL befragte Unternehmen befürchten zu mehr als 50 Prozent nachhaltig große Auswirkungen der Corona-Krise auf ihr Kerngeschäft.

Der Flächenbedarf der Mieter von Büroflächen könnte weiter sinken, vermuten die Marktbeobachter von JLL. „Bereits jetzt wirkt sich die Corona-Krise auf aktuelle Überlegungen zum Thema Neuanmietungen oder Mietvertragsverlängerungen aus“, kommentiert der Chef der Forschungsabteilung von JLL in Deutschland, Helge Scheunemann. „Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen bestätigt, dass es zu einer Vertagung von Entscheidungen kommt“.

Scheunemann bewertet die aktuelle Bestandsaufnahme nüchtern und sagt etwa kryptisch: „Im weiteren Verlauf der Krise dürfte das Thema der Optimierung der eigenen Flächensituation eine zunehmende Bedeutung erfahren, auch vor dem Hintergrund, dass das Thema Home Office für immer mehr Beschäftigte zu einer Daueroption werden könnte“. Anders ausgedrückt: Statt ihr bisheriges Großraumbüro werden viele Angestellte zukünftig wohl eher ihr privates Arbeitszimmer sehen. 

Leerstand ist noch sehr gering 

Nachdem die Leerstände in den letzten Jahren von Quartal zu Quartal deutlich weiter gesunken waren, scheint nach Einschätzung von JLL nun ein Tiefpunkt erreicht zu sein. Die über alle Hochburgen gemittelte Leerstandsquote liegt nach wie vor bei 3 Prozent. „Für den weiteren Jahresverlauf war bislang, also vor Corona, immer nur die Neubaukomponente entscheidend, ein für den Leerstand ausschlagebenes Nachgeben der Nachfrage stand nicht im Plan“, so Scheunemann. Das werde sich nun voraussichtlich ändern. „Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten die Leerstände aufgrund einer deutlich nachlassenden Dynamik der Nachfrage ansteigen werden. Auch das Thema Untervermietungen könnte wieder auf die Agenda der Büronutzer gesetzt werden“, vermutet der oberste deutsche Immobilienforscher von JLL.