Henrik Maaß im Gespräch Wein als Investment: Mythos, Marktmechanik und das Netzwerk-Geheimnis

Henrik Maaß spricht in der neuen Episode des Podcasts "For Professional Investors Only" über Wein-Investments

Henrik Maaß spricht in der neuen Episode des Podcasts "For Professional Investors Only" über Wein-Investments Bildquelle: Edelstoff Media / Liquid Grape

Empfohlener redaktioneller Inhalt
Externe Inhalte anpassen

An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der unseren Artikel ergänzt. Sie können sich die externen Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen. Die eingebundene externe Seite setzt, wenn Sie den Inhalt einblenden, selbstständig Cookies, worauf wir keinen Einfluss haben.

Externen Inhalt einmal anzeigen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt und Cookies von diesen Drittplattformen gesetzt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Eine Flasche Wein kaufen, einlagern, abwarten – und irgendwann mit Gewinn verkaufen. Klingt verlockend. Ganz so einfach sei es nicht, erklärt Henrik Maaß im Podcast „For Professional Investors Only“. Der Mitgründer von Liquid Grape hat sich darauf spezialisiert, Fine Wine als ernsthafte Anlageklasse zu positionieren: mit Daten, mit einem Netzwerk, das Jahrzehnte braucht zum Aufbau – und mit dem Blick eines Mannes, der Wein aus beiden Perspektiven kennt: als Genuss und als Kapital.

Liquid Grape wurde 2019 von Maaß und seiner Geschäftspartnerin Annie Dörrfeld gegründet – aus einer gemeinsamen Zeit im Feinweinhandel heraus und der Überzeugung, dass der deutsche Markt reif ist für einen professionalisierten Zugang zu Weininvestments.

Das Modell ist konsequent auf Interessensgleichheit ausgelegt: kein Eigenbestand, der geräumt werden muss. Stattdessen kauft Liquid Grape für jeden Kunden individuell am Markt ein, lagert den Wein in einem zertifizierten Lager in England ein und begleitet das Portfolio über die gesamte Haltedauer. „Wir kommen nie in die Verlegenheit zu sagen, wir sitzen auf einem Berg voll Wein und der muss jetzt weg“, sagt Henrik Maaß.

Wo verdient das Unternehmen? Am Anfang eine kleine Marge beim Einkauf, dann kostendeckende Lager- und Versicherungsgebühren, am Ende eine Verkaufsprovision. Transparent, so Maaß.

Daten, Indizes und der Livex-Marktpreis

Wer Weininvestments als Spekulation abtut, unterschätzt die Infrastruktur dahinter. Liquid Grape arbeitet mit dem Livex-Index – einem Datenaggregator, der Handelspreise von mehr als 600 Händlern weltweit auswertet. Die Mitgliedschaft ist nicht einfach käuflich: Es braucht mindestens zwei Empfehlungen und die Erfüllung definierter Qualitätskriterien.

Der Livex-Marktpreis funktioniert wie ein Großhandelspreis. Kunden kaufen häufig günstiger als beim Retailkauf online – was den Break-even-Punkt des Investments nach vorn verschiebt.

Investmenthorizont und Liquidität: Ehrlichkeit ist hier Pflicht

Fine Wine ist kein Tagesgeldkonto. Maaß empfiehlt deshalb einen Anlagehorizont von mindestens 5, besser 10 Jahren. Die Logik: Konsumption am Markt reduziert das Angebot, Reifepotenzial steigert die Nachfrage – die eigentliche Wertentwicklung setzt oft erst nach Jahren ein. „Es ist wie ein wenig Festgeld, wo du sagst: das packe ich jetzt weg. Da komme ich erst mal einen Augenblick nicht ran.“

Liquidität ist vorhanden, aber nicht vergleichbar mit Aktien. Über die Livex-Handelsplattform gibt es einen Sekundärmarkt – aber nur für Weine mit nachgewiesener Nachfrage.

„Der Wein kann noch so viele Parker-Punkte haben. Wenn es keine aktive Nachfrage danach gibt, ist das nichts.“
Henrik Maaß
Mitgründer von Liquid Grape

Laut Aussage von Maaß erstellt das Unternehmen maßgeschneiderte Angebote für Weinportfolios ab einem Wert von 5.000 Euro.

Renditeerwartungen: Zweistellig – unter bestimmten Bedingungen

Die Branche spricht von „double digits“ – also zweistelligen Jahresrenditen bei den richtigen Weinen. Maaß ist vorsichtiger: Rund 8 Prozent sieht er als realistischen Mittelwert. Die Kurve steige nicht linear. Am Anfang ist die Wertentwicklung moderat, später – wenn das Angebot knapper wird – können die Sprünge deutlich größer ausfallen.

Konkretes Beispiel: Vega Sicilia Unico in Magnumflaschen, Einstieg bei 750 Euro netto. Sobald diese Tranche aufgekauft ist, springt der Markt auf den nächsten Preis. Je knapper das Angebot, desto größer die möglichen Sprünge.

Steuerliche Besonderheiten von Wein-Investments

Wein als Verbrauchsgut ist nach einem Jahr Haltedauer von der Kapitalertragsteuer befreit – das sind sofort 25 Prozent Performance, die ein Aktieninvestor zusätzlich erbringen müsste. Zusätzlich können Weine, die unter Aussetzung der Mehrwertsteuer im Lager gekauft wurden, auch ohne Mehrwertsteuer verkauft werden.

Netzwerk vor Algorithmus

Marktdaten allein reichen jedoch nicht. Maaß beschreibt, wie essenziell das persönliche Netzwerk ist: Es braucht Branchen-Manager, Winzerkontakte und Händlerbeziehungen rund um den Globus. Fine Wine ist ein Markt des Vertrauens – und des Timings. „Wenn der Winzer verstorben, wird es alles, was danach kommt, schwer haben. Aber der letzte Jahrgang, den er noch gemacht hat – das ist der, den du willst", so Maaß.

Liquid Grape lagert in Drakelow Tunnels bei LCB (London City Bond) in der Nähe von Birmingham – einem der größten Weinlager Europas, untergebracht in einem ehemaligen Bunker. Jede Kiste ist individuell dem Kunden zugeordnet, alle Weine sind zum Marktwert versichert. Das sei auch nötig, so Maaß. Die Flaschen einfach „zu Hause unters Bett schieben ist nicht so gut.“ Auch lose Einzelflaschen seien problematisch: Ohne Originalgebinde verliert eine Flasche sofort 10 bis 15 Prozent ihres Wertes.

Tokenisierung: Spannend, aber noch nicht reif

Tokenisierte Flaschenanteile und NFT-gebundene Weingut-Investments: Es gibt bereits erste Anbieter ab 50 bis 500 Euro für Bruchteilseigentümer. Einige Winzer haben Chips integriert, die an NFTs gebunden sind. Das Grundproblem laut Maaß: zu viele Brüche im Prozess. Man brauche eine Wallet-Infrastruktur, Kreditkartenzahlungen, dazu herrsche bei vielen ein fehlendes Blockchain-Verständnis – massentauglich ist das noch nicht.

Fazit: Ein Passion Investment mit ernstem Fundament

Fine Wine bietet echte Vorteile für die richtige Zielgruppe: eine geringe Korrelation zu traditionellen Märkten, dazu steuerliche Begünstigungen und physisches Eigentum. Henrik Maaß und Liquid Grape haben daraus ein professionelles Geschäftsmodell gebaut, das den Spagat zwischen Genuss und Kapital meistert.

Dass das Konzept aufgeht, zeigt eine Nachricht, die kurz nach der Podcast-Aufzeichnung publik wurde: Der schweizerische Weinhändler Mövenpick Wein übernimmt Liquid Grape. Die Akquisition ist Teil der strategischen Neuausrichtung unter Firmen-Chef Nikolas von Haugwitz und soll stationären Handel, digitale Dienstleistungen und datenbasierte Investmentlösungen enger verzahnen. Maaß und Dörrfeld bleiben an Bord und sollen weiterhin für die strategische Weiterentwicklung der Plattform verantwortlich sein.

Mövenpick begründet den Schritt mit tiefgreifenden Veränderungen im Weinhandel – und sieht 2026 als Schlüsseljahr für Weininvestments. Der Wein reift im Bunker. Das Unternehmen offenbar auch.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen

Mehr zum Thema

nach oben