Hedgefonds-Strategien im zweiten Quartal Nach der Trump-Welle ergeben sich Chancen in Europa

Shopping-Center in Berlin: Die Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum 2017 hob die OECD jüngst auf 1,8 (bisher: 1,7) Prozent an   | © Getty Images

Shopping-Center in Berlin: Die Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum 2017 hob die OECD jüngst auf 1,8 (bisher: 1,7) Prozent an Foto: Getty Images

Die Kluft zwischen politischem Wunsch und politischer Wirklichkeit ist in den vergangenen Wochen etwas kleiner geworden, zumindest im Hinblick auf den 45. Präsidenten der USA. Das Scheitern der US-Gesundheitsreform zügelte den Leichtsinn, der die Wall Street nach der Wahl beflügelte. Manch einer sonnte sich daher in Schadenfreude.

Doch Trumps Scheitern bei der Abschaffung von Obamacare lässt auch eine optimistische Sicht der Lage zu: Die Gewaltenteilung, wie sie von den Gründervätern der USA vorgesehen wurde, funktioniert in Washington DC noch immer.

Die vergeblichen Bemühungen, das Bundesgesetz- welches den Zugang zur Krankenversicherung regelt - abzuschaffen und zu ersetzen, sowie das gestoppte Einreiseverbot haben signalisiert: Die politische Agenda der Exekutive wird nicht einfach von der Legislative und der Judikative abgesegnet. Doch vorerst herrscht noch immer die Überzeugung, dass die Regierung die Themen  Steuerreform, Deregulierung und Infrastrukturausgaben, die sogenannten Big Three – erfolgreich umsetzen wird und dass diese drei Initiativen die US-Wirtschaft ankurbeln und die aktuellen Bewertungen am Markt stützen werden.

Nach dem Wahlsieg von Trump erlebten Aktien eine dreimonatige Börsenrallye. Die Zeit wird zeigen, ob Hoffnung und Spekulation durch politische Realität belohnt werden.

Ganz gleich welche politischen Resultate erzielt werden, wir rechnen künftig mit mehr Volatilität am Markt – und das kann für Hedge-Strategien eine positive Entwicklung sein. Zur Erinnerung: Alpha ist ein Nebenprodukt eines ineffizienten Marktes und unseres Erachtens nach ist eine höhere Volatilität ein Indikator für eine größere Marktineffizienz – und damit für eine höhere Erfolgschance aktiver Anlagen wie abgesicherte Strategien. Trumps Wahlsieg stellte eindeutig eine tektonische Verschiebung dar.

Während die Märkte gerade herausfinden, was diese Verschiebung letztlich bedeuten wird, erwarten wir dabei kräftige Marktbewegungen – und zwar in beide Richtungen. Auch erwarten wir eine messbare Streuung auf Sektor- und Wertpapierebene. Unter diesen Umständen könnten Anlageverwalter mit mehr Trading-Spielraum stärker von Kursänderungen und Trends profitieren.

Klimaaufhellung in Europa bringt Chancen bei Long-Short-Equity

Das Klima in Europa hellt sich allmählich auf, was Gutes für die europäischen Märkte verheißt – und für die Strategie Long-Short-Equity.
Zunächst scheint sich das Gespenst des Populismus zu verflüchtigen. Diese Entwicklung ist positiv, denn die Bewegung drohte, jahrzehntelange politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Region zunichtezumachen. Die jüngste Niederlage des populistischen Kandidaten Geert Wilders der niederländischen „Freiheitspartei“ könnte sich als Barometer für ganz Europa herausstellen und ein Anzeichen sein, dass die Stimmung in der Region möglicherweise umschlägt.

In Frankreich liegt die populistische Kandidatin Marine Le Pen zwar nach der ersten Wahlrunde gleichauf mit dem europafreundlichen Kandidaten Emmanuel Macron. Ein Wahlsieg von Macron in der zweiten Wahlrunde gilt an den Märkten jedoch als sicher. In Deutschland erzielen die Regierungspartei unter Kanzlerin Angela Merkel und ihre Kooperationspartner noch immer bessere Umfrageergebnisse als ihre rechtsorientierten Herausforderer. Diese Veränderungen der politischen Lage sollten das Wachstum in der Region fördern.

Doch nicht nur das politische Umfeld sieht ermutigend aus, auch die günstigen wirtschaftlichen Bedingungen könnten Europa Rückenwind verleihen. Man sollte bedenken, dass europäische Aktien in den vergangenen zehn Jahren im Allgemeinen hinter dem US-Markt zurückblieben. Wir rechnen hier mit einer Trendwende.

Unseres Erachtens könnten europäische Aktien von günstigen Bewertungen, besserem Ertragswachstum und einer globalen Reflation profitieren. Nach Jahren unterdurchschnittlichen Wachstums im Zusammenhang mit der Staatsschulden- und Bankenkrise befinden sich das regionale Wirtschaftswachstum und die Inflation langsam auf dem Weg der Besserung.