Großaktionär des Bayer-Konzerns Temasek will in Deutschland investieren

Führungskraft beim Staatsfonds Temasek: Uwe Krüger.  | © Temasek

Führungskraft beim Staatsfonds Temasek: Uwe Krüger. Foto: Temasek

Wenn Uwe Krüger sagt, er und seine Kollegen beim singapurianischen Staatsfonds Temasek hätten das Patentrezept auf das herausfordernde Anlageumfeld noch nicht gefunden, dann stapelt er mit dieser Aussage ziemlich tief. Immerhin hat die im Jahr 1974 mit Industriebeteiligungen – darunter Häfen in Singapur und die staatseigene Fluggesellschaft Singapore Airlines – im Wert von 354 Millionen Singapur-Dollar gegründete Holding seither eine jährliche Rendite von 15 Prozent eingefahren.

Heute hält Temasek, was übersetzt übrigens „Seestadt“ bedeutet, Beteiligungen an rund 600 Unternehmen im Gesamtwert von 313 Milliarden Singapur-Dollar (rund 206 Milliarden Euro) und investiert jedes Jahr zwischen 15 und 25 Milliarden Dollar. Temasek ist damit einer der größten institutionellen Anleger weltweit. Das anzulegende Vermögen speist sich nicht aus frischen Mitteln, sondern ausschließlich aus Verkaufserlösen, Dividenden und freier Liquidität. 

Physiker als Investor 

Der 55-jährige Krüger, von Haus aus Physiker, erfahrener Private-Equity-Investor und preisgekrönter „CEO des Jahres“, hat bei dem „technologie-affinen“ Staatsfonds mehrere Hüte auf: Er ist einer von insgesamt 16 Partnern, die die Anlageentscheidungen fällen – offiziell trägt er den Titel „Joint Head Portfolio Management“. Ferner verantwortet er unter anderem die Bereiche Industrie und Energie. 

Temasek sei ein themenorientierter Investor, „kein Restrukturierer“ angeschlagener Unternehmen, sondern legt breit diversifiziert und sehr diszipliniert an, so Krüger. Derzeit ist der Fonds aber mit gebremstem Schaum unterwegs und hält ein wachsendes Liquiditätspolster vor, um in Erwartung sinkender Kaufpreise für Beteiligungen – angefangen bei blutjungen Start-ups über Familienunternehmen bis hin zu Börsenschwergewichten – Chancen zügig wahrzunehmen, sprich weitere der für Temasek so typischen Minderheitsbeteiligungen einzugehen. „Wir mussten uns schon immer auf das jeweilige Umfeld einstellen und haben in den vergangenen 18 Monaten mehr verkauft, als gekauft, um unsere Liquiditätsreserve aufzubauen“, erläutert der gebürtige Frankfurter, der im Rahmen der Konferenz „Investment-Fokus“ der Fondsgesellschaft Lupus Alpha in dieser Woche darauf hinwies, dass Temasek operativ ganz anders aufgestellt sei, als viele andere Staatsfonds. 

Grenzenloser Freiraum 

Das beginnt schon beim grenzenlosen Anlagefreiraum. „Da wir unser Eigenkapital einsetzen und kein Fremdkapital nutzen, können wir sehr langfristig investieren“, erläuterte Krüger. Anders als der ebenfalls in Singapur beheimatete Staatsfonds GIC, der sich um die Anlage der Währungsreserven des Stadtstaates kümmert und ebenfalls global nach Anlagen sucht, tritt Temasek von Haus aus als professioneller Asset Manager für die Beteiligungen Singapurs auf. „Die Regierung nimmt keinen Einfluss auf unsere Anlageentscheidungen, wir haben keine Beschränkungen“, betonte Krüger.

Temasek sei zwar im engeren Sinne ein Staatsfonds, weil er dem Staat gehöre. Er erhalte aber keine Geldzuflüsse durch den Staat, wie das etwa beim norwegischen Ölfonds der Fall ist, noch muss Temasek Renten auszahlen. Das schaffe Spielraum für ein breit gestreutes Anlageportfolio, zu dem auch der unter einer Flut von Klagen leidende Bayer-Konzern gehört – Singapur hält knapp 4 Prozent der Aktien. Temasek wolle das Unternehmen weiter begleiten. „Wir sind sehr zufrieden mit der operativen Entwicklung und den Ergebnissen im dritten Quartal und von unserer ursprünglichen Investitionsthese weiterhin überzeugt“, so Krüger mit Blick auf Bayer. Bezogen auf das Portfolio sagte Krüger, einzige Aufgabe sei es, das Vermögen langfristig zu mehren.

Ganz ohne Verpflichtungen arbeitet Temasek dann aber doch nicht. Der Fonds hat 19 Stiftungen gegründet, die sich vor allem dem Thema Bildung widmen, und mit einem Vermögen von 2 Milliarden Dollar ausgestattet. Ferner unterstützt Temasek karitative Einrichtungen. 

Sechs Anlagetrends 

Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten orientieren sich Krüger und Co. – Temasek beschäftigt 800 Personen – von sechs Trends leiten, die Temasek in die Kategorien „Sozialer Fortschritt“ und „Technologie-Möglichmacher“ (Technology Enablers) aufteilt: Auf der einen Seite lauten die Schlagwörter längere Lebenserwartung der Menschen, zunehmender Wohlstand und nachhaltiges Leben. Auf der anderen Seite sieht Temasek Chancen in einer zunehmend vernetzten Welt, geteilten Nutzung von Ressourcen (Sharing Economy) sowie dem weiten Aufstieg „smarter“ Systeme.