Rückblick auf 2022 Hochzins- und Absolute-Return-Fonds: Unbeliebt, bis es turbulent wurde

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Warum viele Analysten und Fondsmanager 2022 von der High-Yield-Rückkehr sprachen, zeigt sich beim Blick auf die Renditen. Während der globale Aktienindex MSCI World 2022 knapp ein Fünftel an Wert verlor, stieg der Effektivzins des US-Hochzins-Index ICE Bofa US High Yield im Jahresverlauf von 4,4 Prozent auf 8,9 Prozent, der Effektivzins des europäischen Pendants ICE Bofa High Yield Index erhöhte sich währenddessen auf 7,5 Prozent, ausgehend von 2,8 Prozent. Hochzinsanleihen boten damit, im Gegensatz zu Aktien, einen Schutz gegen die Inflation. Vorausgesetzt, das Timing stimmte.

High Yield: weniger zinssensitiv als Staats- und Investment-Grade-Anleihen

Die höchsten Renditen von Hochzinsanleihen treten in der Regel in Bärenmärkten und Krisenjahren auf. Das vergangene Jahr war dabei keine Ausnahme: In Zeiten der platzenden Dotcom-Blase und der Finanzkrise erzielten europäische High-Yield-Anleihen effektive Renditen von 20,5 Prozent im September 2001 und 24,6 Prozent im November 2008, beide Werte beziehen sich auf den Europäischen Hochzinsindex.

Während die Renditen in vergangenen Krisenjahren jedoch häufig durch Abverkäufe und die dadurch sinkenden Anleihekurse getrieben wurden, lagen die Verkäufe hochverzinslicher Unternehmensanleihen 2022 sogar unter denjenigen der Investment-Grade-Anleihen. High-Yield-Anleihen sind, unter anderem durch ihre kürzere Duration, häufiger weniger zinssensitiv als Staats- und Investment-Grade-Anleihen. Damit führten die steigenden Zinsen auch zu einem geringeren Verkaufsdruck. Hinzu kommt, dass Investoren den emittierenden Unternehmen auch mehr Vertrauen als in vergangenen Krisen entgegenbrachten. Die meisten Unternehmen konnten die Jahre 2020 und 2021 nutzen, um sich zu günstigen Konditionen zu refinanzieren, und waren nicht auf Neu-Emissionen angewiesen, um sich zu kapitalisieren. Die erwarteten Ausfallraten der verschuldeten Unternehmen stiegen daher nur in wenigen Fällen.

Absolute-Return-Strategien mit Outperformance im Bärenmarkt

Besonders krisenresistent waren laut Frank Becker, Geschäftsführer institutionelle Kunden bei der Meag, Hochzinsanleihen kurz vor Ende ihrer Laufzeit: „Aus Risikoüberlegungen sind High Yields mit kurzer Restlaufzeit besonders attraktiv. Die kürzere Laufzeit relativiert das Bonitätsrisiko, da das Ausfallrisiko nur noch über einen überschaubaren Zeitraum zu managen ist. Short-Term-High-Yield-Anleihen haben sich in den jüngsten Kapitalmarktturbulenzen als resilient erwiesen.“

Institutionelle Investoren, die sich vor Turbulenzen schützen und ihr Kapital erhalten wollen, setzen häufig auch auf Absolute-Return-Strategien. „Absolute-Return-Anleihefonds versuchen, in jedem Marktumfeld positive Renditen zu erzielen. Ihr Ziel ist es, die Renditen im Laufe des Marktzyklus zu glätten, wobei sie in einem Bärenmarkt outperformen, während sie in einem Bullenmarkt oft unterdurchschnittlich abschneiden“, fasst Mark Nash, Manager des Jupiter Absolute Return Bond Funds, zusammen.

Liquid-Alternatives-Strategien besser als andere Asset-Klassen

Das ist Absolute-Return- und Liquid-Alternatives-Strategien, zu denen auch Absolute-Return-Anleihefonds gehören, im ersten Halbjahr 2022 auch gelungen. Mit minus 1,65 Prozent rentierten sie zwar negativ, lagen damit aber weit vor anderen Asset-Klassen. Europäische Unternehmensanleihen verloren mehr als 12 Prozent, Hedgefonds schnitten mit minus 5,05 Prozent noch vergleichsweise gut ab.

Das geht aus der Absolute-Return-Studie von Lupus Alpha hervor, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Ucits-konforme Fonds aus dem Absolute-Return- und Alternatives-Universum betrachtet. Absolute-Return-Anleihefonds erzielten demnach im Schnitt minus 3,6 Prozent und lagen damit leicht vor der Gesamtkategorie Absolute Return (minus 4,3 Prozent). Auch über zwölf Monate und fünf Jahre liegen die Anleihe-Strategien mit höheren durchschnittlichen Renditen und geringeren Performance-Unterschieden zwischen den einzelnen Fonds vorne.