ESG-Daten Institutionelle Investoren erwarten mehr von Hedgefonds

Chris Stevens, Leiter für Diversifizierungs-Strategien bei Bfinance

Chris Stevens, Leiter für Diversifizierungs-Strategien bei Bfinance: Der Manager glaubt, dass Hedgefonds aus ihrer derzeitigen Lage auch einen Vorteil ziehen können Foto: Bfinance

Eine Umfrage des Investmentberaters bfinance zeigt, dass die Hedgefonds-Branche bei der Integration von ESG-Anlagefaktoren hinter ihren Konkurrenten zurückbleibt. Von den 256 befragten Anlegern gaben nur 7 Prozent, beziehungsweise 13 Prozent der Großanleger mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 25 Milliarden US-Dollar an, dass ihre Hedgefonds- und Liquid-Alternatives-Manager derzeit eine „hohe Integration" von ESG-Grundsätzen in ihre Anlageprozesse bieten.

Weitere Ergebnisse sind, dass 64 Prozent der Institutionellen erwarten, dass die ESG-Integration in den nächsten 20 Jahren positiv mit der überdurchschnittlichen Leistung (Outperformance) von Hedgefonds verbunden sein soll. 60 Prozent geben zudem an, dass ESG-Aspekte derzeit eine wichtige Rolle bei der Auswahl von Managern spielen. 2018 lag dieser Wert noch beir 41 Prozent. Diese Zahl ist dennoch, verglichen mit 88  Prozent bei Aktien, 85 Prozent bei Private Equity und Real Assets (Immobilien, Infrastruktur) und 80 Anleihen bei Anleihen, eher niedrig.

Viele Hedgefonds zögern noch, ESG in ihre Investitionsprozesse zu integrieren. Ein Grund dafür ist anscheinend die Mehrbelastung durch zusätzliche Überwachungs- und Berichterstattungsanforderungen. Hedge-Fonds lehnen aber teilweise auch die Anwendbarkeit von ESG-Erwägungen auf das Anlageuniversum oder die Anlagestrategie ab, beispielsweise beim kurzfristigen Handel. Einige argumentieren, dass ESG-Trades übermäßig überfüllt sind, oder sind nicht bereit, ein reduziertes Anlageuniversum zu akzeptieren. Laut einer von BNP Paribas durchgeführten Umfrage unter Hedgefondsmanagern (Hedge Funds and ESG: Finding Their Place on the ESG Spectrum), die im Oktober 2020 veröffentlicht wurde, gaben 56 Prozent der Befragten an, dass die von ihnen genutzten Anlageklassen in Kombination mit kurzen Haltedauern die ESG-Integration „irrelevant", „unwesentlich" oder "unmöglich zu quantifizieren" machen.

bfinance hat dazu beobachtet, dass sogenannte Mikro-Assets (einzelne Aktien- oder Kreditnamen) stärker ESG-relevant sind als Makro-Assets (Index-Futures, Forwards, ETFs und Optionen und so weiter). Diese Aufteilung setzt sich in der Regel auch bei den spezifischen Strategiebezeichnungen fort: Aktien- und Kredit-Long-Short-Strategien lassen sich beispielsweise sehr gut an das ESG-Screening anpassen, während CTA- und diskretionäre globale Makro-Strategien eine größere Herausforderung darstellen. Doch selbst einige der größten Anbieter systematischer Handels- und Makrostrategien haben begonnen, ihre Ansätze anzupassen, um dem gestiegenen Bewusstsein für ESG Rechnung zu tragen.


Das in London ansässige Unternehmen Aspect Capital, das im November 2020 mit der Integration von ESG-Faktoren begonnen hat, nutzt unternehmensspezifische ESG-Daten als Quelle für „nützliche Informationen über die künftige Outperformance" und implementiert ein Overlay, das auf Portfolioebene eine Neigung zu guten ESG-Assets schafft. „Es reicht nicht mehr aus, zu sagen, dass ESG für unsere Strategie nicht relevant ist", sagt John Springett, Direktor für Investor Relations und Marketing des Unternehmens.

„Hedge-Fonds-Firmen mögen bei der Revolution zu spät kommen, aber ihre Verspätung bringt einen Vorteil mit sich. Ihre Manager können erkennen, wo einige der großen Vermögensverwalter bereits Fehler gemacht haben, und diese Fehltritte vermeiden. Wenn sich die Hedge-Fonds-Firmen als Branche dazu entschließen, die ESG-Integration zu übernehmen und der Nachfrage der Anleger nachzukommen, erwarten wir, dass der Übergang schnell vonstatten geht. Die Covid-19-Krise wird diesen Fortschritt nicht aufhalten - wenn überhaupt, dann unterstreicht die Krise die Notwendigkeit für Manager, neu über zukünftige Risiken und Chancen in einer veränderten Welt nachzudenken" so Chris Stevens, Leiter für Diversifizierungsstrategien bei Bfinance,