Günstige Rohstoffe und stabile Politik Asiatische Anleihen sind mehr denn je ein sicherer Hafen für Anleger

Susanne Hellmann ist Geschäftsführerin von NN Investment Partners in Deutschland

Susanne Hellmann ist Geschäftsführerin von NN Investment Partners in Deutschland

Asiens besondere Situation im Vergleich zu anderen aufstrebenden Volkswirtschaften wird vor allem durch zwei Umstände unterstützt. Einerseits hatte der starke Rückgang der Öl- und Rohstoffpreise im Jahr 2015 Asien den Status „sicherer Hafen“ innerhalb der Emerging Markets (EM) beschert. Als Netto-Importeur von Rohstoffen konnte Asien von tiefen Preisen profitieren, während andere Regionen wie Lateinamerika oder Russland durchaus empfindlich auf diese Preisentwicklung reagierten.

Andererseits wird der Sichere-Hafen-Status durch die – verglichen mit anderen EM-Regionen oder sogar Europa – derzeit stabile politische Situation begünstigt. So wurden sowohl in Indien als auch in Indonesien reformorientierte Regierungen gewählt, in Thailand scheint sich die Militärregierung auf Dauer etabliert zu haben und der chinesische Premierminister Li Keqiank hat aufsehenerregende Antikorruptionsfälle dazu genutzt, seine Macht zu konsolidieren. Darüber hinaus bestätigte der Brexit den positiven Trend in Asien: Im Vergleich zu entwickelten Märkten aber auch zu den übrigen EM-Regionen blieb Asien stabil. Es konnte sogar eine positive Gesamtrendite verbucht werden.

Chinesische Anleihen sind heute weniger volatil

Besonders chinesische Anleihen sind unter anderem wegen günstiger markttechnischer Faktoren derzeit gut bewertet. In der Vergangenheit hatte die Anlageklasse Asian Debt eine weitaus ausländisch dominierte Investorenbasis. In risikoaversen Zeiten wie beispielsweise der Kreditkrise 2008 oder der seit 2009 andauernden Eurokrise führte diese Tatsache zu einer stark erhöhten Volatilität, weil die ausländischen Investoren ihre Gewichtung in Emerging Markets reduzierten. Die Volatilität in Asien war damit häufig höher als in den USA oder Europa, doch der Auslöser für die Risikoaversion stammte eben aus dem Ausland.

Dank des steigenden Anteils an lokalen Investoren sind asiatische Anleihemärkte heute weniger anfällig für die globale Investorenstimmung geworden. Es besteht sowohl eine hohe Nachfrage nach Anleihen, aber auch ein ausreichendes Angebot. Wurden vor zwei Jahren gerade einmal 50 Prozent der neu emittierten Unternehmens¬anleihen an asiatische Investoren ausgegeben, sind es heute bereits über 70 Prozent. In vielen anderen Anlagemärkten Asiens ist das Angebot hingegen sehr niedrig. Das treibt die Preise auf ein Niveau, das im Vergleich zu China weniger rentabel ist.

Gesundes Kreditumfeld für chinesische Onshore-Anleihen

Viele Jahre wurde die Ausfallrate am chinesischen Onshore-Anleihemarkt mit Null Prozent angegeben – insbesondere in staatsnahen Sektoren. Dieser Umstand ist nicht normal. Im Wissen, dass man im Falle eines Ausfalls stets von jemandem herausgeboxt wird, haben Anleger Investitionen in sehr risikoträchtige Unternehmen mit einer vergleichsweise kleinen Rendite in Kauf genommen.

Im Hinblick auf die Reformbestrebungen in China jedoch kann der Staat Unternehmen in diesen Branchen nicht weiter unterstützen. Es ist deshalb in den kommenden Jahren mit einer steigenden Ausfallquote zu rechnen, was paradoxerweise eine positive Entwicklung darstellt. Denn nur so lässt sich ein wirklich gesundes Kreditumfeld schaffen, in dem Anleger – auch chinesische – für die Übernahme von Kreditrisiken angemessen vergütet werden.

China bleibt Zugpferd bei Emerging Market Debt

China wird weiterhin eine wichtige Rolle im Bereich von Emerging Market Debt spielen. So will die chinesische Regierung das Wirtschaftswachstum auch künftig graduell verlangsamen. Und das wirkt sich auf viele Anleihen eher günstig aus. Zwar hat sich China für die nächsten Jahre ein jährliches Wachstumsziel von 6,5 Prozent gesetzt – was auf ihre Möglichkeiten bezogen durchaus realistisch ist – aber das würde nichts am erheblichen Schuldenüberhang ändern. Im Gegenteil würde es die langfristigen Risiken erhöhen und sich kontraproduktiv auf die Reformziele auswirken.

Deshalb wäre es besser für China, wenn die jährliche Bruttoinlandsprodukt-Zuwachsrate unter 6,5 Prozent sinken würde. Jüngste Indizien deuten in diese Richtung und politische Entscheidungsträger scheinen den Reformprozess und das Verhältnis der Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt höher zu gewichten. Peking hat aber auch Chancen, den Wachstumsmotor anzuwerfen, ohne dabei die Verschuldung zu stark zu erhöhen. Beispielsweise können die Ressourcen im weniger kapitalintensiven Dienstleistungssektor konzentriert werden. In jedem Fall wirken sich solche Änderungen nur graduell aus und ein Wandel über Nacht wäre nicht zu erwarten.