Nutzungsart, Mietentwicklung, Standort Investoren sehen Immobilienmarkt im Aufwind und schielen auf B-Städte

Carsten Demmler von der HIH.

Carsten Demmler, Geschäftsführer der HIH: „Das Mietwohnungssegment hat sich auch während der sehr herausfordernden Marktbedingungen als stabile Assetklasse erwiesen, die deutlich weniger anfällig für Wertschwankungen ist.“ Bildquelle: HIH

Institutionelle Investoren, Investment- und Asset Manager bewerten die aktuellen Marktbedingungen in der Immobilienbranche positiver. Das zeigt eine Umfrage von Rueckerconsult im Auftrag von HIH Invest Real Estate und Ypsilon unter 161 institutionellen Investoren. 

Bei der Erwartung an die Preisentwicklung drehte sich vor allem die Einschätzung für Mehrfamilienhäuser ins Positive. Auch für Eigentumswohnungen und Logistikimmobilien rechnen die Befragten in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Preisen.

Stimmung besser, aber im negativen Bereich

Insgesamt schätzen die Befragten die aktuellen Marktbedingungen für ihr jeweiliges Geschäftsmodell neutral ein. Auf einer Skala zwischen -3 (sehr schlecht) und +3 (sehr gut) wurde ein durchschnittlicher Punktwert von -0,06 erreicht. Das liegt zwar immer noch im negativen Bereich, doch verbesserte sich die Einschätzung gegenüber dem Vorjahreswert um 0,37 Punkte.

Am positivsten bewerten Property- und Facility-Manager (0,63) sowie institutionelle Investoren und Family Offices (0,40) die aktuelle Lage. Unter den Projektentwicklern (-1,00) ist die Stimmung zwar am schlechtesten, jedoch hat sich die Einschätzung im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von 0,8 Punkten am stärksten aufgehellt.

„Diese Ergebnisse decken sich auch mit meiner persönlichen Wahrnehmung. Nach zwei sehr schwierigen Jahren kommt die Branche langsam wieder zurück zu einer neutraleren Stimmung. Das hat auch die jüngst stattgefundene Expo Real bestätigt. Die ganz tiefen Stellen des Zyklus liegen hinter uns“, sagt Peter Lenz, Wirtschaftsprüfer und Partner bei Ypsilon.

Stärkste Nachfrage nach Mietwohnungen

Die Umfrageteilnehmer erwarten mit 83 Prozent die stärkste Nachfrage in den kommenden 12 Monaten bei Mietwohnungen, gefolgt von Eigentumswohnungen (57 Prozent) und Logistikimmobilien (46 Prozent). Allerdings rechnen die Befragten bei Büro- und Einzelhandelsimmobilien mit einer sinkenden Nachfrage (jeweils 57 und 48 Prozent).

Die befragten Investoren teilen diese Einschätzungen. Wohnen und Logistik stehen mit 79 und 42 Prozent ganz oben auf der Liste. Auch sie erwarten sinkendes Interesse erwarten bei Büro- (54 Prozent) und Einzelhandelsimmobilien (41 Prozent).

 

„Das Mietwohnungssegment hat sich auch während der sehr herausfordernden Marktbedingungen als stabile Assetklasse erwiesen, die deutlich weniger anfällig für Wertschwankungen ist“, sagt Carsten Demmler. Einwohnerzuwächse und ein Trend zu kleineren Haushalten werden laut Einschätzung des Geschäftsführers der HIH Invest langfristig für eine hohe Nachfrage sorgen, vor allem angesichts der angespannten Angebotssituation und der schleppenden Neubaudynamik.

Sein Geschäftsführungskollege Alexander Eggert erläutert, dass man daher im September gemeinsam mit Vonovia einen Fonds mit einem Investitionsvolumen von 630 Millionen Euro für 14 Projektentwicklungen und knapp 1.600 Wohnungen aufgelegt hat.

Büroimmobilien machen weiter Sorgen

Je nach Sektor rechnen die Befragten mit unterschiedlichen Mieteinnahmen. 94 Prozent rechnen bei Wohnungen mit höheren Mieten, 62 Prozent gehen davon aus, dass das Wachstum im Bereich von fünf Prozent liegt. 43 Prozent rechnen mit plus fünf Prozent bei Logistikimmobilien, 13 Prozent gehen von einer Steigerung um zehn Prozent aus und ein Prozent glaubt sogar an ein Wachstum um mehr als zehn Prozent.

Mit Blick auf Büro- und Einzelhandelsimmobilien gehen 45 Prozent davon aus, dass die Mieten sinken, 24 Prozent rechnen mit steigenden Preisen. 31 Prozent erwarten, dass die Einnahmen konstant bleiben. Bei Retailimmobilien erwarten 44 Prozent konstante Mieten. 43 Prozent gehen von sinkenden Mieten aus und nur neun Prozent glauben an eine positive Mietentwicklung.

Beim Wert der Immobilien beurteilen die Befragten die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr grundlegend anders. Glaubten 2023 noch 55 Prozent, dass die Preise für Mehrfamilienhäuser sinken würden, gehen nun 63 Prozent der Befragten davon aus, dass es in den kommenden zwölf Monaten zu einem Preisanstieg kommen wird. Bei Wohneigentum erwarteten im Vorjahr 56 Prozent sinkende Preise, 2024 gehen 63 Prozent davon aus, dass die Preise zukünftig steigen werden. Bei Logistikimmobilien erwarten 52 Prozent steigende Werte.

Auch hier zeigt sich bei Büro- und Einzelhandelsimmobilien ein pessimistisches Bild. 59 Prozent schätzen, dass die Preise für Büroimmobilien sinken werden, nur 12 Prozent glauben an steigende Preise. Bei Einzelhandelsimmobilien erwarten 49 Prozent Preisrückgänge, 36 gehen von konstanten Preisen aus und nur 15 Prozent rechnen mit steigenden Preisen.

B-Städte rangieren teils vor A-Städten

Für die Nutzungsart Wohnen sehen die Befragten die besten Investitionschancen mit 47 Prozent in B-Städten, erst auf dem zweiten Rang folgen die A-Städte. Bei Büroimmobilien stehen mit 73 Prozent die A-Städte im Fokus, nur 23 Prozent sehen gute Investitionsmöglichkeiten in B-Städten. Auch für Einzelhandelsunternehmen werden Lagen in A-Städten am besten mit 53 Prozent bewertet, vor den B-Städten mit 39 Prozent.

Bei Industrie- und Unternehmensimmobilien werden ebenfalls die besten Investitionschancen in B-Städten gesehen (37 Prozent). A- und C-Städte liegen mit 30 und 28 Prozent sehr dicht beieinander. Ein ähnliches Bild ergibt der Blick auf Logistikimmobilien. Auch hier liegen die B-Städte mit 39 Prozent der Nennungen vorn, gefolgt von A- (27 Prozent) und C-Städten (28 Prozent).

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