Renditen wie bei vorrangigen Hochzinsanleihen möglich Diese Faktoren sprechen für hybride Unternehmensanleihen

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Renditen wie bei vorrangigen Hochzinsanleihen möglich
Diese Faktoren sprechen für hybride Unternehmensanleihen
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Uriel Saragusti vom französischen Vermögensverwalter LFDE: „Der Immobiliensektor veranschaulicht den Nutzen einer aktiven Titelauswahl bei Hybrid Bonds derzeit sehr gut.“

Uriel Saragusti vom französischen Vermögensverwalter LFDE: „Der Immobiliensektor veranschaulicht den Nutzen einer aktiven Titelauswahl bei Hybrid Bonds derzeit sehr gut.“ Foto: LFDE

Corporate Hybrid Bonds und damit auch die Investoren der Assetklasse gingen in den vergangenen zwei Jahren durch ein Tal der Tränen. Auslöser waren die unerwartet schnellen und kompromisslosen Anhebungen der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank, welche die Hybridanleihen genauso getroffen haben, wie alle festverzinslichen Investments. Die Folgen der Corona-Pandemie, aber auch der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine führten im Laufe des Jahres 2022 zu einem starken Anstieg der Risikoprämien.

Die wahrscheinliche Senkung der Leitzinsen durch die Zentralbanken und eine bislang robuste Wirtschaft in Europa sollten die Assetklasse aber stützen. Doch nicht nur das. Nach dem schwachen Emissionsvolumen in 2022 dürfte auch eine Rückkehr des Emissionsvolumens in 2024 die Wertentwicklung begünstigen. Für dieses Jahr sind wir mit Blick auf Corporate Hybrids daher wieder optimistisch gestimmt.

Viele Anbieter von Hybridanleihen können in der Regel solide Unternehmensdaten und Ratings vorweisen. Zudem sind die Renditen für Emittenten mit Investment-Grade-Rating, die nicht aus dem Immobiliensektor stammen, im historischen Vergleich nach wie vor attraktiv und liegen im Durchschnitt zwischen 4,5 und 5 Prozent.

Zahl der Emissionen von Hybridanleihen wird steigen

Nach einer minimalen Erholung im vergangenen Jahr rechnen wir nun mit anziehenden Emissionen und einer stärkeren Dynamik. Zwei wesentliche Treiber werden dafür verantwortlich sein:

  1. Klarheit über die europäische Geldpolitik, wenn die EZB denn dafür sorgt, und die Herausforderungen durch die erforderliche grüne Transformation der europäischen Wirtschaft. Letzteres kann nur mit frischen Mitteln durch Investoren gelingen, die Staaten, wie auch die Europäische Union, wären damit allein überfordert. Aufgrund der erwarteten Zinssenkungen der EZB sollte auch der Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) wieder neue Kraft bekommen.
  2. Zudem rechnen wir mit neuen Emittenten für Hybridanleihen. Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen dürften die Finanzierungsvariante künftig verstärkt nachfragen. Denn Hybrid Bonds können nicht nur für Investoren attraktiv sein, sie bieten auch den Emittenten einige Vorteile. Vor allem im Vergleich zu erstrangig besicherten Rentenpapieren und auch zu Hochzinsanleihen. Grund dafür ist eine Besonderheit der Hybrid Bonds. Sie werden teilweise wie Eigenkapital behandelt. Und das wirkt sich entsprechend positiv auf Senior Rating aus. In bestimmten Fällen können Unternehmen auch die Emission neuer Aktien vermeiden oder reduzieren, was die Anteile der bestehenden Aktionäre verwässern würde.

Alternatives Rendite-Risikoprofil für das Rentenportfolio

Vorteile gibt es aber auch für die Investoren. Corporate Hybrid Bonds bieten in der Regel höhere Zinsen, als erstranging besicherte Anleihen desselben Emittenten. Die Hybridanleihen von Unternehmen, die von Ratingagenturen mit Investment Grade eingestuft werden, sind von den Zinszahlungen sogar in die Nähe einiger Hochzinsanleihen gerückt. Der Zinsaufschlag gegenüber Senior Bonds desselben Unternehmens beträgt derzeit etwa 150 Basispunkte.

 

Es darf aber nicht vergessen werden, dass Hybridanleihen eben nachrangig besichert sind und im Insolvenzfall erst nach den Senior-Tranchen bedient werden. Wir fokussieren uns daher auf Anleihen von Unternehmen mit Investment-Grade-Rating, wo Ausfälle statistisch gesehen weniger wahrscheinlich sind.  

Außerdem besteht ein höheres Marktrisiko bei diesen Produkten, da sie empfindlich auf Bewegungen der Credit-Spreads reagieren. Neben dem nachrangigen Charakter der Anleihe ist dies im Wesentlichen auf zwei Aspekte zurückzuführen.

  1. Unbefristeter Charakter der Anleihe, obwohl der Emittent über bestimmte Zeiträume verfügt, in denen er die Anleihe nach eigenem Ermessen zum Nennwert vorzeitig zurückzahlen kann.
  2. Die Struktur der Hybridanleihe, insbesondere die Möglichkeit, dass der Emittent Zinszahlungen aussetzen kann, auch wenn dies äußerst selten vorkommt.

Vor dem Hintergrund der genannten Risiken ist aktives Bond Picking und eine starke Sektormeinung durch das Fondsmanagement sehr wichtig. Der Immobiliensektor veranschaulicht den Nutzen einer aktiven Titelauswahl bei Hybrid Bonds derzeit sehr gut. Diese Branche steht aufgrund des starken Zinsanstiegs momentan unter Druck, wodurch einige Akteure Schwierigkeiten haben, ihre Schulden zu refinanzieren.

Vorteile von Corporate Hybrid im Vergleich zu AT1-Bonds

Im Investment-Grade-Bereich zeigen Corporate Hybrid Bonds auch Stärken im Vergleich zu den sogenannten Additional Tier 1 Bonds (AT1) von Banken. Denn mit AT1-Anleihen erlebte die Finanzbranche im vergangenen Jahr ihr Waterloo. Diese Anleihen – auch CoCo-Bonds genannt – gerieten nach der Übernahme der Schweizer Großbank Credit Suisse durch die UBS in die Schlagzeilen.

 

Um die Insolvenz des Instituts zu verhindern, wurden im Fall der Credit Suisse die Anleihen dem Eigenkapital der Bank zugerechnet, was auch der ursprüngliche Sinn dieses Finanzinstruments war. Allerdings erhielten die Investoren in die AT1-Anleihen keine Entschädigung und der Wert des Eigenkapitals wurde nicht vollständig abgeschrieben. Dieses Ereignis könnte das Vertrauen einiger Anleger in AT1 erschüttert haben. Die Anlageklasse der Corporate Hybrid Bonds ist aber viel stärker diversifiziert, da sie sich auf eine Vielzahl von Sektoren mit geringen Verflechtungen verteilt.

Energie und Kommunikationsdienstleistungen im Fokus

Hybridanleihen werden vornehmlich von europäischen Unternehmen begeben, darunter auch Firmen mit Sitz im Vereinigten Königreich. Im vergangenen Jahr betrug das ausstehende Volumen mehr als 200 Milliarden Euro. Es ist also ein liquider Markt mit namhaften Emittenten wie Bertelsmann, Enel, Total, Vattenfall, Vodafone oder Volkswagen.

Gern gesehen sind derzeit Versorgungsunternehmen, Kommunikationsdienstleister oder Firmen aus der Energiebranche. Mehrere Hybridanleihen in diesen Sektoren bieten Renditen wie vorrangige Anleihen mit BB-Rating (Hochzinsanleihen), während der zugrunde liegende Emittent über solide Investment-Grade-Ratings verfügt. Hybridanleihen des französischen Telekommunikationsbetreibers Orange oder des spanischen Energieversorgers Iberdrola bieten eine Rendite von mehr als 4,5 Prozent bei einer Laufzeit bis 2029. 

Über den Autor

Uriel Saragusti ist Head of Credit Investment beim französischen aktiven Vermögensverwalter LFDE. Er verantwortet unter anderem den Echiquier Hybrid Bonds sowie den Echiquier Credit SRI Europe. Weitere Karrierestationen waren bei

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