Hasenstab sieht 2019 kritisch US-Staatsanleihen vor dem perfekten Sturm

Der Chefanleger der Templeton-Global-Macro-Gruppe, Michael Hasenstab, sieht dunkle Wolken an den Aktien- und Rentenmärkten aufziehen.  | © Franklin Templeton

Der Chefanleger der Templeton-Global-Macro-Gruppe, Michael Hasenstab, sieht dunkle Wolken an den Aktien- und Rentenmärkten aufziehen. Foto: Franklin Templeton

Ein Jahrzehnt nach dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 haben die Finanzmärkte gerade erst begonnen, die durch das massive quantitative Lockerungsprogramm (QE) der US-Notenbank Fed verursachten Verzerrungen der Vermögenspreise zu korrigieren. Darauf weist Michael Hasenstab hin.

Der Chefanleger der Templeton-Global-Macro-Gruppe, einer auf die forschungsbasierte Fundamentalanalyse ausgerichteten Anlageabteilung bei der Fondsgesellschaft Franklin Templeton, ruft in Erinnerung, dass das QE-Programm ursprünglich eingeführt worden war, um die Finanzmärkte während der Krise zu stabilisieren. „Was jedoch als begrenzter Eingriff zur Stützung der Märkte begann, wurde immer mehr erweitert und entwickelte sich so zu einem fortlaufenden Unterfangen.“

Hierdurch sei es gelungen, die Anleiherenditen zu drücken und die Kurse von Vermögenswerten in die Höhe zu treiben, so Hasenstab. „Zahlreiche Anleger wurden in risikoreichere Anlagen umgelenkt, während gleichzeitig die Kapitalkosten künstlich niedrig gehalten wurden. Die fortgesetzte quantitative Lockerung hatte jedoch ebenfalls kontinuierliche Preisverzerrungen bei Anleihen und Aktien zur Folge, während gleichzeitig Anreize für eine Hebelung gesetzt wurden. Die Selbstzufriedenheit von Anlegern, die die anhaltend niedrigen Renditen und die Funktion der Fed als ‚Käufer der letzten Instanz‘ als dauerhafte Lösung zu betrachten schienen, wurde belohnt“, so Hasenstab. 

Diese Bedingungen sind nach Einschätzung der Templeton-Global-Macro-Gruppe jedoch weder normal noch dauerhaft. „Wir gehen davon aus, dass die Abkehr von QE im kommenden Jahr erhebliche Auswirkungen auf sowohl Renten- als auch Aktienmärkte haben dürfte. Erst im vergangenen Herbst (Oktober 2018) konnten wir beobachten, wie die Renten- und Aktienmärkte gleichzeitig in die Knie gingen, während die Zinsen stiegen.“ Dies mag auf den ersten Blick wie eine Anomalie erscheinen, räumt Hasenstab ein.

„Da Anleihen und Aktien jedoch gleichermaßen durch die Eingriffe der Fed gestützt wurden, sind sie im Zuge der geldpolitischen Kehrtwende der Fed gegenläufigen Effekten gegenüber auch gleichermaßen anfällig. Dies sind die Arten von Bewertungskorrekturen, die wir erwarten, während die künstlichen Effekte einer ausgedehnten geldpolitischen Lockerung abgebaut werden.“ Anleger, die nicht auf gleichzeitige Kurskorrekturen bei US-Staatsanleihen und anderen Anlageklassen im Jahr 2019 vorbereitet seien, könnten unbeabsichtigten Risiken ausgesetzt sein, warnt Hasenstab. 

Turbulente Zeiten voraus 

Nach Einschätzung Hasenstabs stehen US-Staatsanleihen vor einem „perfekten Sturm“ mehrerer Faktoren, die Druck auf die Zinsen ausüben. Er identifiziert drei Schlüsselfaktoren, die nach in ihrer Kombination dafür sorgen, dass die Renditen auf US-Staatsanleihen ansteigen dürften: der erhöhte Kreditbedarf der US-Regierung, ein Rückgang der Staatsanleihenkäufe durch die US-Notenbank Fed und ausländische Regierungen sowie steigender Inflationsdruck.