Institutionelle Investoren Warum GP-led Secondaries die Private-Equity-Sekundärmärkte erobern

Martina Schliemann, Prinzipalin beim Private-Equity-Investmentmanager Harbourvest.

Martina Schliemann, Prinzipalin beim Private-Equity-Investmentmanager Harbourvest. Foto: HarbourVest

Die Märkte für Private-Equity-Investments sind in den vergangenen Jahren immer liquider geworden. Einer der Hauptgründe ist das starke Wachstum der Sekundärmärkte. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Evercore hat sich das Transaktionsvolumen der Secondaries von 26 Milliarden im Jahr 2013 auf 134 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 verfünffacht. Das bedeutet, dass Private-Equity-Assets immer häufiger außerhalb der ursprünglich vorgesehenen Investment-Zeiträume beziehungsweise Fondslaufzeiten gehandelt werden.

Ursprünglich waren diese Zweitmärkte für Fondsinvestoren (Limited Partner, LP) gedacht, die aus Liquiditätsgründen frühzeitig aus einem Fonds aussteigen wollten oder mussten. Oder für Fondsmanager (General Partner, GP), die ein Portfoliounternehmen, das sich nicht wie gewünscht entwickelt, veräußern oder über einen Nachfolgefonds über einen längeren Zeitraum restrukturieren wollten.

Der Markt hat sich nun weiterentwickelt dank des Wachstums an GP-led-Transaktionen, die die Secondaries nun als eigene Assetklasse innerhalb des Private-Equity-Markts fest etabliert haben. Einst als Notfalloption betrachtet, stehen GP-led Secondaries inzwischen für mehr als die Hälfte des gesamten Secondary-Transaktionsvolumens und sind ein wichtiger Baustein im strategischen Instrumentenkoffer der Fondsmanager.

GP-led Secondaries stehen inzwischen für mehr als die Hälfte des gesamten Transaktionsvolumens am Sekundärmarkt.
GP-led Secondaries stehen für rund die Hälfte des gesamten Transaktionsvolumens am Sekundärmarkt.

Das Beste aus jedem Asset herausholen

Aus Sicht des verkaufswilligen Fondsmanagers stellt der GP-led-Markt einen effizienten neuen Exit-Kanal dar, der ein flexibles Portfoliomanagement ermöglicht. Gerade bei sehr erfolgreichen Portfoliounternehmen kann dies ein Weg sein, entstandene Wertzuwächse frühzeitig zu realisieren.

Wird das Asset an eine neue Einheit übertragen, die vom selben GP gemanagt wird, kann Investoren die Gelegenheit gegeben werden, mit den Erlösen und frischer Liquidität auszusteigen oder unmittelbar in den Fortführungsfonds zu investieren, um eine Beteiligung am Unternehmen über den Fonds zu behalten und weiter von seinem Erfolg zu profitieren. Die LPs können also frei wählen zwischen Geld in der Hand und weiterem Commitment.

 

 

In anderen Fällen entspricht die Restrukturierungsdauer eines Unternehmens nicht der typischen Fondslaufzeit eines Private-Equity-Fonds. In diesem Fall kann Fondsinvestoren eine De-facto-Verlängerung des Investments über eine Übertragung in eine neue Secondary-Einheit angeboten und das Unternehmen weiterhin in einem plan- und kontrollierbaren Prozess begleitet werden. Mit diesem Vorgehen wird die Fondslaufzeit praktisch zurückgesetzt und die Haltedauer verlängert.

Investoren profitieren von einer flachen J-Kurve

GP-led Secondaries haben einen klaren Fahrplan für potenzielle Neuinvestoren eröffnet, um sich in diesem komplexen Markt zurechtzufinden. Indem sie sich an Fortführungsvehikeln beteiligen, erhalten Neuinvestoren Zugang zu Portfoliounternehmen, die gut abgesichert sind und mit hoher Expertise gemanagt werden.

Neben einem klaren Track Record profitieren Investoren von einer flachen (oder sogar fehlenden) J-Kurve, da sich das Unternehmen bereits in einer späteren Zyklusphase befindet. Die J-Kurve beschreibt einen sonst phasentypischen Verlauf der Rendite eines Private-Equity Fonds, bei dem nach Anschaffungskosten und Anlaufverlusten in den ersten Jahren die Rendite zum größten Teil erst mit dem Exit realisiert wird.

Trennung zwischen liquiden und illiquiden Assets verschwimmt

Für Private-Equity-Märkte hat diese positive Veränderung mehr Vielfalt, Liquidität und Flexibilität mit sich gebracht. Die strikte Trennung zwischen liquiden und illiquiden Assets verschwimmt angesichts von breit diversifizierten Private-Equity-Fonds, die in der Lage sind, Liquiditätszuflüsse anzubieten, ohne empfindliche Preisabschläge in Kauf zu nehmen. Für institutionelle Investoren erscheinen Liquiditätsmanagement und Liability-Matching von Private-Equity-Strategien vor diesem Hintergrund als willkommener Nebeneffekt.

Die einst strenge Bipolarität zwischen privaten und öffentlichen Märkten löst sich auf. Für institutionelle Anleger heißt das, dass Investitionen in Private-Equity-Fonds auch Liquiditätszuflüsse generieren und Exit-Fenster öffnen können. Secondaries-Fonds stehen mit ausreichend „Dry Powder“ zur Verfügung, um eine Rekordzahl von Opportunitäten – ob Einzel-Assets oder Portfolios – aus Bestandsfonds herauszukaufen. Auf GP-led-Transaktionen fokussierte Secondaries-Fonds eröffnen potenziellen Neuinvestoren völlig neue Perspektiven.

Über die Autorin:

Martina Schliemann ist seit 2021 bei Harbourvest und konzentriert sich auf das Management der Beziehungen zu Investoren und deren Beratern in Deutschland und Österreich. Zuvor leitete sie bei Hamilton Lane die Geschäftsentwicklung für institutionelle Investoren und Berater in der Dach-Region.  Weitere berufliche Stationen waren unter anderem Muzinich & Co, die Deutsche Asset Management und Credit Suisse.

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