Kommunen gehen bislang leer aus Insolvenzverwalter und Credit Suisse schütten Geld an Greensill-Geschädigte aus

Headphones
Artikel hören
Kommunen gehen bislang leer aus
Insolvenzverwalter und Credit Suisse schütten Geld an Greensill-Geschädigte aus
Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt.
Ehemaliger Standort der Greensill-Bank in Bremen

Ehemaliger Standort der Greensill-Bank in Bremen: Die Finanzaufsicht Bafin hatte die Tochter der britisch-australischen Finanzfirma Greensill Anfang März 2021 wegen drohender Überschuldung für den Kundenverkehr geschlossen. Foto: Imago Images / Eckhard Stengel

Der Verkauf von Vermögenswerten der insolventen Greensill-Bank gewinnt immer mehr an Kontur. Der eingesetzte Insolvenzverwalter Michael Frege, Partner der Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle, überwies bislang 550 Millionen Euro an die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EDB). Nun sollen laut Wirtschaftswoche weitere 150 Millionen Euro folgen.

Die EDB schützt Einlagen privater Kunden bis zu 100.000 Euro. Sie entschädigte rund 21.000 Greensill-Kunden mit insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro. Sind die gesetzlich bevorrechtigten Forderungen der EDB vollständig beglichen, haben weitere Gläubiger die Chance, wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen, darunter geschädigte Kommunen.

Insgesamt waren von Greensill-Gläubigern Forderungen in Höhe von rund vier Milliarden Euro angemeldet worden. Die Finanzaufsicht Bafin hatte die Bremer Tochter der britisch-australischen Finanzfirma Greensill Anfang März 2021 wegen drohender Überschuldung für den Kundenverkehr geschlossen.

Und auch in der Schweiz gib es Bewegungen in Sachen Greensill. Die Credit Suisse, die wegen der Greensill-Pleite rund 10 Milliarden Euro blockieren musste, will anscheinend die letzten liquidierten Gelder aus einem betroffenen Fonds freigeben. Es handelt sich damit laut der Schweizer Branchenseite Finews um eine Tranche von 31,3 Millionen Dollar. Damit sind seit der Schließung des Fonds 667 Millionen Dollar an die Anleger zurückgeflossen.

 

 

 

Laut CS entspricht das 99,7 Prozent des inneren Werts (NAV) des Fonds vom März 2021. Die Differenz ergibt sich aus den Kosten, welche die Bank für die Abwicklung berechnet. Dennoch sieht die CS Gläubiger als vollumfänglich entschädigt an. Der Grund: im September 2021 wurde den Kunden das gebührenbefreiungs-Programm, das „Fee waiver program“ vorgeschlagen. Jenen Kunden, welche diesem zugestimmt haben, wird bis zur Liquidierung der jeweiligen Greensill-Fonds ein Grossteil der Bankgebühren erlassen – dies aber nur, wenn sie noch mit der CS weiter Geschäfte machen. Die Kunden akzeptieren derweil, dass die Bank die Kosten für die Abwicklung dem Fondsvermögen in Rechnung stellt. Zudem stellt die CS in Aussicht, bis zum Jahresende auch den zweiten Investment-Grade-Fonds mit Domizil in Luxemburg ganz zu liquidieren.

Wie die Bank im Bericht des abgelaufenen dritten Quartals festhielt, entstanden ihr durch das Programm Kosten von 18 Millionen Franken, die vor allem der Sparte Wealth Management belastet wurden. Finews deutet dies als Hinweis dafür, dass die CS ihre Greensill-Fonds in großem Stil an eigene Privatbank-Kunden verkauft hatte.

Die beiden Fonds, die CS nun anstrebt aufzulösen, sind jedoch die beiden kleineren von insgesamt vier Greensill-Fonds im Portfolio. Bei den verbleibenden beiden Fonds steht die CS in Verhandlungen mit Versicherungen und weiteren institutionellen Investoren.