Helikopter und Zombies Der Kampf zwischen Inflation und Deflation

Alastair Irvine arbeitet für die Fondsgesellschaft Jupiter Asset Management. In seinem Beitrag warnt er, dass die massive geldpolitische Reaktion auf Covid-19 die Zinsen praktisch verpuffen lässt.  | © Jupiter Asset Management

Alastair Irvine arbeitet für die Fondsgesellschaft Jupiter Asset Management. In seinem Beitrag warnt er, dass die massive geldpolitische Reaktion auf Covid-19 die Zinsen praktisch verpuffen lässt. Foto: Jupiter Asset Management

Ursprünglich entwickelt, um ein beschädigtes Finanzsystem wiederaufzubauen – anfangs vor allem in den USA und Großbritannien – wurden quantitative Lockerungsmaßnahmen später auch von der Europäischen Zentralbank und der japanischen Notenbank eingesetzt, um eine Deflation zu verhindern. Der Theorie zufolge sollte die daraus resultierende Inflation der Vermögenspreise einen wirtschaftlichen Einbruch verhindern, wenn sie denn anschließend eine weitergehende, generelle Inflation der Wirtschaft anregen würde.

Darüber hinaus sollte eine mäßige Inflationsrate bei Vermögenspreisen, Immobilien sowie bei Löhnen und Gehältern Konsumenten einen Eindruck von wirtschaftlichem und finanziellem Fortschritt vermitteln. Folglich würden sich Konsumenten wohlhabender fühlen. Mit anderen Worten: Inflation trägt dazu bei, die Rädchen des wirtschaftlichen Fortschritts zu schmieren. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb die Zentralbanken in den Vereinigten Staaten, Japan, der Eurozone und Großbritannien alle eine gemeinsame Zielinflationsrate von zwei Prozent anstreben.

Das Versagen des Übertragungsmechanismus

Zwar hat das Prinzip der quantitativen Lockerung in Großbritannien und den USA dazu beigetragen, das Finanzsystem zu retten, doch ein längerfristiger Inflationserhalt war dadurch sicherlich nicht erfolgreich. Jede der zuvor genannten Wirtschaftsregionen hat entweder damit gekämpft, das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen oder über einen längeren Zeitraum zu halten. Obwohl im Rahmen der quantitativen Lockerung zwischen den Jahren 2010 und 2018 insgesamt rund 16 Billionen Dollar ins System gepumpt wurden, verbunden mit massiven Vermögenspreissteigerungen, wurde weder das mäßige Inflationsziel erreicht, noch kam es zu einem angemessenen Wirtschaftswachstum. Ökonomen bezeichnen dies als Versagen des Übertragungsmechanismus, bei dem die schnell steigenden Vermögenspreise nicht auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen. 

Tatsächlich ist die Situation in der Realität noch schlimmer: Trotz zehn Jahre dieser konjunkturfördernden Maßnahmen hatte die Weltwirtschaft im Jahr 2019 damit zu kämpfen, um mehr als 2,5 Prozent zu wachsen. Hinzu kommt, dass 30 Prozent des Wachstums allein aus China kamen. Die Zentralbanken pumpten Dollar, Euro und Yen zu einem geringen Grenznutzen ins System. Sobald sich jedoch der Liquiditätsfluss verlangsamte oder der Geldhahn zugedreht wurde, stand den Wirtschaften wie Drogenabhängigen ein kalter Entzug bevor.