Gespräch mit Rolf Tilmes „Berater wollen durch Abschlüsse ihre eigene Marktfähigkeit erhöhen“

Professor Rolf Tilmes von der EBS Finanzakademie: Der wissenschaftliche Leiter erklärt, wie die EBS Finanzakademie mit der veränderten Nachfrage nach Fortbildung umgeht. | © EBS Finanzakademie

Professor Rolf Tilmes von der EBS Finanzakademie: Der wissenschaftliche Leiter erklärt, wie die EBS Finanzakademie mit der veränderten Nachfrage nach Fortbildung umgeht. Foto: EBS Finanzakademie

private banking magazin: Herr Tilmes, die Private-Banking-Branche steht unter Margendruck. Kommt das auch bei der EBS Finanzakademie an?

Rolf Tilmes: Wenn es in der Branche margenbedingt zu Kosteneinsparungsmaßnahmen kommt, gehören Weiterbildungsmaßnahmen – obwohl es sich um Investitionen in Mitarbeiter und damit Beratungsqualität am Kunden handelt – häufig mit zu den ersten Positionen, an deren Kosten gespart wird. Die sich ergebenden negativen Folgen zeigen sich häufig erst mit etwas Zeitverzug.

Gleichzeitig ist die Zahl der für den Teilnehmer kostenfreier Veranstaltungen und Konferenzen, die sich über die in den Vorträgen zur Wort kommenden Produktanbieter finanzieren, deutlich gestiegen. An die inhaltliche Qualität derartiger Veranstaltungen lässt sich aber zuweilen ein großes Fragezeichen machen.

Kein Wandel zum Guten also.

Tilmes: Einige Private Banking-Anbieter setzen aber bewusst gegen diesen Trend auf die Qualifikation ihrer Mitarbeiter, die nicht zuletzt durch die WpHG-Mitarbeiteranzeigeverordnung und MaComp auch regulatorisch von der Aufsicht klar eingefordert wird. Wir sehen daher durchaus auch Anbieter, die nach wie vor ihre Mitarbeiter zum Certified Financial Planner qualifizieren und die damit einhergehenden direkten Investitionen von bis zu 15.000 Euro auch ganz bewusst in die Hand nehmen.

Ebenso setzen aber auch verschiedene Private Banking-Anbieter im Rahmen von firmenindividuellen Weiterbildungsstudiengängen nach wie vor auf Qualität und verbinden beispielsweise fachliche Inhalte mit hausinternen Produkt- und Vertriebsthemen.

Zahlen die Weiterbildungsprogramme die Arbeitgeber, oder eher die Banker, Vermögensverwalter et et cetera selbst?

Tilmes: Über alle Teilnehmer und Studiengänge hinweg liegt der Selbstzahleranteil an der EBS bei 50 Prozent. Während unabhängige Finanzdienstleister und IFAs bereits seit langem eigenverantwortlich in ihre Aus- und Weiterbildung investieren, ist der Anteil der angestellten Banker vergleichsweise gering. Nichtsdestotrotz beobachten wir eine stetige Zunahme an angestellten Bankern, die auch aus eigener Tasche in ihre Qualifikation investieren.

Wie erklären Sie sich letzteren Trend?

Tilmes: Zum einen kompensieren einige Berater die Defizite ihrer eigenen Institute im Bereich der Weiterbildung im Interesse des Erhalts und Ausbaus des eigenen Humankapitals.

Zum anderen werden von Beratern teilweise auch gezielt Alternativen zu rein verbund- und gruppeninternen Weiterbildungen und Abschlüssen gesucht, die eine höhere branchenweite Akzeptanz und Durchlässigkeit aufweisen. So bilden wir zunehmend Berater aus dem Sparkassen-Sektor aus, die bewusst den Weg hin zum Certified Financial Planner gehen wollen und sich nicht auf die rein sparkasseninterne Zertifizierung zum Financial Consultant der S-Finanzgruppe beschränken wollen, um die eigene Marktfähigkeit zu erhöhen.

Zusätzlich sehen wir einen starken Trend zur Akademisierung des Private Banking. Der Master in Business mit der Spezialisierung im Wealth Management erfreut sich sehr großer Beliebtheit, weil er einerseits Weiterbildungen wie den Financial Consultant, Finanzökonom oder Estate Planner auf den Master anrechenbar macht und andererseits eine akademischen Abschluss auch für Personen mit primär beruflicher Qualifikation ermöglicht.