Hartmut Webersinke über Vermögensverwalter „Wer weniger als 50 Millionen Euro verwaltet, steht vor der Existenzfrage“

Hartwig Webersinke leitet seit vergangenem Jahr das Institut für Vermögensverwaltung

Hartwig Webersinke leitet seit vergangenem Jahr das Institut für Vermögensverwaltung

private banking magazin: Im vergangenen Jahr haben Sie an der Hochschule Aschaffenburg das Institut für Vermögensverwaltung (InVV) gegründet. Wie lautet Ihre Bilanz nach einem Jahr des Bestehens des Instituts? 

Hartmut Webersinke: Der Start ist gelungen. Im Februar führten wir unsere zweite deutschlandweite Befragung durch, deren Ergebnisse wir aktuell analysieren und bald veröffentlichen. Es wird wieder einige interessante Zahlen und Fakten zur Branche geben. Auch im Vergleich zur ersten Befragung. Die Ergebnisse werden wir zukünftig – neben Veröffentlichungen und Vorträgen – in Form von Handreichungen und Workshops gemeinsam mit Vermögensverwaltern in die Praxis übertragen. Damit wird die Bedeutung unserer Arbeit konkret erfahrbar. Dass die Vermögensverwalter daran interessiert sind, zeigen zahlreiche positive Rückmeldungen.

Sie haben bereits zum zweiten Mal eine Umfrage unter Vermögensverwaltern durchgeführt. Wie war die Beteiligung?

Wir konnten unsere hohe Antwortquote aus der ersten Befragung bestätigen. Insgesamt haben wir 121 verwertbare Antworten erhalten. Das bedeutet, dass ein Drittel der gesamten Branche teilgenommen hat.

Was ist für Sie das wichtigste Ergebnis der diesjährigen Befragung?

Die steigende Akademisierung unter den Vermögensverwaltern. Im Vergleich zur ersten Befragung ist die Zahl der beschäftigten Mitarbeiter, die einen Bachelor-, Diplom- oder Masterabschluss haben, deutlich gestiegen. Insbesondere die Großen der Branche setzen verstärkt auf Personal mit Studienabschluss.

Hat sich der Vermögensverwaltermarkt in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr verändert? 

Der Markt an sich ist nach wie vor sehr attraktiv. Die überwiegende Mehrheit gab an, dass Kundenzahl und betreutes Vermögen – teils deutlich – gewachsen sind und gehen von weiterem Wachstum aus.

In den vergangenen Jahren wählten viele gut qualifizierte Bankmitarbeiter die Selbständigkeit und wurden Vermögensverwalter. Hält dieser Trend an? 

Aus unserer Befragung wissen wir, dass im vergangenen Jahr pro Unternehmen 1,4 Mitarbeiter neu eingestellt worden sind. Ob dies alles ehemalige Bankmitarbeiter waren, wissen wir nicht. Allerdings kann vermutet werden, dass viele aus diesem Bereich kommen. Die V-Bank, nach eigenen Angaben marktführende Depotbank für Vermögensverwalter, berichtet, dass in den vergangenen Jahren über 1.000 Bankberater zu Vermögensverwaltungen gegangen sind. Der Trend scheint intakt zu sein.

Was bewegt angestellte Bankberater, in die Vermögensverwaltung zu wechseln?

Die Branche der Vermögensverwalter ist ein Wachstumsmarkt und deswegen auch für Neueinsteiger sehr attraktiv. Viele angestellte Berater wollen diesen Schwung mitnehmen um sich selbstständig zu machen und ihre eigenen Ideen verwirklichen zu können.

Welche Qualifikationen muss ein Bankberater mitbringen, um als Vermögensverwalter erfolgreich zu sein?

Das Gesamtpaket muss stimmen. Neben einem Gesamtüberblick über wirtschaftliche Vorgänge in einem Unternehmen – für den ein betriebswirtschaftliches Studium sicherlich hilfreich ist – braucht ein Vermögensverwalter einen klar definierten und durchschaubaren Investmentprozess. Daneben ist vor allem eine gute, auf Vertrauen basierende Beziehung zu seinem Kundenstamm wichtig.

Welchen Fragen wollen Sie bei Ihrer Forschungsarbeit in den kommenden Jahren nachgehen?

Das ist ganz unterschiedlich. Wie bisher wollen wir die grundsätzliche Struktur der Branche im Auge behalten, stellenweise aber deutlich tiefergehen. So wollen wir genau beobachten, welche Auswirkungen die zunehmende Regulierung auf den Vermögensverwaltermarkt hat.

Um den Markt insgesamt zu erfassen, müssen wir die Stichprobe noch vergrößern. Was sich jedoch herauskristallisiert, sind Größengruppen. So stehen Unternehmen, die weniger als 50 Millionen Euro verwalten, vor ganz eigenen existenziellen Zukunftsfragen. Diese Gruppe machte ein Viertel aller Teilnehmer bei der letzten Befragung aus.

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