Die beiden bekanntesten Edelmetalle Gold und Silber kosten soviel wie noch nie und klettern derzeit von einem Höchststand zum nächsten. Aktuell kostet Gold 4.594 US-Dollar, umgerechnet 3.958 Euro, Silber 88,60 US-Dollar, umgerechnet 76,23 Euro. Nach Einschätzung der Experten des Wealth Managements von BNP Paribas hat Silber jedoch sein kurzfristiges Potenzial damit bereits ausgeschöpft.
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Die beiden bekanntesten Edelmetalle Gold und Silber kosten soviel wie noch nie und klettern derzeit von einem Höchststand zum nächsten. Aktuell kostet Gold 4.594 US-Dollar, umgerechnet 3.958 Euro, Silber 88,60 US-Dollar, umgerechnet 76,23 Euro. Nach Einschätzung der Experten des Wealth Managements von BNP Paribas hat Silber jedoch sein kurzfristiges Potenzial damit bereits ausgeschöpft.
„Silber hat unser Kursziel von 80 US-Dollar überschritten, sodass die Luft nach oben deutlich dünner wird. Wir senken unsere Einschätzung daher taktisch auf neutral“, erklärt Stephan Kemper, Chief Investment Strategist von BNP Paribas im Wealth Management. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, Chips vom Tisch zu nehmen und Gewinne zu sichern.
Gold-Kursziel von 5.000 US-Dollar
Im Gegensatz zu Silber sei das Kursziel für Gold von 5.000 US-Dollar bis Ende 2026 noch nicht erreicht, so Kemper: „Basierend auf dem aktuellen Niveau bietet sich bei Gold ein weiteres Kurspotential von 8,5 Prozent.“
Während Silber heiß gelaufen sei, biete Gold weiteres Potenzial: „Wer jetzt Gewinne aus Silber in Gold umschichtet, tauscht Überhitzung gegen Aufwärtspotenzial.“ Eine Korrektur des Silberpreises wirke dagegen überfällig. Es mache daher Sinn, jetzt Liquidität aufzubauen, um auf attraktiveren Kursniveaus wieder einsteigen zu können.
Seit Mai 2025 hat Silber dem Investmentstrategen zufolge gegenüber Gold eine relative Outperformance von rund 130 Prozent hingelegt. An der optimistischen langfristigen Einschätzung für Silber hält Kemper allerdings fest und sieht mögliche Abschwünge des Silberpreises als günstige Kaufgelegenheiten.
Zu dem Ergebnis, dass Silber mit Blick auf seinen aktuellen Höhenflug aus taktischer Sicht nun ein vergleichweise geringeres Aufwärtspotenzial habe, kommen auch die Analysten weiterer Wealth Manager.
Euphorische Einschätzung des Silberpreises
Carsten Menke, Leiter des Next Generation Research bei Julius Bär, etwa erwartet, dass zunehmende Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed und der Position des US-Dollars als Weltreservewährung mehr Anleger auf der Suche nach sicheren Häfen auf die Gold- und Silbermärkte locken und die Preise durchaus noch weiter in die Höhe treiben kann.
Grafik: Gold und Silber so teuer wie nie zuvor
Die Preisentwicklung der beiden Edelmetalle verlaufe dabei aber nicht parallel: „Der Silbermarkt ist viel kleiner als der Goldmarkt und sensibler gegenüber Bewegungen der US-Zinsen und des US-Dollars – er dürfte deshalb stärker auf solche Bedenken reagieren, wie bereits heute zu beobachten ist.“ Nach den Marktbewegungen der vergangenen Wochen glaubt Menke, dass die Outperformance von Silber gegenüber Gold übertrieben und die Stimmung zu euphorisch geworden sei.
„Gleichzeitig bekräftigen wir unsere konstruktive Einschätzung für Gold, auch wenn die Preise aus kurzfristiger Sicht ebenfalls überzogen erscheinen. Aus längerfristiger Perspektive bleiben unterstützende Faktoren wie solide Käufe der Zentralbanken und die steigende Verschuldung der Staaten bestehen“, so der Julius-Bär-Researcher.
Auch DZ Bank hebt Goldprognose bis Jahresende an
Auch aus Sicht von DZ-Bank-Analyst Thomas Kulp treibt nicht zuletzt die von US-Präsident Donald Trump gefährdete Unabhängigkeit der US-Notenbank den Goldpreis nach oben. „Das Vertrauen in die Fed ist derzeit stark angeschlagen, was für die Goldnachfrage sogar noch wichtiger ist als die US-Geldpolitik.“ Weiterer Treiber des Edelmetalls sei die zunehmende geopolitische Blockbildung.
Diese werde durch das Vorgehen der USA in Venezuela, die Drohung weiterer Eingriffe in Kolumbien und im Iran sowie die Fantasien einer Annexion Grönlands weiter zementiert – und spiegele sich in den Währungsreserven der Zentralbanken von Schwellenländern, so Menke: „Der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit vom US-Dollar treibt deren Goldreserven weiter in die Höhe.“ Vor diesem Hintergrund hebe die DZ Bank ihre Goldprognose bis Jahresende erstmals auf 5.000 US-Dollar je Feinunze.
Exakt die gleiche Prognose kommt von Peter Kinsella, Global Head of Forex Strategy bei der Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée: „Die einzige Einschränkung unserer grundsätzlich konstruktiven Haltung gegenüber Gold liegt in seinem Volatilitätsprofil.“ Die einmonatige implizite Volatilität liege derzeit bei rund 21 Prozent und damit auf einem sehr hohen Niveau.
In den vergangenen Monaten neigte der Goldpreis laut Kinsella dazu, bei Volatilitäten über 20 Prozent zu fallen, da kurzfristig trendfolgende Strategien ihre Positionen reduzierten. Dennoch glaubt der Analyst, dass es bis 5.000 US-Dollar nach oben gehen kann.
Weitere Preis-Rally von Silber nicht ausgeschlossen
Trotz großer Übereinstimmung teilen nicht alle Edelmetall-Experten das Urteil, dass der Silberpreis künftig langsamer steigen wird als der Goldwert. Die Researcher der Commerzbank beispielsweise haben ebenfalls ihre Prognose für den Goldpreis angehoben, wenn auch nicht im gleichen Maß wie die Kollegen. „Wir revidieren unsere Goldpreisprognose für Mitte des Jahres auf 4.800 US-Dollar und für Ende 2026 auf 4.900 US-Dollar je Feinunze nach oben. Dabei sind zwischenzeitlich auch noch höhere Preisniveaus möglich“, erläutert Rohstoffanalyst Carsten Fritsch.
Silber sehen die Commerzbanker aber keineswegs am Ende seiner Preis-Rally angekommen. Der Silberpreis wird dem Experten zufolge bis Mitte des Jahres auf 92 US-Dollar und Ende 2026 auf 95 US-Dollar je Feinunze klettern. Silber würde sich demnach auch gegenüber Gold verteuern, und das Preisverhältnis von Gold zu Silber weiter fallen, aktuell liegt es bei 52.