Globale Konjunkturabkühlung Real Assets können eine Alternative sein

„Wenn in der Geopolitik Spannung herrscht, kann Gold durchaus zur Absicherung genutzt werden“, sagt Ed Perks von Franklin Templeton Multi-Asset Solutions. | © Getty Images

„Wenn in der Geopolitik Spannung herrscht, kann Gold durchaus zur Absicherung genutzt werden“, sagt Ed Perks von Franklin Templeton Multi-Asset Solutions. Foto: Getty Images

Die weltweite Konjunktur zeigt weiterhin eine Abwärtsdynamik. Treten wir jedoch einen Schritt zurück und betrachten die großen Volkswirtschaften, befinden sich die USA in einer besseren Lage als einige Länder Europas. Dennoch: Beide Regionen weisen einen hohen Beschäftigungsgrad auf. Auch das relative Verbrauchervertrauen dies und jenseits des Atlantiks ist nach wie vor intakt. Beide Faktoren geben in gewissem Maße Anlass für Optimismus.

Doch auch wenn wir weiterhin nur wenige Anzeichen für spätzyklische Ungleichgewichte erkennen und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession nach wie vor gering ist, nehmen die Risiken doch zu. Nehmen wir den Handelsstreit zwischen den USA und China: Je stärker die Handelstätigkeit im Zuge dessen zurückgeht und je länger dieses Phänomen anhält, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Probleme nicht auch auf die Weltwirtschaft übergreifen.

Inflationserwartungen bereiten Kopfzerbrechen

Vor allem die niedrigen Inflationserwartungen sorgen bei den großen Zentralbanken derzeit für Kopfzerbrechen. Denn ein derart begrenzter Einfluss der Arbeitsmarktengpässe auf den Lohnanstieg und auf die allgemeinen Inflationskennzahlen ist durchaus unüblich. Aus der Unfähigkeit, das vorgesehene Inflationsniveau zu erreichen, erwächst bei den Zentralbanken zwangsläufig die Sorge, dass die Inflationserwartungen keinen „Anker“ mehr haben könnten.

Umfragen zu längerfristigen Inflationserwartungen in den USA verharren somit in der Nähe historischer Tiefststände und entsprechen einem Niveau, das zuletzt Ende 2016 herrschte. Folglich überrascht es nicht, dass sich die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) weiterhin auf dieses Thema konzentriert.

Was die Fundamentaldaten der Unternehmen angeht, sind diese trotz des mäßigen globalen Wachstums relativ stark. Aufgrund der Engpässe auf den Arbeitsmärkten vieler Volkswirtschaften erhält die Lohninflation in gewisser Weise Aufwind.

Allerdings scheinen die Unternehmen diese Kosten nur eingeschränkt an die Verbraucher weitergeben zu können. Ein Grund dafür: Nach einer langen Wachstumsphase haben die Gewinnmargen der Unternehmen ihren Zenit erreicht und werden das künftige Gewinnwachstum wahrscheinlich bremsen.

Zusammen mit sich abschwächenden konjunkturellen Inflationstreibern setzen beispielsweise die Preisrückgänge bei Rohstoffen seit Mitte 2018 die Gesamtinflation unter Druck.

Geldpolitik nahe der Wirksamkeitsgrenze

Den politischen Entscheidungsträgern stehen schwierige Monate ins Haus. Und so scheinen die Erwartungen der Anleger schon jetzt Preisabschläge für weitere Zinssenkungen durch die Fed einzukalkulieren. Doch angesichts der aktuellen niedrigen Leitzinsen könnte vielen Zentralbanken die Munition ausgehen.

Vor diesem Hintergrund wächst bei Anlegern die Sorge, dass die herkömmlichen geldpolitischen Maßnahmen ihre Wirksamkeitsgrenze erreichen. Das wiederum erhöht den Druck auf alternative politische Maßnahmen und schürt bei den Anlegern die Angst vor einer Machtlosigkeit der Politik.

In Europa werden angesichts zunehmender Rezessionsängste Rufe nach der Ergänzung der Geldpolitik durch die Fiskalpolitik laut. Zwar steht Christine Lagarde, die zukünftige Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), einer politischen Abstimmung positiv gegenüber. Allerdings könnte es der EZB schwerfallen, den dafür erforderlichen politischen Konsens zu erreichen, bevor ein stärkerer Abschwung die Angst vor einer neuen Krise im Euroraum anheizt.

Gleichzeitig scheint es, als ob sich die aktuelle Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte eher auf eine vorhandene Liquidität zurückführen lässt, als auf zu erwartende Unternehmensgewinne. Deshalb haben wir die Sorge, dass die Zentralbanker kollektiv daran scheitern werden, die Erwartungen der Märkte vollständig zu erfüllen.

Dazu kommen der politische Druck auf die Fed sowie die komplexen Interaktionen zwischen handelspolitischer Rhetorik, Marktstimmung und Geldpolitik. Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage würden uns weitere (plötzliche) Aktienkursänderungen nicht überraschen.