HAL-Vorstand Oliver Plaack im Interview „Es braucht die Bereitschaft, jüngere Generationen ans Geschäft heranzuführen“

Oliver Plaack, Hauck Aufhäuser Lampe

Oliver Plaack, Mitglied des Vorstands von Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) und verantwortlich für das Private und Corporate Banking. Foto: HAL

private banking magazin: Hauck Aufhäuser Lampe hat zuletzt mehrfach Wachstumsziele im Geschäft mit vermögenden Kunden formuliert. Sowohl organisch als auch anorganisch soll das Private Banking wachsen. Was bedeutet das konkret?

Oliver Plaack: Wir werden uns in den Niederlassungen in diesem Jahr personell um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr verstärken. Die neuen Kolleginnen und Kollegen sind bereits in den vergangenen Monaten bei uns gestartet und werden auch in den nächsten Monaten in unserem Hause anfangen. In den kommenden Jahren würden wir diese Frequenz tendenziell gerne halten. Wir wollen und können an allen Standorten Personal gewinnen. Dabei kommen auch viele neue Mitarbeiter aus jüngeren Altersklassen von verschiedenen Instituten zu uns, darunter Großbanken und die eine oder andere internationale Adresse.

Wie alt sind diese jüngeren Mitarbeiter?

Plaack: Die neuen Kolleginnen und Kollegen sind im Schnitt in einem Alter Anfang 40, wobei das Spektrum sehr breit ist und von jungen bis hin zu sehr erfahrenen Kollegen mit einem entsprechenden Netzwerk reicht. Ich bin nun seit Jahrzehnten in der Betreuung vermögender Kunden tätig und finde interessant: Es lässt sich derzeit generell beobachten, dass sich zum ersten Mal seit der Finanzmarktkrise verstärkt auch wieder jüngere, gut ausgebildete und starke Persönlichkeiten für das Private Banking- und Wealth-Management-Geschäft begeistern. Trotzdem muss aber auch die Bereitschaft bestehen, jüngere Generationen an das Geschäft heranzuführen. Wir sind dazu bereit und sind dieses Thema früh und konsequent angegangen.

Profitieren Sie unter anderem davon, dass Sparkassen und Volksbanken in den vergangenen Jahren Kompetenzen im Private Banking aufgebaut haben? Die Ausbildungsqualität im Sparkassen- und Genossenschaftssektor wird von vielen Privatbanken gelobt.

Plaack: Ich finde, der Pool an Talenten war immer vorhanden. Ich weiß nicht, ob das etwas mit der Aus- und Fortbildung zu tun hat. Ich glaube eher, dass sich das Interesse dieser Mitarbeiter für das Geschäft entwickelt hat. Sie begeistern sich für das Private Wealth Management und wollen jetzt den nächsten Schritt in ihrer Karriere gehen und sich am Kunden weiterentwickeln. Diese Perspektive können wir als historisch gewachsenes Privatbankhaus mit sehr moderner Ausrichtung bieten.

Hauck Aufhäuser Lampe baut gerade ein Next-Gen-Team für das Wealth Management auf. Sie sind längst nicht die einzige Privatbank, die diese Kundengruppe adressiert. Wie wollen sich von Wettbewerbern abheben?

Plaack: Durch einen komplett holistischen Ansatz. Mit unserer bundesweiten Aufstellung können wir Vermögen, das sich in dritter oder vierter Generation befindet, standortübergreifend beraten. Wenn die Eltern oder Großeltern in Hamburg leben, können wir deren Kinder auch in München, Berlin oder Düsseldorf in ihrem regionalen Umfeld begleiten. Wir haben eine bundesweite und eine lokal gewachsene Präsenz. Das, glauben wir, ist für diese nachkommende Generation ein Differenzierungsmerkmal. Die Next Gen ist in unserem Geschäftsfeld Ende 20 bis Anfang 30. Diese Menschen sind gerade in der Phase ihres Vermögensaufbaus. Wir wollen sie in dieser Lebensphase mit geeigneten Betreuern abholen. In dieser Konsequenz und mit dieser regionalen Abdeckung ist das sicherlich einzigartig. Hinzu kommt, dass wir grundsätzlich die berufliche wie die private Sphäre auch der jungen Kunden berücksichtigen.

 

Braucht es, um junge Vermögende zu betreuen, auch junge Berater?

Plaack: Grundsätzlich geht es in der Beratung und Begleitung vermögender Kundinnen und Kunden um eine Beratung auf Augenhöhe. Die schließt nicht nur das Alter, sondern weitere Attribute wie etwa Sympathie und Empathie, Erfahrung und Expertise mit ein. Es kann aber von Vorteil sein, wenn sich Berater und Kunde in einem ähnlichen Alter befinden und damit auch eine gewisse Schnittmenge größer ist, insbesondere bei aktuellen Themen wie etwa Krypto.

Was können Sie jungen Kunden bieten? Wie unterscheidet sich die Beratung?

Plaack: Wir bieten diesen Kunden in der Vermögensverwaltung einen Einstieg über unseren digitalen Vermögensverwalter Zeedin, können im Finanzierungsgeschäft aber auch individuelle Finanzierungslösungen entwickeln, was ein reiner Wealth Manager eben nicht kann. Denn oftmals haben junge Vermögende auch einen unternehmerischen Hintergrund.

Plakativ werden oftmals junge Gründer angeführt. Aber wie groß und relevant ist diese Zielgruppe für eine Privatbank tatsächlich?

Plaack: Es kommt am Ende darauf an, ein Netzwerk zu bieten. Die nächste Generation ist in der Tat sehr unternehmerisch geprägt. Entweder gründen sie selber ein Unternehmen, sind in einem Unternehmen in verantwortungsvollen Positionen tätig oder streben in einem Familienunternehmen die Nachfolge an. Insgesamt ist die unternehmerische Sphäre sehr facettenreich in dieser Generation. Dieses Spektrum abzubilden, geht ohne Netzwerkkompetenz und Erfahrung nicht. Das ist sicherlich ein Investment in die Zukunft, und es braucht einen langen Atem. Denn da entsteht eine Vermögensgeneration, die bei der Vermögensanlage anders vorgeht als die vorherige.

Apropos Investitionen in die Zukunft: In welchen Bereichen sehen Sie hier neben Mitarbeitern Bedarf?

Plaack: Als moderne Privatbank müssen wir die Möglichkeiten aktueller Technologien Technik aktiv einsetzen. Das fängt an bei Online-Banking über die digitale Vermögensverwaltung und geht bis Beratungshilfen, die der Betreuer mit der Kundensimulation im Livedialog einsetzt, sowie die Videoberatung. Personal und Technik sind fortlaufend große Handlungsfelder – mit denen wir uns auch fortlaufend beschäftigen.

Und die Bedeutung von Technologie im Wealth Management wird nicht geringer werden. . .

Plaack: Die vor einigen Jahren noch getrennten Blöcke – die traditionellen Banken auf der einen, Fintechs auf der anderen Seite – finden immer mehr zusammen. Wir kooperieren mit Dienstleistern und profitieren von deren Kompetenzen, aber die Kundenschnittstelle interpretieren wir mit einer eigenen Identität. Wir als Banken mussten uns immer mit der Zeit weiterentwickeln – beispielsweise gibt es unsere Bank bereits seit rund 230 Jahren, indem sie Veränderungen angenommen und sich zu eigen gemacht hat. Entsprechend wird Hauck Aufhäuser Lampe die kommenden Entwicklungen sehr aktiv mitgestalten. 

Welche Entwicklungen werden das Geschäft in den kommenden fünf Jahren maßgeblich bestimmen?

Plaack: Das hybride Betreuungsmodell wird sich durchsetzen. Die Möglichkeit, 24/7 mit seinem Berater Kontakt aufnehmen zu können, wird kommen. Auf der anderen Seite wird die Beratungsqualität weiterhin entscheidend sein, um sich im Wettbewerb zu behaupten.

Wird sich der Markt weiter konsolidieren?  

Plaack: Wir werden weiter Konsolidierungen sehen. Denn es bedarf nicht nur einer Investitionsbereitschaft, um sich wettbewerbsfähig aufzustellen, sondern auch der Fähigkeit dazu. In den vergangenen 20 Jahren sind aus lokalen Größen Teile von Konzernbanken geworden, wieder andere Häuser sind verschwunden oder aufgegangen. Das zeigt sich auch bei uns. Die Fusion von Hauck und Aufhäuser war 1998, Lampe kam 2021 dazu. Die Konsolidierung der Branche ist seit vielen Jahren festzustellen. Ich glaube, dass es jetzt noch etwas beschleunigt wird, weil der Investitionsbedarf weiter zunimmt.

Das Gespräch führten Max Morrison und Clemens Behr.


Über den Interviewten:

Oliver Plaack ist Mitglied des Vorstands von Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) und verantwortlich für das Private und Corporate Banking. Seit 2016 verantwortete er als Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung das Privatkundengeschäft beim Vorgängerinstitut Bankhaus Lampe. Zuvor war Plaack 18 Jahre bei der Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt tätig, zuletzt als Leiter Private Banking.

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