Green-Bonds-Emission der Baywa „Das grüne Element hat den Aufwand leicht erhöht“

Andreas Helber ist Finanzvorstand des Mischkonzerns Baywa.  | © Baywa

Andreas Helber ist Finanzvorstand des Mischkonzerns Baywa. Foto: Baywa

Herr Helber, die Baywa hat als erstes Unternehmen in Europa grüne Anleihen in der stattlichen Höhe von 500 Millionen Euro ohne Rating emittiert. Der Green Bond hat eine Laufzeit von fünf Jahren und einen Kupon von 3,125 Prozent. Warum ausgerechnet Green Bonds, statt herkömmliche Anleihen? 

Andreas Helber: Die Emission eines Green Bonds ist die logische Fortsetzung unserer seit zehn Jahren erfolgreichen Unternehmensstrategie im Bereich erneuerbare Energien. Sie passt auch sehr gut zu unserer in diesem Jahr erarbeiteten Strategie Economics, durch die wir unsere Geschäftsstrategien, -modelle und -ideen um eine grüne Perspektive erweitern. Das Interesse an Green Bonds am Kapitalmarkt ist groß – diese Opportunität haben wir genutzt und uns eine neue Investorenbasis erschlossen, die sich speziell für nachhaltige Finanzanlagen interessiert. Ferner dient der Green Bond auch ausdrücklich dazu, unser grünes Profil am Kapitalmarkt zu stärken und damit unsere Position als einer der größten Projektentwickler im Bereich erneuerbare Energien zu dokumentieren.

Welcher Aufwand war mit der Emission und der Investorenansprache verbunden? Zumal sie kein Rating vorweisen können.

Helber: Der Aufwand war vergleichbar mit einer klassischen Unternehmensanleihe, hierbei spielt es keine Rolle ob wir geratet oder ungeratet sind. Das „grüne“ Element hat den Aufwand leicht erhöht: es musste ein sogenanntes Green Bond Framework erstellt werden. Außerdem mussten Projekte identifiziert werden, die durch den Emissionserlös refinanziert werden sollten. Einmal im Jahr tagt künftig ein Komitee, das die Allokation der Mittel gemäß den Green-Bonds-Kriterien überprüft. 

Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage verbreitet sich in rasanter Geschwindigkeit. Wann durchdringt sie auch die Treasury-Abteilungen von Unternehmen?

Helber: Momentan sind Unternehmensanleihen im Gegenwert von 1,86 Billionen Euro ausstehend, hiervon sind allerdings nur 3 Prozent Green Bonds. Am Markt beobachten wir ein rasantes Wachstum der Green Bonds seit 2007 mit jährlichen Steigerungsraten von teilweise 30 Prozent, aber auf einem sehr niedrigen Niveau. In wie weit sich dies zukünftig entwickeln wird und mit welchen Auswirkungen, können wir nicht prognostizieren.

Treasurer mit einem Faible für Nachhaltigkeit stoßen an Grenzen, wenn ihr Unternehmen Produkte oder Dienstleistungen in Länder verkauft, die unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten problematisch sind. Die Lieferung führt zu einer Forderung an Kunden mit Sitz in einem kritischen Land. Aber Unternehmen werden kaum auf den damit einhergehenden Umsatz verzichten wollen – solange das betreffende Land nicht von politischer Seite offiziell sanktioniert wird. Wie sehen Sie das?

Helber: Grundsätzlich erfahren Unternehmen – egal, ob sie im Handels- oder Produktionsbereich tätig sind – seit einigen Jahren steigende Anforderungen ihrer Kunden im Hinblick auf die Transparenz ihrer Lieferkette. Deshalb stellen sich die Unternehmen schon seit geraumer Zeit darauf ein, diesem Informationsbedürfnis, das ja mittlerweile auch gesetzlich untermauert ist, nachzukommen und werden mit ihren Handlungen damit verbundenen Konsequenzen entsprechen.


Über den Interviewten:
Andreas Helber ist seit 2010 Finanzvorstand des börsennotierten Mischkonzerns Baywa. In sein Ressort fallen unter anderem die Bereiche Corporate Controlling, Corporate Finance & Accounting.