Getrennte Welten Chefs von Dax- und Familienunternehmen bleiben unter ihresgleichen

Hubertus Graf Douglas ist Geschäftsführer von Korn Ferry in Deutschland

Hubertus Graf Douglas ist Geschäftsführer von Korn Ferry in Deutschland

Die Vorstandsvorsitzenden der deutschen Dax-Konzerne und die Geschäftsführer von Familienunternehmen wechseln beruflich nur selten die Seiten. Das zeigt eine Untersuchung des weltgrößten Personalberaters Korn Ferry.

Demnach waren lediglich fünf der Dax-Chefs bereits zuvor schon einmal bei einem nicht notierten Unternehmen in Familienbesitz beschäftigt, von den 30 größten nicht an der Börse gelisteten Unternehmen in Familienhand haben nur sieben Geschäftsführer bereits früher für einen Konzern gearbeitet.

„Schon sehr früh legen sich die Manager meist unbewusst fest, in welcher Unternehmensform sie Karriere machen werden. Häufig wird dies schon mit der ersten beruflichen Station entschieden“, sagt Hubertus Graf Douglas, Geschäftsführer von Korn Ferry in Deutschland. „Nicht nur Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien gelten untereinander als kaum durchlässig. Einen ähnlichen Effekt können Sie in der Wirtschaft auch zwischen den Welten Konzern und Privatunternehmen feststellen.“

Den Grund dafür sehen die Studienautoren in den unterschiedlichen Anforderungen und Kulturen beider Welten. „Während es in der Welt der Konzerne vor allem darum geht, eine Vielzahl an Investoren und gesellschaftlichen Anspruchsgruppen gerecht zu werden, dreht sich in der Welt privater Unternehmen häufig alles um eins: die Zufriedenheit der Eigentümer und Gesellschafter“, so Graf Douglas.

Stallgeruch bleibt wichtig

Diejenigen, die ihren Weg nach oben finden wollten, würden verständlicherweise ihre Entscheidungen schon sehr frühzeitig auf die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Kulturen ausrichten. Einmal festgelegt wird die berufliche Konstanz zum entscheidenden Kriterium auf dem Weg ins Top-Management.

So haben die heutigen Top-Kräfte nur selten ihren Arbeitgeber gewechselt. Viele von ihnen haben ihre Karriere dort begonnen, wo sie heute an der Spitze stehen. „Stallgeruch ist und bleibt ein wichtiger Bonus für die Wahl des neuen Chefs. Externe Besetzungen haben es immer schwerer, wie prominente Fälle zeigen“, so Graf Douglas. „Der Wechsel zu einer Firma bringt immer das Risiko mit sich, mit der Kultur nicht zurecht zu kommen. Führungskräfte scheitern nicht wegen fehlender Fachkenntnisse, sondern weil sie nicht die neue Kultur hineinfinden.“ Das sei auch der eigentliche Grund, warum kaum eine Karrierevermischung zwischen Konzernen und Familienunternehmen bei Top-Managern stattfinde.

Diese strikte Trennung ist laut Untersuchung aber im Umbruch. Permanenter Veränderungsdruck zwingt demnach auch deutsche Unternehmen mehr und mehr dazu, verstärkt auf fachliche Qualifikation ihrer Führungskräfte zu achten.

„Gerade Manager, die sich bereits in verschiedenen Systemen bewährt haben, bieten heute die größte Chance, Unternehmen durch diese Zeit sicher zu lotsen“, so Graf Douglas. „Denn sie haben bewiesen, dass sie ihre Fähigkeiten nicht nur unter gegebenen Rahmenbedingungen einsetzen können. Sie haben die notwendige Anpassungsfähigkeit, um systemische Veränderungen schnell zu adaptieren.“

Für die Untersuchung wurden die 31 (Co)-Vorstandsvorsitzenden der deutschen Dax-Konzerne sowie die 33 (Co)-Vorsitzenden der Geschäftsführung der 30 größten deutschen Konzerne in Familienbesitz auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen betrachtet.