Globale Anleihemärkte „Die besten Chancen bieten Schwellenländer-Währungen“

 Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro bei Franklin Templeton

Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro bei Franklin Templeton

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private banking magazin: Mit Ihrem Unconstrained-Ansatz sind Sie frei von allen Anlagezwängen und können weltweit unbeschränkt auf den Anleihemärkten agieren. Wo sehen Sie aktuell die besten Anlagechancen?

Michael Hasenstab: Die Renditen in den Emerging Markets sind im Vergleich zu den anhaltenden Mini-Zinsen in den Industrieländern attraktiv. Einige Anleihemärkte in Lokalwährung und einige Währungen sind günstig bewertet. Viele Emerging-Markets-Währungen wurden viel zu stark abgestraft. Auf risikobereinigter Basis sehen wir hier die besten Chancen. Wir mögen Anleihen von Ländern mit positiven realen Renditen, die kein extremes Zinsrisiko haben. Ebenso mögen wir Währungen von Ländern, wo sich das Wachstum stabil gehalten und sich der Inflationsdruck erhöht hat, sodass die Währung fundamental unterbewertet ist.

In welche Schwellenländer investieren Sie?

Hasenstab: Wir fokussieren uns auf zwei Typen von Emerging Markets. Zum einen auf Länder mit soliden Fundamentaldaten, die jedoch gepreist sind, als würden sie sich in einer Krise befinden. Hierzu zählen zum Beispiel Mexiko, Malaysia, Indonesien und die Phillippinen. Zum anderen setzen wir auf Länder in angespannten Situationen, die sich kürzlich in einer Krise befanden, aber einen überzeugenden Plan haben, mittelfristig wieder auf die Beine zu kommen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Brasilien.

Und wo sehen Sie außerhalb der Emerging Markets Chancen?

Hasenstab: Wir halten Short-Positionen im Euro und im japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar, da wir eine divergierende Notenbankpolitik erwarten. Während die US-Notenbank Fed zu straffenden Maßnahmen übergeht, dürften die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan ihre Lockerung bis ins Jahr 2017 fortsetzen. Bei US-Staatsanleihen haben wir zudem die Duration in den negativen Bereich gesenkt.

Wo halten Sie sich fern?

Hasenstab: Einige Länder meiden wir, zum Beispiel die Türkei, Russland, Venezuela und Südafrika – entweder aufgrund ihrer hohen wirtschaftlichen Abhängigkeit von Rohstoffexporten oder der unsicheren politischen Lage oder wegen einer Kombination aus beidem. Wir haben zudem unsere Investitionen in Unternehmensanleihen zurückgefahren. Viele Positionen, die wir vor drei bis fünf Jahren aufgebaut haben, haben sich gut entwickelt, die Spreads haben sich verengt, und sie haben ihren fairen Preis erreicht oder sind sogar als teuer zu betrachten. Wir halten Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets jetzt für sehr anfällig und sehen bessere Chancen bei Staatsanleihen, insbesondere in lokaler Währung. Außerdem meiden wir Zinsrisiken, vor allem die Risiken steigender US-Zinsen, da wir denken, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr weiter erhöhen muss.

Wie aktiv ist Ihre Strategie? Setzen Sie auch auf kurzfristige Gelegenheiten?

Hasenstab: Wir konzentrieren uns vornehmlich auf Investments, die sich nach zwei bis drei Jahren oder sogar noch etwas später auszahlen sollten. Viele Anlageideen für die globalen Märkte brauchen etwas Zeit, um sich zu entwickeln und müssen eventuell auch kurzfristige Schwankungen überstehen. Wir bewerten unsere Positionen aber laufend und überprüfen unsere fundamentalen Annahmen. Wenn es kurzfristig signifikante Änderungen gibt, die unsere Investmentthese beeinflussen, müssen wir unsere Position eventuell früher verkaufen als angedacht. Und auch beim Kauf agieren wir sehr aktiv. Bei einigen Anlagechancen muss man schnell zuschlagen, sonst sind sie wieder weg. In den volatilen Phasen im August 2015 und in den ersten Wochen dieses Jahres hatten wir unser Kredit-Exposure reduziert und Cash gehalten, um Gelegenheiten nutzen zu können.

Was beunruhigt Sie zurzeit am meisten?

Hasenstab: Die Abschwächung des Wirtschaftswachstums bereitet mir weniger Sorgen, wichtiger ist mir die Qualität des Wachstums, das durch eine gute Politik unterstützt wird. Die größte Gefahr für die Aussichten eines Landes ist sehr kurzfristiges Denken. Wir mögen Länder, in denen das Wachstum auf den richtigen Faktoren basiert, wie Investitionen in Bildung oder eine verbesserte Produktivität. Sorgen mache ich mir vielmehr über die zunehmenden ultra-nationalistischen Interessen, die Gefahr von Grenzschließungen, die den Handel gefährden würden, und den wachsenden Protektionismus, der einen gesunden Wettbewerb und damit Innovationen verhindert. Ein weiteres beunruhigendes Phänomen wäre eine abnehmende soziale und wirtschaftliche Mobilität. Wenn Menschen das Vertrauen verlieren, dass sie die Chance auf einen Aufstieg durch harte Arbeit haben, verlieren sie die Motivation, die die Gesellschaften vorantreibt.