Gespräch mit Pictet-Teilhaber „Wir sind ein 214 Jahre altes Start-up“

Rémy Best ist einer von sieben Teilhabern der Schweizer Bank Pictet. | © Pictet 2019

Rémy Best ist einer von sieben Teilhabern der Schweizer Bank Pictet. Foto: Pictet 2019

private banking magazin: Die heutige Pictet-Gruppe wurde im Jahr 1805 gegründet. Ist für die vermögende Klientel Tradition heute noch ein entscheidender Faktor?

Rémy Best: Allein reicht das sicherlich nicht. Stephen Schwarzmann, Mitgrün-der von Blackstone, hat über Pictet mal gesagt, dass es ein über 200 Jahre altes Start-up sei. Und das trifft ziemlich genau unser Selbstbild. Inzwischen sind wir 214 Jahre alt, und dass es die Bank schon so lange gibt, ist ein Privileg der Geschichte. Wir haben in all den Jahren nie unseren Fokus auf die Vermögensverwaltung aus den Augen verloren, fühlen uns dabei gleichzeitig wie ein Start-up, denn wir erfinden die Bank beständig neu. Jeden Tag arbeiten wir daran, unsere Kunden noch besser betreuen zu können, sei es durch die Identifizierung neuer Investment-Trends oder die Weiterentwicklung unserer Services.

Was ist in der Vermögensverwaltung wichtiger: Tradition oder Innovation?

Best: Mein Vater sagte immer: Nichts geht über Erfahrung. Und ich denke, dass das insbesondere in der Vermögensverwaltung zutrifft. Ein ehemaliger Teilhaber bei Pictet hatte in seinem Büro einen klassischen Schreibtisch, ein schönes Stück, das aber nicht sehr praktisch war. Als ich ihn fragte, warum er ihn nicht austausche, sagte er, dass der alte Tisch schon so viele schwierige Zeiten, Kapitalmarktkrisen, Kriege und Unruhe erlebt hätte und doch immer noch existiere. Der Schreibtisch erinnere ihn daran, dass es ein wesentlicher Teil unserer Aufgabe ist, Menschen auch in schwierigen Zeiten zu beraten und ihr Vermögen zu verwalten. Denn das sei die gute Nachricht bezüglich der Geschichte: Es ist nicht das erste Mal, wenn erneut eine Krise unser Leben bestimmt. Aber wir werden wissen, wie man damit bestmöglich umgeht. Dank unserer Erfahrung.

Und die Innovation?

Best: Nur zurückzuschauen ist natürlich zu wenig. Wir müssen nach vorne schau-en. Es geht doch um die Frage, welche Neuerungen man in der Bank vornimmt, um die Kunden gut und zeitgemäß zu beraten. Beispielsweise benötigen unsere Kunden heutzutage Beratung bezüglich ihres philanthropischen Engagements. Zunächst einmal geht es dort dann darum, einer Familie zu helfen, sich adäquat aufzustellen und zu klären, welches Engagement zu den Werten der Familie passt. Da-ran schließen sich aber weitere Themen an, zum Beispiel wie das Engagement zusätzlich eine positive Wirkung auf den Zusammenhalt einer Familie haben kann. Das sind vergleichsweise neue Themen, zu denen Vermögende nur selten erfahrene Sparrings-Partner finden. Aber auch auf der Investmentseite müssen wir innovativ sein.

Sie meinen die Themenfonds von Pictet Asset Management?

Best: Die natürlich auch. Die Entwicklung der Welt wird ganz wesentlich durch einige Megatrends bestimmt. Indem wir die-se früh erkannt und investierbar gemacht haben, gelten wir auf diesem Gebiet als Pionier und Marktführer. Gleiches gilt für alternative Anlagen wie Private Equity. Bereits vor über 25 Jahren haben wir unsere Kunden diesbezüglich beraten und gehörten zu den Erstanlegern bei heutigen Größen wie Carlyle, Blackstone und BC Partners. Und das hilft uns noch heute beim Zugang zu solchen Top-Adressen. Insgesamt haben unsere Kunden über 11 Milliarden Euro in Private Equity angelegt.

Wirkt sich der Zugang zu einer sehr vermögenden Klientel eigentlich auf die eigene Organisation aus?

Best: Unsere Bank hat in zwei Jahrhunderten ein enormes Netzwerk aufbauen können. Von den rund 200 Milliarden Schweizer Franken im Wealth Management sind mehr als zwei Drittel der Kundeneinlagen größer als 20 Millionen und ein beträchtlicher Teil davon über 100 Millionen Schweizer Franken. Oft handelt es sich um Gelder von Familien mit unternehmerischem Hintergrund. Deren Sparrings-Partner zu sein, hilft uns enorm, wesentliche Impulse darüber zu erlangen, was sich strukturell in der Welt verändert und wie wir unser Dienstleistungsangebot weiter-entwickeln können.