Schwellenländer-Fonds Interview mit Lacuna-Chef Hartauer: Gesundheit!

Lacuna-Chef Thomas Hartauer

Lacuna-Chef Thomas Hartauer

private banking magazin: Herr Hartauer, die halbe Redaktion liegt flach. Gibt es da auch was von Ratiopharm im Portfolio des Lacuna Adamant Asia Pacific Health? 


Thomas Hartauer: Leider nein. Den israelischen Mutterkonzern von Ratiopharm, Teva, haben wir nicht im Portfolio. Auch wenn ein Teil der Umsätze in den Schwellenländern erwirtschaftet wird. Der Hauptmarkt für Teva sind die USA. Aber die Firmen aus den Schwellenländern, allen voran aus China, sind sehr weit vorne in der Grippeforschung. Doch auch abseits der bekannten Märkte wie China und Indien gibt es in den Schwellenländern sehr interessante Investmentziele, die man sonst nur aus den Urlaubsprospekten kennt.

Zum Beispiel?

Hartauer: Indonesien etwa. Mit 233 Millionen Einwohnern ist der Inselstaat fast genauso groß wie die Eurozone. Er hat ein akutes Versorgungsproblem. Auf 1.000 Einwohner kommen gerade einmal 0,3 Ärzte und 0,6 Krankenhausbetten. Die Indonesier geben nur magere 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für ihre Gesundheit aus.

Wie investiert Fondsberater Oliver Kubli von Adamant in so einem Fall?

Hartauer: Indonesien hat über 1.000 Inseln. Das macht es schwer, eine vernünftige Versorgung aufzubauen. Wie bekommt man auf jede Insel einen Arzt? Da muss man kreativ sein. Wir haben beispielsweise das Jakarta Eye Center im Portfolio. Das ist eine Augenheilklinik mit Weltruhm. Die haben eine Internet-Sprechstunde eingerichtet. Man braucht einen PC mit Kamera und spricht mit dem Arzt, der in vielen Fällen eine Ferndiagnose stellen kann. Er verschreibt und verschickt dann die entsprechenden Medikamente. Ein großes Thema ist auch der Healthcare-Tourismus.

Wie bitte?

Hartauer: Das thailändische Bumrungrad International Hospital beispielsweise, auch eine unserer Holdings, hat sich auf ausländische Premiumkunden spezialisiert. Sie können sich auf der Homepage ein komplettes Programm aus Hautstraffung, Fettabsaugen und Wellness zusammenstellen. Das ist eine Privatklinik in wunderschöner Umgebung. Da können Sie nach dem Eingriff gleich noch zwei Wochen Urlaub machen und zahlen nicht mehr als zu Hause – ohne Urlaub. In London gibt es sogar ein Reisebüro, das ausschließlich Krankenreisen organisiert. Anders als für uns ist es für die Briten kein Problem, sich beispielsweise die Hüfte  in Indien machen zu lassen.
Das hört sich alles gut an, aber warum sollte ich in einen Schwellenländer-Gesundheitsfonds investieren, anstatt in einen Schwellenländer-Fonds, der über mehrere Branchen streuen darf?
Hartauer: Weil wir mit dem Lacuna Adamant Asia Pacific Health den breiten Aktienindex MSCI Asia Pacific deutlich schlagen. In den vergangenen fünf Jahren hat der Fonds um 42,3 Prozent zugelegt, der Index nur um 15,1 Prozent.


Woran liegt das?

Hartauer: Die Gesundheitsbranche wächst sehr dynamisch. Immer mehr Menschen in den Schwellenländern können sich immer mehr leisten. Hat man ein gewisses Level an Wohlstand erreicht, steigt das Bedürfnis, in seine Gesundheit zu investieren. Das ist ein Grundbedürfnis, darum wächst der Gesundheitssektor schneller als der Rest. Und das sieht man auch an der Performance.
Ist das Risiko bei so einem Branchenfonds höher als bei den klassischen Schwellenländer-Fonds?
Hartauer: Die Volatilität liegt unter 10 Prozent pro Jahr. Trotzdem kann sich auch unser Fonds nicht komplett von einer schlechten Stimmung an den Märkten abkoppeln. Wir investieren überwiegend in Midcaps, aus dem einfachen Grund, weil es kaum andere Unternehmen in diesem Sektor gibt. Diese reagieren recht sensibel auf fallende Märkte. Nur in Japan gibt es eine Handvoll Large Caps, die nicht ganz so empfindlich sind.

Was macht Fondsberater Kubli, wenn Gefahr im Verzug ist?

Hartauer: Dann investiert er stärker in Japan. Im Jahr 2011 beispielsweise waren es bis zu 35 Prozent des Portfolios. Und er erhöht die Cashquote.

2008 ging es trotzdem ordentlich bergab.

Hartauer: Das lag vor allem an den Währungen. Kubli sichert  das Währungsrisiko nicht ab, außer beim Yen. Wir gehen mittelfristig nach wie vor von einem höheren Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern aus. Dadurch dürften die Währungen gegenüber Euro und Dollar zulegen. Nur, wenn die Märkte wie 2008 fallen, fallen auch die Währungen. Das hat uns die Performance damals verhagelt. Mit zunehmendem Wirtschaftswachstum werden die Währungen aber immer sicherer und die Korrelation nimmt ab. Der Gesundheitsmarkt ist aber grundsätzlich sehr stabil, auch wenn es kurzfristig zu Kursschwankungen kommen kann.

Woran machen Sie das fest?

Hartauer: Bis 2050 wird es rund 9 Milliarden Menschen auf der Welt geben, zwei Drittel davon werden in Asien leben. Und wie ich schon sagte, der Mittelstand wächst rasant. Immer mehr Menschen haben das Geld, um in ihre Gesundheit zu investieren. Anders als Hierzulande haben die Schwellenländer kein Ausgabenproblem, sondern ein Versorgungsproblem. 4 bis 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden derzeit für die Gesundheit ausgegeben. In  Deutschland sind es 11 bis 12 Prozent und in den USA sogar 18 Prozent. Das ist noch viel Luft nach oben. 

Es wird viel in Infrastruktur investiert. Das dürfte doch schon zur Verbesserung der Gesundheitsstandards geführt haben.

Hartauer: Ja, hat es. Die Infektionskrankheiten gehen zurück und es sterben weniger Kinder. Dadurch verändert sich der Gesundheitsmarkt. Die Menschen werden jetzt älter. Sie bekommen jetzt Alzheimer und Parkinson. Vorher sind sie dafür gar nicht alt genug geworden.

Das Thema ist also noch lange nicht durch?

Hartauer: Nein, das sind Trends, die uns noch über Jahrzehnte begleiten werden. Bis zu einer Gesundheitsversorgung, wie im Westen, ist es noch ein langer Weg.

>> Der Lacuna Adamant Asia Pacific Health (WKN: A0JEKR) ist der einzige Fonds Europas, der ausschließlich in den Gesundheitsmarkt der Schwellenländer investiert.