Hasenstab sieht 2019 kritisch US-Staatsanleihen vor dem perfekten Sturm

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Der erste Sturm, der sich am Horizont bereits zusammenbraue, sei das wachsende Haushaltsdefizit. „Unserer Analyse zufolge wird das Haushaltsdefizit aufgrund der erhöhten Ausgaben der Trump-Regierung, kombiniert mit Steuersenkungen und laufenden obligatorischen Ausgaben, voraussichtlich auf die Marke von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zusteuern.“ Hierdurch steige der bereits hohe Kreditbedarf der Regierung.

Der zweite Sturm betreffe die rückläufige offizielle Kaufnachfrage - sowohl im Inland durch die Fed, während diese ihr QE-Programm abwickelt, als auch durch ausländische Regierungen. Hierdurch tue sich eine große Finanzierungslücke auf, die durch preisempfindliche Anleger geschlossen werden müsse. Pikant: Um die Differenz zu überbrücken, müssten diese ihre Käufe gegenüber dem aktuellen Niveau ungefähr verdreifachen. Geringere Kaufvolumina und ein höheres Angebot bedeuten laut Hasenstab, dass die Renditen steigen müssen, um ein neues Gleichgewichtsniveau zu erreichen. 

Diese beiden Faktoren alleine wären wahrscheinlich schon ausreichend, um die Renditen in die Höhe zu treiben, meint der Chefanleger der Templeton-Global-Macro-Gruppe. Allerdings ziehe noch ein dritter Sturm in der Form von Inflation auf. „Der Lohndruck nimmt aufgrund der außerordentlichen Stärke des US-Arbeitsmarkts und des Mangels an sowohl qualifizierten als auch unqualifizierten Arbeitskräften in bestimmten Sektoren zu. Zusätzlich beschränkt wird das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften durch die von der Trump-Regierung eingeführten Beschränkungen für sowohl die legale als auch die illegale Einwanderung. Darüber hinaus wurde mit spätzyklischen fiskalpolitischen Konjunkturmaßnahmen, Deregulierung und Steuersenkungen die bereits starke Wirtschaft weiter angeregt.“

Zudem dürften sektorspezifische Zölle die Kosten für Verbraucher erhöhen. All diese Bedingungen werden nach Einschätzung Hasenstab inflationäre Folgen haben. „In Anbetracht des aktuellen Umfelds dürfte die Fed ihre Zinserhöhungen fortsetzen und 2019 den neutralen Satz erreichen. Zusammengenommen bilden alle vorstehend genannten Faktoren einen perfekten Zinsdrucksturm, der unserer Meinung nach im kommenden Jahr für steigende Renditen auf US-Staatsanleihen sorgen sollte.“ 

Risiken in Europa nehmen zu 

Doch damit nicht genug. Ein weiteres Risiko, das Anleger womöglich übersehen, betrifft nach Einschätzung Hasenstabs die zunehmenden politischen und strukturellen Risiken in Europa. „Derzeit lassen sich die politischen und strukturellen Risiken in Europa vor allem in Italien beobachten, wo die sehr gegensätzlichen politischen Parteien, die die Regierungskoalition bilden, in Bereichen wie Euroskeptizismus, Protektionismus und Erhöhung der Haushaltsausgaben eine gemeinsame Basis gefunden haben“, so der Anlageprofi Hasenstab.

Die größte Sorge für Europa betrifft das Risiko, dass sich italienische Schuldtitel bei einer Rendite von ca. 3,6 Prozent auf zehnjährige Papiere als nicht länger haltbar erweisen dürften. „Auch wenn keine Krise unmittelbar bevorsteht, erscheint es sehr viel weniger wahrscheinlich, dass die EU Italien mit vereinten Kräften rettet, so wie es 2011 im Zuge der Griechenlandkrise der Fall war“, meint Hasenstab und kommt zu dem Fazit, dass es wichtig sei, zu erkennen, dass der Zustand der Welt, an den sich Anleger während des vergangenen Jahrzehnts gewöhnt hätten, nicht auf unbeschränkte Zeit Bestand haben werde. „Wir gehen davon aus, dass die Renditen der US-Staatsanleihen 2019 ansteigen und verschiedene Anlageklassen Preiskorrekturen durchlaufen, während die lockere Geldpolitik ein Ende findet. Die Herausforderung für Anleger besteht darin, dass sich die traditionelle Diversifizierungsbeziehung zwischen Anleihen und Aktien bei steigenden Renditen von US-Staatsanleihen womöglich nicht bewähren könnte.“