Für Lone Star Funds rückt ein lang ersehnter Ausstieg näher. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg arbeitet die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) an einem bindenden Angebot für die IKB Deutsche Industriebank. Mit der Sache vertraute Personen beziffern ihren Umfang auf mehr als 600 Millionen Euro. Das entspräche etwas mehr als dem 0,6-Fachen des Buchwerts der Mittelstandsbank. Aus Verhandlungskreisen jedoch wurde dem private banking magazin gegenüber die Summe aus dem Bloomberg-Bericht als spekulativ zurückgewiesen, da sie die IKB deutlich unterbewerten würde.
Gebote für die Schlussrunde sollen Anfang kommender Woche eingehen. Beschlossen ist bei der Helaba allerdings noch nichts. Da die Landesbank mehrheitlich den Ländern Hessen und Thüringen sowie den Sparkassen gehört, dürften auch diese Eigentümer ein Wort mitzureden haben. Die Helaba und Lone Star wollten das Thema auf Anfrage des private banking magazins nicht kommentieren.
Auch die Crédit Agricole ist offenbar interessiert
Die Helaba ist nicht der einzige mögliche Käufer. Im Mai nannte Bloomberg unter Berufung auf einen Insider Crédit Agricole als Interessenten. Ob die französische Großbank in der Schlussrunde dabei ist, bleibt offen, die Bank wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Ein Käufer aus Frankreich wäre am deutschen Markt aber kein Novum. Bei der Oldenburgischen Landesbank zogen die Eigentümer einen Verkauf an die Targobank, die zur Gruppe Crédit Mutuel Alliance Fédérale gehört, dem geplanten Börsengang vor, wie das private banking magazin berichtete.
Lone Star: Mehrere Anläufe ohne Abschluss
Lone Stars Engagement bei der IKB reicht bis in die Finanzkrise zurück. Die Bank hatte sich am US-Hypothekenmarkt verspekuliert, und die staatliche KfW organisierte ihre Rettung. Im Sommer 2008 übernahm der Investor gut 90 Prozent der Anteile von der KfW.
Einen Abnehmer zu finden, erwies sich in den Folgejahren als schwierig. Ab 2010 sondierte Lone Star den Markt und begab sich mehrfach erfolglos auf Käufersuche. 2014 beispielsweise hielt das schlechte Abschneiden der IKB beim EZB-Stresstest mögliche Interessenten auf Abstand, auch nach der Konsolidierung des Geschäfts ab 2017 konnte der Investor keinen Abnehmer finden.
Die IKB wächst im Kreditgeschäft
Wirtschaftlich präsentiert sich die IKB inzwischen stabil. In den ersten sechs Monaten des Jahres legte das Neugeschäft kräftig zu, das Ergebnis vor Steuern blieb unverändert. Einen einmaligen externen Betrugsfall in der Risikovorsorge glich die Bank durch Einmalerträge in gleicher Höhe aus, wie aus dem Halbjahresbericht hervorgeht. Dort äußert sich die Bank auch zu den Verkaufsplänen ihres Eigentümers: Ein Verkauf durch Lone Star könne die Geschäftsentwicklung positiv beeinflussen, schreibt die IKB. „Der Vorstand der IKB bleibt offen für die Umsetzung dieses Vorhabens.“
Helaba verdient weniger, will aber wachsen
Die Helaba selbst steht unter Ergebnisdruck. Im ersten Halbjahr verdiente sie vor Steuern weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts. Als Hauptgründe nannte sie in ihrer Zwischenbilanz Belastungen bei Gewerbeimmobilienkrediten und ein schwächeres Fair-Value-Ergebnis, also Bewertungsverluste bei Finanzinstrumenten, die zu Marktpreisen bilanziert werden und infolge des Zinsanstiegs an Wert verloren. Gleichzeitig kündigte die Landesbank an, ihre Wachstumsinitiativen zu beschleunigen.
Die IKB könnte dabei eine Rolle spielen. Die Helaba verstärkt ihre Präsenz in Nordrhein-Westfalen und will in Düsseldorf vor allem mit Firmenkunden wachsen. Die IKB, die sich auf die Finanzierung größerer Mittelständler konzentriert, würde dieses Geschäft ergänzen.
Bei vorherigen Übernahmeversuchen ist die Helaba bislang allerdings mehrfach nicht zum Zug gekommen. Mit der Aareal Bank, die zuvor von den Finanzinvestoren Advent und Centerbridge übernommen worden war, konnte sie sich nicht auf einen Preis einigen. Den Bieterwettstreit um die Berlin Hyp verlor sie gegen die LBBW. Rückenwind für Zusammenschlüsse kommt aus der Politik: Bereits 2022 hatte sich Hessens Finanzminister Michael Boddenberg für eine stärkere Konsolidierung der Landesbanken ausgesprochen. Und auch Helaba-Spitzenmanager hatten sich regelmäßig in der Richtung geäußert.