Sie haben den Estate-Planner-Lehrgang in zwei Level aufgespalten. Warum das Ganze?
Tilmes: Zum einen kommt die Modularisierung dem Bedarf einiger Berater und Private-Banking-Anbieter näher, die nur das Generationenmanagement mit Fokus auf die private Vermögensnachfolge, aber nicht das deutlich komplexere Estate Planning mit Fragen der unternehmerischen oder internationalen Vermögensnachfolge erlernen wollen. Zum anderen bietet die Zweistufigkeit eine zeitlich deutlich größere Flexibilität, da man zwischen Absolvierung von erster und zweiter Stufe auch pausieren kann.
Werden Sie künftig verstärkt die Themen Digitalisierung und Robo Advisory in die Fortbildungsinhalte aufnehmen?
Tilmes: Wir haben die Themen bereits sehr frühzeitig auf unserer jährlichen Konferenz „Kontakte: Financial Planning Praxis“ aufgegriffen. Daneben finden Digitalisierungsthemen mit ihren jeweiligen fachlichen Ausprägungen in unsere verschiedenen Studiengänge Einzug und sind mittlerweile auch regelmäßig Gegenstand der in unserem Master-Lehrgang geschriebenen Abschlussarbeiten.
Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung in den nächsten Jahren am Fortbildungsmarkt für Private Banker und Wealth Manager ein?
Tilmes: Der Markt wird weiterhin kompetitiv bleiben, zumal nicht mit einer stärkeren Margenerholung der Private-Banking-Anbieter in Deutschland zu rechnen ist. Um jedoch in einem durchaus kompetitiven Wettbewerbsumfeld den Kunden für sich gewinnen zu können, bedarf es kontinuierlicher Investitionen in die Qualität von Beratung und damit Beratern. Nicht zuletzt die spürbar gestiegenen regulatorischen Anforderungen haben zu einer deutlichen Professionalisierung des Berufsbildes geführt und werden dies weiter tun.
Investitionen in Mitarbeiter sind daher nicht nur regulatorisch geboten, sondern auch strategisch erforderlich. Aus- und Weiterbildung werden darüber hinaus in einem Markt, der als Arbeitsumfeld an Attraktivität verloren hat – Stichwort schlechtes Image der Banker –, zu einem differenzierenden Wettbewerbsfaktor.
Über den Interviewten:
Professor Rolf Tilmes ist Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Private Finance & Wealth Management an der EBS Business School und leitet dort seit rund zehn Jahren die EBS Finanzakademie. Zudem steht Tilmes dem Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB) seit 1997 als Vorstandsvorsitzender vor.
