Erster private banking kongress in Köln Vermögensverwalter: „Nehme Kunden im Rheinland häufig als offener wahr“

Harald Beuß, geschäftsführender Gesellschafter der Heysenberg Vermögensverwaltung mit Sitz in Köln

Harald Beuß, geschäftsführender Gesellschafter der Heysenberg Vermögensverwaltung mit Sitz in Köln: Er selbst ist gebürtiger Kölner. Foto: Heysenberg

Am 9. Februar feiert der private banking kongress Premiere in Köln. Im Deutschen Sport & Olympia Museum, direkt am Ufer des Rheins, macht Deutschlands größtes Wealth-Management-Forum Station. Infos zu Programm und Anmeldung finden Sie hier.

Im Vorfeld des Kongresses befragt das private banking magazin heimische Branchenexperten zu verschiedenen Themen rund um Köln und das Rheinland. Harald Beuß, geschäftsführender Gesellschafter der Heysenberg Vermögensverwaltung mit Sitz in Köln, erklärt im Interview, was den Private-Wealth-Management-Markt in der Region besonders macht.

Herr Beuß, die Rhein-Ruhr-Metropole ist einer der bevölkerungsreichsten Ballungsräume Europas. Was bedeutet das für das Private Wealth Management?

Zum einen hat die Region im Vergleich zu anderen deutschen Metropolregionen mit einem Bruttoinlandsprodukt von 521 Milliarden Euro in 2019 die stärkste Wirtschaftsleistung, zum anderen sitzen hier zahlreiche Marktführer und international aufgestellte Unternehmen – zum Teil im Besitz sehr vermögender Familien. Die Nachfrage nach Beratern, die komplexe Fragestellungen und innovative Lösungsansätze beherrschen, ist entsprechend hoch. Die dynamische Bevölkerungsentwicklung der Region verstärkt diese Nachfrage.

Wie hat sich der Markt im Rheinland und Umgebung in den vergangenen Jahren entwickelt?

Aufgrund der Entwicklung haben sich neben den alteingesessenen Vermögensverwaltern, Fondsgesellschaften und Großbanken in den letzten Jahren zahlreiche kleinere Häuser, die bankenunabhängiges Asset Management anbieten, etabliert. Gerade der direkte vertrauensbildende persönliche Kontakt zu den Entscheidern dieser Firmen wird von den Anlegern geschätzt. 

Ist der Wettbewerb um Kunden ähnlich ausgeprägt wie in München, Berlin oder Stuttgart?

Selbstverständlich steht man bei finanzstarken Anlegern immer in einem gewissen Wettbewerb. Der Wettbewerb beschränkt sich aber nicht auf andere regionale Anbieter, der Anleger hat es heutzutage durch die mediale Aufbereitung ja leicht, Dienstleistungen oder Performances in Gänze zu vergleichen. Wir sehen den Wettbewerb vor allem als Ansporn, unseren Mandanten die bestmögliche Dienstleistung zu bieten.

Ergeben sich aus dem Standort im Rheinland Vorteile für Ihr Geschäftsmodell und tägliche Arbeit?

Neben den oben angesprochenen Rahmenbedingungen ist die ausgeprägte Netzwerk-Arbeit der Region hervorzuheben, die fast familiären Charakter hat. Echte Konkurrenz ergibt sich aufgrund der immensen Nachfrage nach Wealth Managern kaum. Stattdessen verbessert der regelmäßige Ideen-Austausch die persönliche Arbeit. Kurze Wege zwischen Beratern unterschiedlicher Häuser erleichtern zum Beispiel Verabredungen zu Business-Lunches.

Was macht die Kunden in Köln und dem Rheinland besonders?

Ich nehme die Kunden im Rheinland häufig etwas offener und gelassener wahr. Die Kölner sind für ihre Kölsche Lebensart und Herzlichkeit bekannt. Hier findet man schnell Anschluss und es ist schon das ein oder andere Mal vorgekommen, dass sich aus einem privaten Kontakt am Abend eine berufliche Zusammenarbeit oder ein Mandat entwickelt hat.

Warum haben Sie Köln als Sitz ihrer Vermögensverwaltung gewählt?

Ehrlicherweise war das keine strategische Entscheidung. Ich bin gebürtiger Kölner, quasi „ne echte Kölsche Jung“. Ich lebe und arbeite gerne hier in der Stadt, meinen Kollegen geht es ähnlich. Von daher stand es gar nicht zur Diskussion, unser Office woanders zu eröffnen.

Wie würde sich Ihr Berufsalltag unterscheiden, wenn Sie statt in Köln in Hamburg, München oder Frankfurt sitzen würden?

Nicht wesentlich. Unsere Mandanten verteilen sich über ganz Deutschland. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass Remote Work hervorragend funktioniert und es vielen unserer Mandanten entgegenkommt, kleinere Fragestellungen schnell online oder mit Video-Calls zu klären. Selbst ausführliche Beratungstermine lassen sich inzwischen online einrichten. Für komplexe Sachverhalte ist die beste Lösung aber nach wie vor ein persönlicher Termin.

Wenn Sie Besuch bekommen, der Köln nicht gut kennt, was zeigen Sie ihm?

Natürlich den Dom! Der Kölner Dom ist nicht nur das Wahrzeichen unserer Stadt, der Dom lässt auch das Herz eines jeden Kölners aufgehen. Jeder, der einmal vor dieser unglaublichen Kathedrale stand, versteht, was ich meine. Fußball-Fans lade ich gerne ins Rheinenergiestadion ein, die Stimmung bei einem Spiel des FC erinnert sehr an den Kölner Karneval. Auch der Melaten-Friedhof ist immer wieder ein Highlight für jeden Nicht-Kölner. Welcher Friedhof hat schon eine „Millionenallee“?

Gibt es Erlebnisse aus Ihrem Berufsleben, die Sie so nur in Köln beziehungsweise im Rheinland hätten erleben können?

Ja! Eigentlich ist der „Wieverfastelovend“ in Köln ein ganz normaler Arbeitstag – eigentlich, weil an diesem Tag selbst in den seriösesten Büros mindestens 90 Prozent der Mitarbeiter verkleidet an ihren Schreibtischen sitzen und auf den Startschuss um 11:11 Uhr warten, um dann gemeinsam den sogenannten „Straßenkarneval“ mit Kölsch und Mettbrötchen einzuläuten. Vor einigen Jahren hatte ich – selbstverständlich verkleidet – am Weiberdonnerstag einen Beratungstermin in meinem Büro. Mein Kunde, kein Kölner, guckte etwas irritiert, freute sich dann aber nach dem Termin sehr über das obligatorische Kölsch.

Über den Gesprächspartner:

Harald Beuß blickt auf mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Finanzdienstleistungsbranche zurück. Von 1996 bis 2008 war der promovierte Mathematiker in verschiedenen Führungspositionen bei einem Maklerunternehmen tätig. Im Jahr 2008 gründete Beuß das Beratungshaus Tinbergen und verantwortete als Vorstand unter anderem das Vermögensmanagement. 2013 gründete er mit Heysenberg eine Vermögensverwaltung, die das Dienstleistungsspektrum eines Family Offices anbietet. Dort ist er geschäftsführender Gesellschafter.