Gründer des Finanzplaner Forums im Interview „Bafin schickt ihre Prüfer durch die CFP-Ausbildung“

Certified Financial Planner und Gründer des Finanzplaner Forums Guido Küsters | © Axel Jusseit, Finanzplaner Forum

Certified Financial Planner und Gründer des Finanzplaner Forums Guido Küsters Foto: Axel Jusseit, Finanzplaner Forum

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private banking magazin: Das Finanzplaner Forum wurde vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufen. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Küsters: Offensichtlich haben wir einen Nerv getroffen. In 2015 haben wir insgesamt 900 Personen in Präsenzveranstaltungen in Hamburg, Köln, Düsseldorf und Wien begrüßen können. Thematisch haben wir uns intensiv mit dem Thema Regulierung beschäftigt und viele Entwürfe von ESMA, Bafin und FMA kommentiert. Und wir haben das Thema Networking nach vorn gebracht. Wenn uns nun schon der Vorstand der Bundesbank besucht, haben wir mehr Resonanz erfahren, als wir erwartet haben. Diese Art von Networking brauchen wir als Finanzplaner.

Was haben Sie über die Weiterbildung hinaus auf der Agenda?

Küsters: Wenn wir wirklich etwas erreichen wollen und als besonders qualifizierter Berufsstand anerkannt werden wollen, müssen wir mehr tun und den Kontakt nach außen forcieren. Wir brauchen den Austausch mit den relevanten Entscheidern. Im September etwa wird Markus Ferber, CSU-Europaabgeordneter und Mifid-Berichterstatter beim Europaparlament, auf einen Finanzplaner Forum sprechen. Für das nächste Jahr hat uns bereits Christian Lindner von der FDP zugesagt. Wir stehen für ungefähr 5.000 Zertifikatsträger in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Obwohl wir eine vergleichsweise kleine Zahl repräsentieren, wecken wir das Interesse bei der Politik. Es lohnt sich, mit uns zu sprechen.

Sie streuen die Themen sehr breit auf den Foren, wäre es nicht sinnvoller mehr Schwerpunkte zu setzen?

Küsters: Die Vielfalt der Themen wird nachgefragt, wobei wir durchaus auch Schwerpunkte legen, etwa zur Ethik beim Finanzplaner Forum in Düsseldorf (hier einsehbar). In Wien hatten wir in diesem Jahr eine Tagung nur zur Digitalisierung.  Wir haben uns nicht nur an die Zertifikatsträger gerichtet, sondern auch an Vorstände und Entscheider, die das Thema Digitalisierung in ihre Strategien bei den Banken aufnehmen. Und da war es spannend, völlig unterschiedliche Marktteilnehmer zu versammeln, vom Vizegouverneur der österreichischen Nationalbank über einen Bundesbankvorstand bis hin zu verschiedenen Anbieter von Robo-Advice und Fintechs. Im Juni werden wir eine Veranstaltung in Hamburg haben, die einen klaren Schwerpunkt auf das Thema Nachfolgeberatung setzt.

Warum steigt die Zahl der Finanzplaner im deutschsprachigen Raum nur leicht?

Küsters: Die Ausbildung ist sehr komplex, langwierig und teuer. Man muss sich das gut überlegen, aber das Interesse ist da. FPSB Deutschland verzeichnet ein Wachstum in Deutschland um rund 40 bis 50 Personen pro Jahr, die sich weiterbilden lassen. In Österreich sind es im Schnitt der vergangenen Jahre 10  bis 15. Als Finanzplaner Forum stehen wir auch den EFA European Financial Advisor offen, die ebenfalls zertifiziert sind und Weiterbildungs-Credits benötigen. Wir sehen auch, dass es notwendig ist weitere Ausbildungen anzubieten, die möglicherweise weniger komplex sind als der Certfified Financial Planner (CFP), aber dennoch eine hohe Qualität bieten, so dass wir insgesamt mehr Leute in den Berufsstand holen. Damit verbunden sind dann Themen wie Weiterbildungsverpflichtungen und ethische Verpflichtungen, die es sonst ja kaum in der Branche gibt.