Hedgefonds-Selektion, Teil 1 Wie ein Selektionsprozess für Alternative Anlagen aussehen kann

Von links nach rechts: Ilario Scasascia, Reto Ineichen und Oliver Rossi von Alpinum Investment Management geben Einblicke in die Selektion alternativer Anlagen.

Von links nach rechts: Ilario Scasascia, Reto Ineichen und Oliver Rossi von Alpinum Investment Management geben Einblicke in die Selektion alternativer Anlagen. Foto: Alpinum Investment Management

Das alternative Anlageuniversum umfasst abertausende Manager – und ständig kommen neue Produkte und Anbieter dazu. Entsprechend schwierig ist es, die Spreu vom Weizen zu trennen und die richtige Wahl zu treffen. Die aktive Fondsselektion ist im Alternativen Anlagebereich daher eine wichtige Komponente, um nachhaltigen Erfolg zu erzielen. 

Warum Alternative Anlagen im Jahr 2023?

Gerade im äußerst schwierigen Marktumfeld von 2022 wurden die Vorzüge von Absolute-Return-Strategien und Alternativen Anlagen deutlich aufgezeigt. Der Schlüssel zum Erfolg mit Alternativen Anlagen sind die Identifikation von wenig korrelierten Renditequellen, das äußerst aktive Management und die Diversifikation über alle Anlageklassen und Strategien hinweg. Hedgefonds werden voraussichtlich auch im Jahr 2023 aus folgenden Gründen attraktiv bleiben:

  • Makrobild: Die Zentralbanken werden tendenziell weiterhin dem Markt Liquidität entziehen, sei es über Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation, oder durch aktives Herunterfahren beziehungsweise Auslaufenlassen der Anleiheunterstützungs-Programme. Rezessionsängste könnten das Sentiment bestimmen.
  • Das rasch angestiegene Zinsumfeld wird Unternehmen mit Kapitalbedarf zusehends belasten – es ist mit Verlierern und Gewinnern zu rechnen; ideal für talentierte Aktien- oder Fixed-Income-Long-Short-Manager, da sich durch die Dispersion interessante Handelsmöglichkeiten ergeben. 
  • Erhöhtes Zinsumfeld, geopolitische Spannungen, Energiekrise, Rezessionsängste: Die Grundlagen für Markt-Volatilität sind vielfältig – trotzdem erwarten wir, im Vergleich zu 2022, dass sich diese normalisiert und leicht reduzieren wird. 
  • Etliche Indikatoren und Indizes sind auf Extremniveaus, egal ob Höchst- oder Tiefstwerte. Die Chance für eine Normalisierung ist hoch, wenn auch begleitet durch Volatilität – ein gutes Umfeld für Relativ-Value- und Arbitrage-Strategien, wenn nach Perioden von Stress eine Annäherung zum Durchschnitt (Mean-Reversion) stattfinden wird. 
  • Zinslevel: Höhere Zinsen bedeuten Rückenwind für manche alternative Strategien und für Hedgefonds generell. Hohe Zinsen befeuern die Volatilität (=Opportunitäten), andererseits profitieren Hedgefonds 1:1 von attraktiven Renditen: Coupons bei Fixed-Income-Strategien; Zinsertrag auf dem Cash-Konto bei Derivative-Strategien (CTA, Makro); Zinsertrag auf dem Short-Konto beim Prime Broker bei den Long-Short-Strategien. 

Der Schluss liegt nahe, dass in einem solchen Umfeld passive Exponierung am Markt große Risiken birgt. Sehr aktives Management und alternative Renditequellen könnten effektive Lösungen bieten, sich erfolgreich durch diese Opportunitäten zu navigieren. Ein engagiertes Bewirtschaften und maximale Nähe zum Manager und deren Portfolios sind dabei unumgänglich.

Der Selektionsprozess für Alternative Anlagen

Bevor der Selektionsprozess für einen einzelnen Hedgefonds-Manager gestartet wird, müssen die Ziele der angestrebten Anlage genau definiert werden. Soll zum Beispiel eine einzelne Hedgefonds-Strategie ein bestehendes Portfolio mit bestimmten Eigenschaften ergänzen oder sollen mehrere Hedgefonds-Strategien und Manager zu einem eigenen Baustein aufeinander abgestimmt und zusammengetragen werden? Sind diese grundlegenden Fragen geklärt, folgt der Selektionsprozess, welchen wir in der Folge beleuchten. Dieser ist nicht komplett in der Tiefe abgebildet, enthält aber die wichtigsten Elemente in der Breite.

Die Selektion der passenden Manager erweist sich als aufwändige Herausforderung. Die schiere Menge an Strategien und Sub-Strategien, das unbegrenzte Universum an Instrumenten, die verschiedenen Managementtechniken, die grosse Flexibilität der Manager in ihrem Gebrauch von Anlage-Instrumenten sowie die Identifikation und Einordnung potenzieller operationeller Gegenpartei-Risiken und globale Gegenparteien bergen ungleich mehr Komplexität als Investments in Index-orientierten Long-Only-Managern. 

Beispielhafte und schematische Darstellung eines Selektionsprozesses

So sieht ein beispielhafter Selektionsprozess für Alternative Anlagen aus. © Alpinum Investment Management

Die sorgfältige Auswahl der Manager erfordert viel Knowhow auf verschiedensten Ebenen, langjährige Erfahrung im Umgang mit der Anlageklasse, die Bereitschaft, auf operationeller Stufe Details bis zum „Kleingedruckten“ zu prüfen und nicht zuletzt eine Portion gesunde Menschenkenntnis, um den Manager auch auf psychologischer Ebene richtig einschätzen zu können. Die Investments müssen zudem sehr aktiv begleitet werden, denn die Portfolios bewegen sich alles andere als statisch und müssen mit den eigenen Szenarien und der eigenen Allokation kontinuierlich in Kontext gebracht werden.

Die Voraussetzungen für die Selektion

Allein die Eurekahedge-Datenbank folgt über 29.000 Hedgfonds, das Universum ist demnach riesig. Voraussetzung für ein erfolgreiches Sourcing von Managern ist mitnichten der Zugang zu einer Datenbank. Gerade quantitative Analysen bei alternativen Anlagen ergeben nur ein oberflächliches Bild, denn die historischen Returns sind nicht in die Zukunft übertragbar – zu aktiv und flexibel sind die Manager. Sourcing beinhaltet demnach auch Austausch mit globalen Brokern, ein extensives Branchennetzwerk, persönliche Kontakte und Beziehungen. Dieses Netzwerk muss über viele Jahre wachsen, es ermöglicht erst über die Zeit differenzierten und regelmäßigen Zugang zu einer Pipeline von erfolgreichen Managern (geschlossene Fonds, attraktive Gebühren, Zugang zu Neufondsauflagen).

Detailansicht zur Managerselektion von Alternativen Anlagen. © Alpinum Investment Management

Die Schlüsselkriterien bei der Managerselektion

Wie bereits erläutert und in der obigen Grafik gut ersichtlich, liegt der Schlüssel zur erfolgreichen Managerselektion in einem ausführlichen Prüfungsprozess. Es gilt, verschiedenste Aspekte des Managers, seiner Firma und aller involvierten Parteien zu analysieren und zu hinterfragen. Eine sorgfältig ausgeführte, gründliche Due Diligence nimmt typischerweise mehrere Wochen in Anspruch. Im zweiten Teil der Serie zur Managerselektion zeigen wir einen Einblick in eine Auswahl einzelner Schritte im Selektionsprozess.


Über die Gastautoren:
Reto Ineichen ist Geschäftsführer der Alpinum Investment Management (AIM) und leitet das Research und Portfoliomanagement. Vor seiner Tätigkeit bei AIM war er von 2011 bis 2014 als Senior-Portfoliomanager und Manager-Research-Analyst bei Marcuard Heritage tätig. Von 2005 bis 2011 arbeitete er als Portfoliomanager und Hedgefonds-Analyst bei GL Funds und von 1999 bis 2005 für die UBS.

Oliver Rossi ist Senior-Investmentmanager bei Alpinum Investment Management. Bevor er 2018 zu Alpinum wechselte, arbeitete Rossi als Investmentchef eines Volatility-Hedgefonds. Von 2007 bis 2014 war er als Fonds- und Hedgefonds-Analyst bei der Zürcher Privatbank Rahn & Bodmer. Er begann seine Karriere in der Unternehmensberatung.

Ilario Scasascia ist Senior-Investmentmanager bei Alpinum Investment Management. Bevor er 2022 zu AIM kam, arbeitete er zwei Jahre lang bei Progressive Capital Partner als Leiter für Liquid Alternatives und Vorsitzender des Liquid Alternatives Committee. Davor war er Leiter für Alternatives und Multi-Manager-Lösungen sowie Leiter des Alternative Investments Committee bei Vontobel Asset Management. Von 2008 bis 2010 arbeitete er als Portfolio Manager und Hedgefonds-Analyst bei einer in der Schweiz ansässigen alternativen Investmentfirma. Scasascia begann seine Karriere im Jahr 2005 in der Unternehmensberatung als Management Consultant in der Abteilung Risk & Finance Management.

Fundbridge ist in Deutschland Partner für Alpinum Investment Management und erteilt weitere Auskünfte zum Thema und zum Unternehmen.