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Gleichberechtigung Wie eine verbesserte Frauenquote die Rendite steigern kann

Frau in Indien auf dem Weg zur Arbeit: Weibliche Vorstände sind in der Wirtschaft des Subkontinents unterrepräsentiert. | © imago images / Westend61

Frau in Indien auf dem Weg zur Arbeit: Weibliche Vorstände sind in der Wirtschaft des Subkontinents unterrepräsentiert. Foto: imago images / Westend61

Seit 1911, als Frauen am 8. März den ersten Internationalen Frauentag ins Leben riefen, kämpfen Frauen für das Ideal, dass Männer und Frauen gleich sind. Doch heute, 109 Jahre später, ist die Gleichstellung der Geschlechter weder in Deutschland noch im Rest der Welt Realität.

Während sich in Deutschland die Ungleichheit vor allem in beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten und in der Bezahlung äußert, ist in Indien die Ungleichheit von Geburt an ein Problem. „Frauen sind in der indischen Wirtschaft stark unterrepräsentiert. Wir brauchen einen Wandel in der Wahrnehmung von Frauen und Arbeit, um die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen“, sagt Fromaget. Und das dürfte sich auszahlen: Schätzungen zufolge könnte eine verbesserte Frauenquote am indischen Arbeitsmarkt das Bruttoinlandsprodukt bis 2025 um 770 Milliarden US-Dollar gegenüber 2015 erhöhen.

Indische Frauen stehen vor vielen Hürden

Vorurteile gegenüber Mädchen bestehen in Indien von Geburt an. Geschlechtsspezifische Abtreibungen sind keine Seltenheit. Schon in frühester Kindheit sind Mädchen mit anhaltender Ungleichheit konfrontiert, die den Zugang zu Nahrung, Gesundheit und Sicherheit beeinträchtigt.

Relativ wenig Unterschiede hingegen gibt es bei der Bildung. Die verschiedenen Schulstufen werden gleichermaßen von Mädchen und Jungen besucht. Die Kluft zwischen den Geschlechtern entsteht erst mit dem Eintritt ins Berufsleben: Nur 28,4 Prozent der Frauen sind berufstätig. Indische Frauen wenden für unbezahlte Arbeit sieben- bis zehnmal mehr Zeit als Männer auf. Im weltweiten Vergleich liegt der Mehraufwand für unbezahlte Arbeit für Frauen nur zwei- bis dreimal so hoch. „Dennoch wollen Frauen in Indien arbeiten – ein Drittel derer, die hauptsächlich im Haushalt arbeiten, geben an, dass sie gerne arbeiten würden“, sagt Fromaget.

Doch das ist gar nicht so einfach. 88 Prozent der Beschäftigung in Indien erfolgt auf informeller Basis. Zugleich sind Arbeitnehmerrechte nicht stark ausgeprägt. Arbeitende Frauen erhalten 34 Prozent weniger Stundenlohn als Männer. Auch Faktoren wie Alter, Ausbildung und Erfahrung entscheiden über das Gehalt. Das ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen: Männer schränken weibliche Familienmitglieder häufig ein und schreiben ihnen vor, welche Arbeit sie machen dürfen. „Frauen kündigen darüber hinaus oft ihre Arbeit, um sich um die Familie zu kümmern. Daher gelangen sie häufig erst gar nicht in Führungspositionen“, beobachtet Fromaget. Schätzungen der Weltbank zufolge sind zwischen 2004 und 2012 20 Millionen indische Frauen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden, Tendenz steigend.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die indische Regierung den bezahlten Mutterschaftsurlaub 2017 von zwölf auf 26 Wochen erhöht. Da aber die Arbeitgeber die Kosten dafür tragen, zögern viele Unternehmen, Frauen einzustellen. Auch das Lohnniveau bleibt niedrig. Das gilt vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, die stark von der stetigen Präsenz und kontinuierlichen Produktivität ihrer Mitarbeiter abhängig sind. Angesichts der Frauenquote in Vorständen börsennotierter indischer Unternehmen beginnt sich einiges zu ändern: „Das ist ein guter Anfang, aber es muss noch mehr getan werden, um weiblichen Führungskräften in Indien zu einer Stimme zu verhelfen, die wirklich zählt“, fordert Fromaget.

Wie Investoren sich in indischen Unternehmen engagieren können

Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um die Gleichstellung der Geschlechter in Indien voranzubringen. „Gesellschaft und Unternehmen müssen umdenken und sich für mehr Diversität und Integration einsetzen“, betont Fromaget. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, können Investoren sich auf unterschiedliche Weise in indischen Unternehmen engagieren. „Der Wille zum Wandel muss von oben kommuniziert werden. In diesem Sinne verlangen wir von der Unternehmensleitung und dem Vorstand, eine öffentliche Erklärung zur Gleichstellung der Geschlechter“, so Fromaget. Darüber hinaus sollten Unternehmen Richtlinien und Programme für Chancengleichheit einführen, um die Gleichstellung der Geschlechter zu gewährleisten. Flexibles Arbeiten kann helfen, Frauen und Männern die Möglichkeit zu geben, ihr Berufs- und Privatleben in Einklang zu bringen. Darüber hinaus kann eine Berichterstattung zu geschlechtsspezifischen Daten Aufschluss darüber geben, inwieweit sich ein Unternehmen in die richtige Richtung entwickelt.

Die Ungleichheit der Geschlechter bleibt eine Herausforderung für alle Länder – unabhängig vom Stand ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. „Wir glauben, dass die Kluft zwischen den Geschlechtern den Erfolg von Unternehmen und Volkswirtschaften beeinträchtigt. Die Weltbank schätzt, dass dadurch ein Wertschöpfungspotenzial von 160 Billionen US-Dollar brach liegt. Bleibt es bei dieser Diskrepanz, wird es schwierig, das Ziel 5 der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung („Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“) zu erreichen. Für Investoren besteht die Gefahr, dass die langfristigen Renditen durch Ungleichheit beeinträchtigt werden“, blickt die Expertin voraus. AXA IM setzt sich daher für die Abschaffung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten ein, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Fromaget: „Wir hoffen, dass wir dadurch gemeinsam dazu beitragen können, die Situation von Frauen weltweit zu verbessern.“