Europas Reform-Fortschritte „Gut, dass die EZB die alleinige Bankenaufsicht wird“

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Brüssels kleine Fortschritte

Hinzu kommt noch eine wichtige Feststellung des Rates im gleichen Dokument: „Der Europäische Rat erwartet, dass die Kommission die Vorschläge der hochrangigen Expertengruppe zur Struktur des Bankensektors der EU rasch weiterverfolgt.“ Damit ist der Report der Liikanen-Gruppe gemeint, der im Oktober 2012 Empfehlungen zur Reform des EU-Bankenmarktes vorlegte. Ein kluges, umfassendes Papier (im Original). Quasi die aktuellste Evolutionsstufe eines Prozesses, der mit dem Dodd‐Frank-Act (USA, 2010) begann und mit dem Vickers-Report (Großbritannien, 2011) fortgesetzt wurde.

Der Liikanen-Report setzte sich im Kern mit der „too big to fail“‐Problematik auseinander und versucht mit einem quantitativen, wie qualitativen Maßnahmenpaket gegenzusteuern. Denn, sowohl die Größe als auch die Konzentration des Bankensektors ist seit Krisenausbruch gewachsen.

Zusammengefasst geht aus dem Report hervor, dass Basel III in die richtige Richtung zielt, aber zum Beispiel bei den Kapitalvorschriften zu kurz greift. Eine notwendige Einsicht. Die Vickers-Gruppe wurde im Herbst 2011 noch dafür kritisiert, dass lediglich die Schweiz ähnlich rigide Kapitalvorschriften einführte. Vickers empfahl sogenannte Total Loss Absorbing Capital Ratios von 17 bis 20 Prozent (inklusive Eigenkapital, Coco‐Bonds und Bail‐in-Bonds). In der Schweiz liegt die Schwelle bei 19 Prozent (davon 10 Prozent im Eigenkapital).

Basel III sieht hier lediglich maximal 12,5 Prozent vor (siehe Chart). Eine Steigerung zwar gegenüber Basel II, aber nicht mehr am aktuellen Stand der Regulierungsdebatte. Die Liikanen-Gruppe stützt damit jene Kritiker von Basel III, die eine Überarbeitung der erst kürzlich ausgearbeiteten CRD 4-Bestimmungen fordern. Basel III verzögert sich ohnehin. Man darf hoffen, dass bis dahin möglichst viel „Liikanen“ eingearbeitet wird.

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Gespannter Blick auf die Insel

Noch ein Gedanke zum möglichen Brexit, alias Großbritannien versus die EU. Die ganze Welt, wenn nicht gar das gesamte Sonnensystem, wartet gespannt auf die für Ende Januar geplante Grundsatzrede von Premier David Cameron zur EU. Sofern er sich mit seinen Beratern auf Zeit und Ort einigen kann.

In der Zwischenzeit senden die USA und Deutschland Vermittler nach London, um den Premier zur Vernunft zu bringen. Sein Koalitionspartner, die Labour-Opposition und selbst Pro‐EU-Tories legen ihm nahe, auf die stille Mehrheit in der Bevölkerung, denn auf die Anti‐EU-Hitzköpfe seiner Partei zu hören. Meiner Meinung nach wird es zu keinem Brexit kommen. Doch je länger Cameron mit dem Populismus spielt, desto stärker wird Großbritannien noch weiter an politischem Gewicht in Brüssel verlieren. Es liegt an ihm.

Im nächsten Gastbeitrag – Teil II der Trilogie ‐ beschäftigt sich Markus Schuller mit dem Aspekt der Zentralbanken als die neuen Global Makro-Hedgefonds und dem Zusammenspiel mit der langfristigen volkswirtschaftlichen Perspektive der EU.    


Über den Autor: Markus Schuller ist Gründer von Panthera Solutions, eine Beratungsfirma für strategische Asset Allocation im Fürstentum Monaco. Zuvor war er über zehn Jahre lang als Asset Manager und Produktentwickler bei Banken und Asset Managern tätig. Er kommentiert für diverse Qualitätsmedien den Markt und referiert regelmäßig auf Konferenzen zum Thema Asset Allocation.