Fehlendes Finanzwissen Heimatmarkt-Liebe: Home Bias kostet Anleger Rendite

Colin Fitzgerald, Vertriebsleiter der Emea-Region bei Invesco

Colin Fitzgerald, Vertriebsleiter der Emea-Region bei Invesco: Viele Anleger verfallen dem Home Bias und gewichten ihren Heimatmarkt in ihren Portfolios nach wie vor überproportional. Foto: Invesco

Knapp die Hälfte britischer Investoren einer zu Jahresbeginn durchgeführten Umfrage hält mehr als 50 Prozent ihres Anlagevermögens in britischen Aktien. Und das obwohl 2020 kaum ein anderer bedeutender Aktienmarkt so schlecht abgeschnitten hat wie der britische. Wir haben uns die Gründe für die „unglaublich eingeschränkte Sichtweise“ der vielen Anleger genauer angesehen.

Auch Fondsmanager verfallen dem Home Bias

Einer der Schlüssel zum Anlageerfolg liegt darin, das große Ganze zu erkennen – also langfristig, thematisch und global zu denken. Selbst wenn Ihr Heimatmarkt die stärkste Wirtschaft der Welt sein sollte, sind Sie als Anleger gut beraten, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Schließlich reduziere eine gute Diversifikation potenziell das Gesamtrisiko und könne helfen, längerfristig höhere Renditen zu erzielen.

In der heutigen Investmentwelt können Anleger aus einem riesigen globalen Anlageuniversum schöpfen und feststellen, dass es sich oft lohnt, global zu denken. Genauso wie die Diversifikation über verschiedene Anlageklassen ist auch die regionale Diversifikation keine abstruse Theorie, sondern entspricht einfach dem gesunden Menschenverstand.

Wie diverse Studien zeigten, habe sich diese Erkenntnis unter den Anlegern jedoch noch immer nicht durchgesetzt. Ganz im Gegenteil sieht man immer wieder, wie viele Anleger ihren Heimatmarkt in ihren Portfolios nach wie vor überproportional gewichten. Vor fast einem Jahrzehnt veröffentlichte Studien hätten sogar gezeigt, dass einige Fondsmanager genauso anfällig für den Home Bias sind wie einzelne Anleger.

Home Bias als Beleg: Wissenslücken beim Anleger schließen

Die Marktpsychologie hilft, dieses Phänomen zu erklären: Zum einen fühlen sich Anleger in der Regel wohler mit Vermögenswerten, die sie gut kennen – oder von denen sie zumindest glauben, dass sie sie gut kennen – und halten das, was vermeintlich unbekannt ist und in weiterer Ferne liegt, für riskanter. Genauso bevorzugen einige Investoren vermeintlich absehbare Ergebnisse gegenüber dem, was sie glauben, nicht abschätzen zu können. In der historischen Betrachtung ist der Home Bias auch darauf zurückzuführen, dass Anleger die Schwierigkeiten scheuten, die traditionell mit Anlagen in ausländische Aktien verbunden waren, vor allem den vermeintlichen schwierigen Zugang zu diesen Märkten und die zusätzlichen Transaktionskosten.

Das Phänomen des Home Bias verdeutlicht, wie wichtig es ist, das Finanzwissen vieler Anleger zu stärken – vor allem in einer Zeit, in der die Investmentwelt zunehmend digitalisiert und damit demokratisiert wird. Die Investmentindustrie muss ihren Teil dazu beitragen, die Lücke zwischen dem enorm erleichterten Marktzugang für Anleger und einer immer noch weit verbreiteten Uninformiertheit zu schließen, die dem Anlageerfolg ganz sicher nicht zuträglich ist.

Über den Autor:
Colin Fitzgerald ist Vertriebsleiter der Emea-Region bei Invesco.