„Schlechter Journalismus“ Ray Dalio ätzt gegen Biografie über ihn – Jeff Bezos gießt Öl ins Feuer

„Schlechter Journalismus“
Ray Dalio ätzt gegen Biografie über ihn – Jeff Bezos gießt Öl ins Feuer
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Jeff Bezos (l.) will zur Bekanntheit der Biografie über Ray Dalio beitragen. Und das, obwohl der Hedgefonds-Manager selbst massiv gegen das Buch wettert.

Jeff Bezos (l.) hat laut New York Post Pläne mit der Biografie über Ray Dalio. Und das, obwohl der Hedgefonds-Manager selbst massiv gegen das Buch wettert und eine bemerkenswerte Vergangenheit mit dem Autor hat. Bildquelle: Imago Images / Cover Images / Zuma Wire

Ray Dalios Anwälte haben versucht, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern. Vergebens. Die Biografie „The Fund: Ray Dalio, Bridgewater Associates, and the Unraveling of a Wall Street Legend“ ist auf dem Markt. Geschrieben hat sie Rob Copeland, ein Journalist der US-Zeitung „New York Times“.

Er beschreibt Dalio darin als egomanischen Personenkultführer mit Hang zu Grausamkeit und toxischem Verhalten. Grundlage seiner Behauptung sind Interviews mit Hunderten von Personen aus Dalios Umfeld. Diese gaben zudem laut Autor an, dass sexuelle Belästigung unter den Teppich gekehrt und Mitarbeitende willkürlich entlassen worden sein sollen. Angst und Paranoia beherrschten laut Copeland den Hedgefonds.

Dazu passt durchaus, dass Dalio unlängst mit verschiedensten Mitteln aus dem von ihm gegründeten Unternehmen gedrängt wurde. Dennoch, es sind harte Anschuldigungen – und in den USA bekommt das Werk bislang überwiegend gute Kritiken. Dalio selbst schreibt bei Linkedin: „Ein weiteres dieser sensationslüsternen und ungenauen Boulevard-Bücher, die geschrieben wurden, um Bücher an Leute zu verkaufen, die Klatsch und Tratsch mögen.“ Er wettert: „Dieses Buch ist ein Zeichen für die Zeiten, in denen schlechter Journalismus eher eine Fiktion als eine Quelle der Wahrheit ist.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Dalio gegen Copeland schießt. Pikant: Der Journalist hatte sich einst bei Bridgewater beworben und wurde abgelehnt. Im Anschluss daran sei er laut Dalio ein Journalist geworden, der „eine Karriere damit gemacht hat, verzerrte Geschichten über mich und Bridgewater zu schreiben.“

 

Die Bewerbungen gibt Copeland, der mittlerweile ein preisgekrönter Enthüllungsjournalist der „New York Times“ ist und zuvor zehn Jahre lang für das „Wall Street Journal“ über Hedgefonds berichtete sowie für das Branchenportal „Institutional Investor“ gearbeitet hatte, am Ende der Biografie zu.

Das Management von Bridgewater zeigte sich in einer Erklärung enttäuscht von dem Buch, das es als irreführend bezeichnete. Hervorgehoben wird in einer Erklärung, dass von den mehr als 1.200 Mitarbeitern ein Drittel seit zehn Jahren oder länger dort arbeitet und dass fast 70 Prozent der Kunden mindestens so lange bei Bridgewater investiert haben.

„Wir sehen uns gezwungen, unmissverständlich festzustellen, dass die gesamte Darstellung in diesem Buch lächerlich ist und nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte. Die übertriebene Darstellung versucht, uns ins Visier zu nehmen, indem sie durch eine Reihe aneinandergereihter Geschichten ein verzerrtes und ungenaues Bild von uns zeichnet. Das Ergebnis ist eine falsche und irreführende Darstellung unseres Unternehmens, unserer Kultur und unserer Gemeinschaft", ist in einer Pressemitteilung von Bridgewater zu lesen.

In einer E-Mail an die Mitarbeiter von Bridgewater, die der Hedgefonds auch online veröffentlichte, erklärte der derzeitige CEO Nir Bar Dea, er sei hin- und hergerissen, was er zu dem Buch sagen solle: „Ich denke, Punkt für Punkt darauf einzugehen, wäre eine große Ablenkung und würde eher das fördern, was der Autor will - nämlich unsere Plattform und Glaubwürdigkeit zu nutzen, um Bücher zu verkaufen.“ Er lobte stattdessen die Mitarbeiter für ihre Offenheit und ihre Bereitschaft, sich im Namen der Investoren zu verbessern und sich bei Fragen an ihn und andere Führungskräfte zu wenden, wenn sie sich entschließen, das Buch zu lesen.

„Das Buch wird für Leute, die Bridgewater und mich gut kennen, keine Rolle spielen, und das sind die Leute, die mir am wichtigsten sind“, sagt Dalio schlussendlich und schlägt vor „dass Sie dieses Buch als das nehmen, was es ist, und sich nicht davon ablenken lassen. Aber machen Sie damit, was Sie wollen. Von diesem Punkt an werde ich ihm keine weitere Aufmerksamkeit schenken."

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Das alles und dass Bridgewater und Copeland diese Vergangenheit haben, ändert jedoch bislang nichts daran, dass Kritiker in den USA die Biografie unter anderem als fesselnde Lektüre mit einer Fülle schockierender Anekdoten lobten. Und anscheinend hat auch Jeff Bezos Pläne mit dem Werk. Die „New York Post“ berichtete unlängst, dass sich der Streamingdienst seines Online-Handels-Riesen Amazon die Filmrechte an der Biografie gesichert hat.

Über Bridgewater Associates

Seit der Gründung 1975 ist Dalio zu einem der reichsten Investoren der Welt aufgestiegen. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt sein Nettovermögen auf rund 20 Milliarden Dollar. Heute verwaltet Bridgewater ein Vermögen von rund 125 Milliarden Dollar.

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