Quote bei 20 Prozent Private Equity – Ausschüttungen fallen auf Finanzkrisenniveau

Mario Giannini, Executive Co-Chairman von Hamilton Lane: „Die Büchse der Pandora wurde geöffnet und lässt sich nicht mehr schließen."

Mario Giannini, Executive Co-Chairman von Hamilton Lane: „Die Büchse der Pandora wurde geöffnet und lässt sich nicht mehr schließen.“ Bildquelle: Hamilton Lane

Die Büchse der Pandora ist geöffnet – und es gibt kein Zurück. Mit diesem Bild beschreibt der US-Vermögensverwalter Hamilton Lane die Lage an den Private Markets in einer aktuellen Markstudie. Künstliche Intelligenz verändert alles, doch gleichzeitig steckt die Branche in einer Ausschüttungskrise. Die Portfoliowerte sind auf über 10 Billionen US-Dollar gestiegen, aber das Geld fließt nicht zurück an die Investoren. Die Ausschüttungsquote liegt bei nur 20 Prozent – ein Niveau wie während der Finanzkrise 2008/09.   

Vier Jahre Stillstand bei den Rückflüssen

Zwar war 2025 absolut das zweitbeste Jahr für Ausschüttungen. Doch die Branche ist stark gewachsen. Relativ zur Größe fehlen Hunderte Milliarden US-Dollar. Besonders kritisch: Die Fonds der Jahrgänge 2020 bis 2022 machen 40 Prozent des gesamten Nettovermögens aus. Diese Fonds müssten jetzt liefern – tun es aber nicht. 

Ausschüttungen nach Anlageklasse: Die Balken zeigen die absoluten Rückflüsse in Milliarden Dollar, die Linien die Ausschüttungsquote in Prozent des Nettovermögens. Bei Private Equity (dunkelblaue Linie) liegt die Quote seit 2022 unter dem Durchschnitt von
Ausschüttungen nach Anlageklasse: Die Balken zeigen die absoluten Rückflüsse in Milliarden Dollar, die Linien die Ausschüttungsquote in Prozent des Nettovermögens. Bei Private Equity (dunkelblaue Linie) liegt die Quote seit 2022 unter dem Durchschnitt von 21 Prozent. | Bildquelle: Hamilton Lane

Hamilton Lane hat einen beunruhigenden Zusammenhang entdeckt: Die Ausschüttungen nach fünf Jahren korrelieren stark mit der Endrendite. Der Korrelationskoeffizient liegt bei 0,52. Die schwachen Rückflüsse der aktuellen Fondsgeneration deuten auf unterdurchschnittliche Endergebnisse hin.

Warnsignal für aktuelle Fonds: Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen Ausschüttungen nach fünf Jahren und der Endrendite. Die Fonds der Jahrgänge 2020-2022 (orange) liegen deutlich unter dem Trend – ein schlechtes Zeichen für ihre künftige Wertentwick
Warnsignal für aktuelle Fonds: Die Grafik zeigt den Zusammenhang zwischen Ausschüttungen nach fünf Jahren und der Endrendite. Die Fonds der Jahrgänge 2020-2022 (orange) liegen deutlich unter dem Trend – ein schlechtes Zeichen für ihre künftige Wertentwicklung. | Bildquelle: Hamilton Lane

Fundraising sinkt – aber die Branche schrumpft nicht

Vier Jahre in Folge ist das Fundraising für geschlossene Fonds gesunken. Dennoch sieht Hamilton Lane kein Schrumpfen der Branche. Der Grund: Das Jahr 2021 war eine Ausnahme, die alle Vergleiche verzerrt. Zudem nutzen Fondsmanager vermehrt Co-Investments und setzen weniger Eigenkapital pro Transaktion ein. Die Deal-Aktivität bleibt hoch, auch wenn weniger frisches Kapital fließt

Ein Zitat von Joe Bae, Co-CEO von KKR, bringt die Lage auf den Punkt: „Es gibt mehr Private-Equity-Fonds in Nordamerika als McDonald's-Filialen.“

Fundraising für geschlossene Fonds: Vier Jahre Rückgang in Folge nach dem Rekordjahr 2021. Die lilafarbene Linie zeigt den Anteil am globalen Aktienmarkt (MSCI World).
Fundraising für geschlossene Fonds: Vier Jahre Rückgang in Folge nach dem Rekordjahr 2021. Die lilafarbene Linie zeigt den Anteil am globalen Aktienmarkt (MSCI World). | Bildquelle: Hamilton Lane

Magnificent 7 dominieren die öffentlichen Märkte

Die Konzentration an den Aktienmärkten erreicht historische Ausmaße. Die sieben großen Tech-Werte – Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Alphabet, Meta und Tesla – haben seit 2019 rund 1.204 Prozent zugelegt. Der Rest des S&P 500 kommt auf 247 Prozent. Die Top-10-Unternehmen machen den höchsten Anteil an der Gesamtmarktkapitalisierung seit über 40 Jahren aus. 

Für Private Equity ist das ein Problem: Die Branche muss sich an diesen Renditen messen lassen. Hamilton Lane formuliert es deutlich: „Die Branche hat weitgehend mit den Schultern gezuckt und gesagt: Das ist nur eine Phase.“ Doch die Büchse der Pandora sei offen, sagt Mario Giannini, Executive Co-Chairman und Autor der Studie: „Sie lässt sich jetzt nicht mehr schließen." Die Frage, ob Private Equity die öffentlichen Märkte noch schlagen kann, lasse sich nicht mehr verdrängen.

 

KI dominiert Venture Capital

Trotz der Liquiditätsprobleme empfiehlt Hamilton Lane mehr Engagement im Venture-Capital-Bereich – vor allem wegen Künstlicher Intelligenz. Über 50 Prozent des globalen Venture-Deal-Volumens fließen mittlerweile in KI-Unternehmen. Die großen Gewinner wie Databricks, OpenAI oder SpaceX bleiben länger privat. Wer an deren Wertsteigerung teilhaben will, braucht Zugang zu Venture Capital.

Eine KI-Blase sieht Hamilton Lane mit 60 Prozent Wahrscheinlichkeit nicht. Die Investitionen würden von Unternehmen mit starken Bilanzen getragen. Zudem könne KI in nahezu jeden Wirtschaftsbereich eingebettet werden – anders als frühere Technologieblasen. 

Goldpreis signalisiert Misstrauen in Staatsschulden

Der starke Anstieg des Goldpreises signalisiert laut Hamilton Lane ein fundamentales Misstrauen gegenüber Fiat-Währungen und Staatsschulden. Investoren suchen zunehmend nach alternativen Wertaufbewahrungsmitteln. Die Analysten werten dies als Warnsignal für die globale Finanzstabilität.

Illustration: Ein Plüschbär im Stil von Winnie-the-Pooh sitzt neben einem geöffneten Honigglas mit der Aufschrift „Private Markets
Hamilton Lane verbindet die Private-
Markets-Studie mit einem
Winnie-the-Pooh-Zitat.
Bildquelle: Benita Rathjen mit Gemini

Studie mit ungewöhnlichem Stil

Bemerkenswert ist auch die Form des Reports: Hamilton Lane garniert die 100-seitige Analyse mit Popkultur-Zitaten und Internet-Memes, beispielsweise beginnend mit einem Winnie-the-Pooh-Zitat über den Moment kurz vor dem Honigessen – eine Metapher für die Erwartungshaltung der Private-Markets-Branche. Ein ungewöhnlicher Stil für einen institutionellen Vermögensverwalter mit einer Billion US-Dollar verwaltetem Vermögen – aber vielleicht passend für eine Branche, die sich neu erfinden muss.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen