Ein Baum in karger Landschaft ziert das Cover des neuen Goldman-Sachs-Reports – ein passenderes Bild hätte die Wall-Street-Bank kaum wählen können. Denn genau so agieren Family Offices derzeit: Sie wurzeln tief, trotzen den Stürmen und wollen trotzdem weiter wachsen. Die Zahlen, die Goldman Sachs aus seiner bisher größten Befragung von 245 Vermögensverwaltern weltweit zusammengetragen hat, erzählen eine Geschichte, die so gar nicht zu den täglichen Krisenschlagzeilen passt.
Denn trotz Kriegsbildern, Handelsstreitigkeiten und zunehmender Blockbildung bleiben Family Offices gelassen. 61 Prozent sehen geopolitische Konflikte als eines der größten Investitionsrisiken – ein Wert, der in Asien (APAC) mit 75 Prozent noch deutlich höher liegt. Doch statt hektisch umzuschichten, setzen die meisten auf strukturelle Resilienz. Wer langfristig denkt, braucht keine schnellen Antworten – sondern klare Überzeugungen.
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Ein Baum in karger Landschaft ziert das Cover des neuen Goldman-Sachs-Reports – ein passenderes Bild hätte die Wall-Street-Bank kaum wählen können. Denn genau so agieren Family Offices derzeit: Sie wurzeln tief, trotzen den Stürmen und wollen trotzdem weiter wachsen. Die Zahlen, die Goldman Sachs aus seiner bisher größten Befragung von 245 Vermögensverwaltern weltweit zusammengetragen hat, erzählen eine Geschichte, die so gar nicht zu den täglichen Krisenschlagzeilen passt.
Denn trotz Kriegsbildern, Handelsstreitigkeiten und zunehmender Blockbildung bleiben Family Offices gelassen. 61 Prozent sehen geopolitische Konflikte als eines der größten Investitionsrisiken – ein Wert, der in Asien (APAC) mit 75 Prozent noch deutlich höher liegt. Doch statt hektisch umzuschichten, setzen die meisten auf strukturelle Resilienz. Wer langfristig denkt, braucht keine schnellen Antworten – sondern klare Überzeugungen.
Nehmen wir die Aktienquote: Nach dem Rückgang 2023 liegt sie wieder bei 31 Prozent (zuvor 28 Prozent) – und damit exakt auf dem Niveau von 2021. Als hätte es die Zinsschocks, Bankenpleiten und geopolitischen Verwerfungen der vergangenen zwei Jahre nie gegeben. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt tektonische Verschiebungen.
Private Equity verliert, aber anders als gedacht
Der scheinbare Verlierer ist ausgerechnet Private Equity, lange Zeit der Liebling der Vermögenden. Von 26 Prozent reduzierte sich die Allokation auf 21 Prozent. Nicht etwa, weil Family Offices das Vertrauen verloren hätten – ein Großteil will in den kommenden zwölf Monaten sogar aufstocken.
„Unter den Family Offices, die eine Veränderung erwarten, geht der größte Teil davon aus, dass sie ihr Engagement im Bereich Private Equity erhöhen werden“, heißt es im Bericht von Goldman Sachs. „Dies deckt sich mit den Aussagen unserer Kunden – ihr Engagement im Bereich Private Equity bleibt weiterhin stabil und programmatisch. Sie mögen ihr Tempo zwar verlangsamen, arbeiten aber weiterhin auf dieselben langfristigen Ziele hin.“
Die Berechnung hinter dem Private-Equity-Rückgang von 26 auf 21 Prozent ist weniger dramatisch als die Zahl vermuten lässt. „Dies war in den letzten Jahren ein immer wiederkehrendes Thema. Die Kommanditisten (limited partners) zögerten angesichts eines sich zwar verbessernden, aber nach wie vor gedämpften Exit-Umfelds, sich erneut für den nächsten Jahrgang zu verpflichten oder neue Manager zu engagieren“, heißt es im Bericht. Angesichts der Entwicklung des S&P 500 seit der letzten Umfrage war der Rückgang der durchschnittlichen Allokation in Private Equity jedoch geringer ausgefallen als erwartet, „wobei die ausbleibenden Ausschüttungen möglicherweise dazu beigetragen haben, eine Untergrenze für die Gewichtung von Private-Equity-Portfolios zu schaffen“.
Auffällig: Amerikanische Family Offices halten mit 25 Prozent weiter eisern an Private Equity fest, während Europäer (22 Prozent) und Asiaten (15 Prozent) zurückhaltender agieren. Ein Muster, das sich durch die gesamte Studie zieht – die Amerikaner pokern höher, während Europäer und Asiaten vorsichtiger navigieren.
Private Credit und Infrastruktur im Aufwind
Ertragsorientierte Anlagen gewinnen an Bedeutung. Private Credit wuchs von 3 auf 4 Prozent des durchschnittlichen Portfolios, wobei fast drei Viertel der Befragten mittlerweile in dieser Anlageklasse investiert sind. Die Attraktivität erklärt sich durch höhere Renditen im Vergleich zu traditionellen Kreditinstrumenten und besseren Schutz vor Verlusten durch vorrangige Positionen in der Kapitalstruktur.
Auch Private Real Estate und Infrastruktur legten von 9 auf 11 Prozent zu. 44 Prozent der Family Offices investieren direkt in Immobilien, während sie bei anderen alternativen Anlagen überwiegend auf externe Manager setzen.
Die KI-Wette läuft auf Hochtouren
86 Prozent der Befragten haben bereits in künstliche Intelligenz investiert – eine Zahl, die selbst manchen Goldman-Sachs-Banker überrascht haben dürfte. Doch die wahre Geschichte steckt im Detail: Während die Hälfte über börsennotierte Tech-Giganten investiert, setzen 32 Prozent auf „sekundäre Profiteure“, also Energieversorger, Rechenzentren-Betreiber, Kühlungsspezialisten.
Die folgende Grafik des Reports zeigt: 27 Prozent wollen Energie- und Rohstoffaktien übergewichten – ein klares Zeichen, dass Family Offices den enormen Strombedarf der KI-Revolution als Investmentchance begreifen.
Der Bitcoin-Graben zwischen Ost und West
Die Krypto-Statistik offenbart eine gespaltene Welt. In Asien sind nur 26 Prozent der Family Offices nicht an digitalen Assets interessiert. In Europa sind es 58 Prozent, die Kryptowährungen links liegen lassen. In Asien wird Krypto zunehmend als Absicherung gegen Währungsrisiken gesehen. In Europa gilt es weiterhin als Spekulationsobjekt.
Noch erstaunlicher: 11 Prozent nutzen Bitcoin als Tail-Risk-Absicherung – als digitales Gold sozusagen. Das mag verrückt klingen, doch angesichts eingefrorener russischer Devisenreserven und Bankpleiten à la Silicon Valley Bank erscheint die Logik plötzlich weniger absurd.
Sport als neue Anlageklasse
Ein Viertel der Befragten investiert bereits in Sport – weitere 25 Prozent liebäugeln damit. Was nach Spielerei klingt, folgt knallharter Investmentlogik: 61 Prozent sehen Medienrechte als wichtigsten Werttreiber. Die Formel ist simpel: Streaming-Dienste brauchen Live-Content, Sport ist der letzte Content, den Menschen live schauen müssen, also explodieren die Rechtewerte.
Die Präferenz für Männer-Profiligen (71 Prozent) überrascht nicht. Spannender: 19 Prozent investieren bereits in etablierte Frauen-Ligen, 20 Prozent in E-Sports.
Cash bleibt König – vorerst
Trotz aller Risikofreude parken Family Offices weiter 12 Prozent in Cash. Das mag nach viel klingen, doch die Autoren von Goldman Sachs nennen es eine „Barbell-Strategie“: maximale Liquidität kombiniert mit maximaler Illiquidität. Damit können sie schnell auf Marktchancen reagieren und Capital Calls bedienen, während sie gleichzeitig stark in illiquide Anlagen wie Private Equity (21 Prozent) und andere Alternatives (insgesamt 42 Prozent) investiert sind. 34 Prozent wollen diese Cash-Kasse in den kommenden Monaten anzapfen.
Die regionale Aufschlüsselung der Tail-Risk-Absicherung ist aufschlussreich: Während sich Europäer und Asiaten mit Gold, geografischer Diversifikation und sogar US-Treasuries gegen Extremereignisse wappnen, blenden 35 Prozent der amerikanischen Family Offices solche Risiken aus. „Derzeit keine Positionierung für ein Tail-Risiko-Ereignis“, heißt es lapidar in der Statistik.
Die Zahlen hinter den Zahlen
Die 245 teilnehmenden Family Offices repräsentieren erhebliches Vermögen: 67 Prozent verwalten mindestens eine Milliarde US-Dollar, wobei 40 Prozent zwischen einer und 5 Milliarden US-Dollar liegen. 13 Prozent der Befragten gehören zur Spitzengruppe mit über 10 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen.
Die geografische Verteilung zeigt eine starke Präsenz amerikanischer Family Offices (47 Prozent), gefolgt von Asien-Pazifik (27 Prozent) und Europa/Naher Osten/Afrika (26 Prozent).
Im Durchschnitt werden 70 Prozent der Investmentbedürfnisse intern gemanagt, wobei dieser Anteil bei größeren Family Offices noch höher liegt – bei Vermögen über 5 Milliarden US-Dollar erreicht er 75 Prozent.
Geduld als Asset
Die Zahlen mögen auf den ersten Blick langweilig wirken – 31 Prozent Aktien, 42 Prozent Alternatives, 12 Prozent Cash. Doch dahinter verbirgt sich eine fundamentale Erkenntnis: Wer nicht dem Quartalsdruck unterliegt, kann in KI-Kühlsysteme investieren, während andere noch über Nvidia-Bewertungen streiten. Kann Sportstadien kaufen, wenn alle nur auf Streaming-Aktien starren. Kann Private Credit aufbauen, während Banken ihre Bilanzen schrumpfen.
Das wahre Privileg der Family Offices ist nicht ihr Geld – es ist ihre Zeit. Und die nutzen sie, um weiter zu wachsen. Selbst in karger Landschaft.
