Gespräch mit Armin Spöttl, Vorstand Performance IMC „Ein Eigentümerwechsel ist für einen unbelasteten Neustart notwendig”

Armin Spöttl ist seit Jahresbeginn neuer Vorstand der Mannheimer Vermögensverwaltung Performance IMC. | © Gecam

Armin Spöttl ist seit Jahresbeginn neuer Vorstand der Mannheimer Vermögensverwaltung Performance IMC. Foto: Gecam

Was bisher geschah

Bislang ist im Ermittlungsverfahren gegen insgesamt elf Beschuldigte – darunter zwei ehemalige Vorstände der Performance IMC – wegen des Verdachts der Marktmanipulation, der Untreue und des Betrugs noch kein Abschluss erfolgt, teilt die Staatsanwaltschaft Mannheim auf Anfrage des private banking magazin mit. Die Beschuldigten sollen die Verdachtsmomente Untreue und Betrug bestreiten, die Marktmanipulation aber eingeräumt haben, sagen mit den Vorgängen vertraute Personen.

Die Ermittlungen waren aufgrund mehrerer Anzeigen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im Zusammenhang mit der Performance IMC Vermögensverwaltung am 6. Oktober 2014 eingeleitet worden. Auch die Frage der Werthaltigkeit der Anleihen sei Gegenstand des laufenden strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens, teilt wiederum die Bafin auf Anfrage der Redaktion mit. Zu Verfahrensdetails könne die Finanzaufsicht keine Auskunft geben.

Der Vorwurf Ausgabe nicht-werthaltiger Anleihen soll durch einen Wirtschaftsprüfer widerlegt worden sein, heißt es aus Insiderkreisen. Das Unternehmen Performance IMC – gegen das sich die Ermittlungen zu keinem Zeitpunkt direkt richten – ist selbst aktiv geworden und hat auf eigene Kosten einen Wirtschaftsprüfer beauftragt, um die aus Kundensicht wichtigste Frage, nämlich die Werthaltigkeit der Anleihen, zu klären. Diese Prüfungen seien aufgrund ihrer Komplexität noch nicht abgeschlossen.

Wie es dem Vermögensverwalter mit Sitz in Mannheim seit Bekanntwerden der Ermittlungen ergangen ist und wie die Pläne des Unternehmens für die Zukunft aussehen, darüber hat die Redaktion mit Armin Spöttl, Vorstand der Performance IMC, gesprochen.

private banking magazin: Herr Spöttl, wie viel Kundenvermögen hat die Performance IMC seit Bekanntwerden der Ermittlungen verloren?

Armin Spöttl: Obwohl sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nie gegen die Perfomance IMC selbst, sondern nur gegen einzelne Personen gerichtet haben, hat das bis dahin mehrfach ausgezeichnete Unternehmen leider einen großen Schaden erlitten. Das bis 2017 von der Performance IMC verwaltete Kundenvermögen ist nun auf einen Wert unter 100 Millionen Euro gerutscht. Dies hat sich leider auch negativ auf unsere Mitarbeiter ausgewirkt. Um das Überleben des Unternehmens sichern zu können, musste die Zahl der Beschäftigten um zwei Drittel verringert werden. Ein Teil davon hat uns von sich aus verlassen, einigen mussten wir aber auch leider aus betriebsbedingten Gründen kündigen.

Eigentümer Andreas Müller soll frisches Kapital nachgeschossen haben, um den Betrieb der Performance IMC aufrecht zu erhalten?

Spöttl: Das ist nicht korrekt. Andreas Müller hat zwar 2018 nach Aufforderung der Gesellschaft eine Zahlung von 400.000 Euro geleistet. Hierbei handelte es sich aber um die für ihn als Hauptgesellschafter noch offene und damit längst überfällige Kapitaleinlage.

Weiter ist zu hören, dass die Performance IMC auf die German Capital Management (Gecam) verschmolzen werden soll?

Spöttl: Es ist richtig, dass wir derzeit intensiv prüfen, die beiden Unternehmen miteinander zu verschmelzen. Ob und wann dies geschieht, ist derzeit noch offen. Die Verschmelzung soll uns die Chance eröffnen, mit neuer Kraft und unbelastet in die Zukunft zu starten.

Wird sich am Geschäftsmodell etwas ändern?

Spöttl: Wir sind sehr zuversichtlich, in einem interessanten Markt an die herausragenden Erfolge der beiden Vorgängerinstitute anschließen zu können. Deshalb wird sich auch am Geschäftsmodell selbst nichts Wesentliches ändern. Allerdings haben wir die Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen und rechtlichen Vorschriften zu unserer obersten Pflicht gemacht und alle Mitarbeiter strikt nochmals explizit auf die Compliance-Vorgaben verpflichtet, so wie wir das bei der Gecam schon lange praktizieren.

Es soll zudem eine neue Gesellschafterstruktur geben. Können Sie dazu konkrete Auskünfte geben?

Spöttl: Bestätigen können wir, dass auf Drängen der Bafin ein Eigentümerwechsel erfolgen soll, der aus unserer Sicht für den unbelasteten Neustart des Unternehmens absolut notwendig ist und den wir deshalb auch begrüßen. Beim potenziellen Hauptinvestor handelt es sich um einen Unternehmer aus dem Rhein-Neckar-Kreis. Bitte haben Sie Verständnis, dass sowohl zu ihm wie auch zu drei weiteren Investoren noch keine detaillierte Auskunft gegeben werden kann, da das Inhaberkontrollverfahren der Bafin noch nicht abgeschlossen ist. Bei allem Wunsch nach Transparenz: Uns sind hier leider die Hände gebunden.