Brexit-Folge Großbritannien will Boni-Obergrenze für Banker abschaffen

Kwasi Kwarteng, Finanzminister von Großbritannien

Kwasi Kwarteng, Finanzminister von Großbritannien: Wir brauchen globale Banken, die hier in London Arbeitsplätze schaffen, hier investieren und hier Steuern zahlen – nicht in Paris, Frankfurt oder New York.“ Foto: Imago Images / Zuma Wire

Noch keinen Monat im Amt, hat der britische Finanzminister Kwasi Kwarteng eine Änderung der Bonuszahlungen für Bankangestellte auf den Weg gebracht. Im Zuge der Finanzkrise 2008, wurde diese 2014 EU-weit auf das doppelte des Jahresgehalts begrenzt. „Wir brauchen globale Banken, die hier in London Arbeitsplätze schaffen, hier investieren und hier Steuern zahlen – nicht in Paris, Frankfurt oder New York“, sagte Kwarteng, der zuvor Wirtschaftsminister des Landes war zu der Regelung. Er ist der Meinung, dass der Bonideckel lediglich die Festgehälter der Banker nach oben getrieben oder Aktivität aus Europa wegverlagert hat: „Er hat nie die Gesamtvergütung gedeckelt“, sagte Kwarteng.

Kwartengs Initiative wurde in Londons Finanzszene bislang verhalten zur Kenntnis genommen. Die Auswirkungen des Bonideckels auf die Kosten der Banken seien zu gering, da diese den Deckel in der Tat oft über höhere Festgehälter umgehen.

 

 

 


Zuspruch bekommt der Finanzminister dagegen von Roger McCormick von der Bayes Business School. „Ich bin der Meinung, dass jede Einmischung der Regierung in die Frage, wer was bezahlt, eine beträchtliche Belastung darstellt“, sagt er, ergänzt jedoch: „Sollte es Anzeichen dafür geben, dass die Rücksichtslosigkeit zurückkehrt, können wir natürlich die Wiedereinführung einiger Abschreckungsmaßnahmen in Betracht ziehen.“

Die Bayes Business School leitet das Conduct Costs Project, das die Fälle von Fehlverhalten in 20 der weltweit größten Banken überwacht.  Angela Gallo, Senior Finanzdozentin an der Bayes Universität weist ebenfalls darauf hin, dass Obergrenzen für Banker-Boni nur wenig Auswirkungen auf das Verhalten der Banker hätten: „Tatsächlich haben wir seit 2014 immer noch schwerwiegende Fälle von Fehlverhalten von Banken beobachtet. Die Regelung war in diesem Zeitraum in Kraft, hat jedoch das Problem eindeutig nicht wie erwartet gelöst. Die Wettbewerbsfähigkeit ist auch ein zwingendes Argument, selbst im Hinblick auf Nicht-Finanzbranchen, die zunehmend in Konkurrenz zu den Banken stehen - wie etwa der Fintech-Bereich.“

Dass Kwarteng in der derzeit wirtschaftlich angespannten Lage überhaupt über den Bonusdeckel nachdenkt, kommt in Großbritannien nicht gut an. Die oppositionelle Labour-Partei kritisiert beispielsweise, dass Krankenschwestern wegen der hohen Inflation große Reallohneinbußen hinnehmen müssten, während Banker bald höhere Boni kassieren könnten. Eine Blitzumfrage von Yougov ergab, dass nur 15 Prozent der Wähler ein Ende des Bonusdeckels unterstützen, 60 Prozent waren dagegen.