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Gero Schomann verantwortet beim Fintech Stableton den Ausbau des Geschäfts rund um private Tech-Blue-Chips. Das Zürcher Haus hat sich gemeinsam mit Morningstar daran gemacht, einen systematischen, indexbasierten Zugang zu den 20 wertvollsten privaten Tech-Unternehmen der Welt zu schaffen: darunter Open AI, Space X, Anthropic, Databricks oder Stripe.
Schomann kennt die Perspektive der Anleger aus nahezu allen Segmenten – von großen Institutionellen über Versicherer bis hin zu vermögenden Privatanlegern. Ein Großteil seines Berufslebens spielte sich im Deutsche-Bank-Konzern ab, zuletzt als Vertriebschef für Deutschland und Österreich bei der DWS. Heute arbeitet er in einem Umfeld, das er als fokussierter, agiler und deutlich näher an der Wertschöpfung moderner Technologieunternehmen sieht.
Privat ist er eher klassisch unterwegs: ein Mann mit großer Krawattensammlung, der auf Ebay nach seltenem KPM-Porzellan sucht – und beruflich Zugang zu den wachstumsstärksten privaten Tech-Firmen dieser Welt organisiert.
private banking magazin: Stableton trägt inzwischen den Morningstar-Namen im Produkt. Für viele wirkt das wie ein Sprung in eine andere Liga. Was bedeutet diese Partnerschaft jenseits des Logos konkret für Ihre Strategie?
Gero Schomann: Die Partnerschaft mit Morningstar ist für uns viel mehr als ein Marketingeffekt. Unser Produkt heißt jetzt Stableton Morningstar Pitchbook Unicorn 20 Strategy, und genau das spiegelt die Rollenverteilung wider: Morningstar bringt Governance, Methodik und das Indexregelwerk ein – wir sind der Spezialist, der die Strategie im Markt umsetzt, Deals strukturiert und die Indexidee investierbar macht.
Gerade im privaten Tech-Segment ist Datenqualität ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Pitchbook als Private-Markets-Arm von Morningstar verfolgt über 1.350 Unicorns weltweit, inklusive Finanzierungsrunden, Bewertungen und Secondary-Trades. Diese Unternehmen repräsentieren mittlerweile eine kombinierte Bewertung von mehr als 4,7 Billionen US-Dollar. Wir bauen auf dieser Datenbasis auf und kombinieren sie mit unserem detaillierten Marktverständnis eigenen Dealflow und Preiswissen.
Was bringt die Partnerschaft mit Morningstar den Anlegern?
Schomann: Die Bewertungen des Morningstar Pitchbook Unicorn 20 Index, kurz: UI 20, basieren auf dem proprietärem Mark-to-Market-Bewertungsmodell von Morningstar. Das Modell nutzt Daten spezialisierter Sekundärmarktdatenanbieter, um robuste und transparente Bewertungen über das gesamte Portfolio hinweg zu gewährleisten.
Für professionelle Investoren bedeutet das: Sie verlassen den Bereich der anekdotischen, opportunistischen Einzelfälle und bekommen einen regelbasierten, wiederholbaren Zugang zu einem Markt, der bislang mitunter wie eine Black Box gewirkt hat. Der UI 20 unterliegt dem Governance- und Compliance-Framework von Morningstar und wurde so konzipiert, dass Vermögensverwalter den Index für institutionelle Strategien einsetzen können – er erfüllt die zentralen Anforderungen an einen investierbaren Index und steht im Einklang mit den Governance-Standards institutioneller Investoren. Ohne einen Partner wie Morningstar wäre ein indexbasiertes Exposure in Private Markets schlicht nicht möglich.
Viele Anleger können sich bei Private Markets wenig darunter vorstellen, was konkret im Portfolio liegt. Was kauft Ihr Fonds – wie unterscheiden sich diese Transaktionen vom klassischen Aktienkauf an der Börse?
Schomann: Im Kern erwerben wir ganz klassische Unternehmensanteile – nur eben an Firmen, die noch nicht börsennotiert sind. Der große Unterschied ist der Weg dorthin: Wir investieren überwiegend über den Secondary-Markt, also wir kaufen Anteile dieser privaten Firmen von Venture-Capital-Fonds, frühen Investoren oder Mitarbeitern, die nach vielen Jahren einen Teil ihrer Positionen liquidieren möchten.
Das sind vermutlich keine Kleinbeträge in der Online-Maske…
Schomann: Keineswegs, sondern Blocktrades im Bereich von meist 500.000 bis 10 Millionen US-Dollar pro Ticket. Wir haben inzwischen über 140 dieser Transaktionen umgesetzt – aus Sicht eines Private-Equity- oder Growth-Investors ist das eine sehr hohe Schlagzahl.
Der Speed kommt nicht von ungefähr?
Schomann: Der Sekundärmarkt ist stark gewachsen: Das Volumen hat mittlerweile 162 Milliarden US-Dollar überschritten, was Preisfindung und institutionellen Zugang deutlich verbessert hat. Hinzu kommt: Wir sind bei vielen dieser Unternehmen direkt auf dem Cap Table vertreten. Das heißt, wir stehen in direktem Austausch mit den Firmen, haben bevorzugten Zugang zu bestimmten Transaktionen und werden bei Tender-Angeboten oder strukturierten Programmen eingebunden.
Parallel dazu arbeiten wir mit über 100 Sourcing-Partnern weltweit – Banken, Brokern, VC-Häusern, Plattformen. Wenn wir Exposure in Open AI, Databricks oder Revolut aufbauen wollen, dann wissen wir sehr genau, wo wir suchen müssen. Dieses Netzwerk und die Fähigkeit, Deals zu strukturieren, sind der eigentliche Hebel hinter dem Produkt.
Sie setzen auf eine Gleichgewichtung der 20 Unicorns. Warum weichen Sie von der üblichen Logik marktgewichteter Indizes ab?
Schomann: Wir wollten bewusst vermeiden, dass einzelne Namen das gesamte Risiko dominieren. In einem marktgewichteten Ansatz würden wenige sehr große Titel schnell 30, 40 Prozent des Portfolios stellen – das mag für Public Markets diskutabel sein, im Private-Segment halten wir das für wenig sinnvoll.
Was macht für Sie Sinn?
Schomann: Unser Zielgewicht liegt bei rund 5 Prozent pro Unternehmen. In einem gewissen Band lässt der Index Schwankungen zu, aber ab 7,5 Prozent oder unter 2,5 Prozent werden die Positionen wieder auf das Zielgewicht von 5 Prozent zurückgesetzt. Das ist kein kosmetischer Effekt, sondern sorgt dafür, dass wir eine reale Diversifikation innerhalb dieser 20 Titel haben – geographisch, sektorseitig und was die Geschäftsmodelle angeht.
18 von 20 Indexmitgliedern sitzen in den USA. Europa schafft es trotz Talenten, Kapital und Förderprogrammen kaum in diese Spitzengruppe. Ist das eine Momentaufnahme – oder ein strukturelles Problem?
Schomann: Die Realität ist: Die zentralen Schlüsseltechnologien kommen aus den USA – insbesondere in den Bereichen KI, Fintech, Space Tech, Cybersecurity, Enterprise Software. Morningstar wendet eine Reihe harter Kriterien an, darunter unter anderem Größe und die Liquidität im Secondary-Markt. Nach dieser Logik wirtschaften aktuell eben 18 der 20 wichtigsten Unicorns in den USA. Europa ist nicht chancenlos, aber es spielt in dieser Gewichtsklasse selten mit.